aktualisiert: 21.02.2012 16:32 Uhr
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MAIN-TAUBER-KREIS
Landrat und Bürgermeister befürchten Kahlschlag für ihren Kreis
In Schreiben an den Ministerpräsidenten und den Innenminister teilen sie ihre Sorgen bezüglich der Polizeistrukturreform mit
„Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, lassen Sie die ländlichen Räume nicht ausbluten“, bitten Landrat Reinhard Frank und alle 18 Oberbürgermeister und Bürgermeister im Main-Tauber-Kreis Winfried Kretschmann in einem gemeinsamen Schreiben. Sie befürchten durch die geplante Polizeistrukturreform einen „Aderlass und Kahlschlag“ für ihren Kreis.
Auch an Innenminister Reinhold Gall haben sie schriftlich appelliert, die Kreisstadt Tauberbischofsheim bei der weiteren Konkretisierung der Polizeistrukturreform angemessen zu berücksichtigen. Dies könne zum Beispiel durch die Ansiedlung eines Polizeipräsidiums oder zumindest einer Direktion geschehen. Zudem solle der Standort der Akademie der Polizei in Wertheim erhalten und weiter ausgebaut werden. Zuvor haben die Beteiligten in einer gemeinsamen Dienstbesprechung im Landratsamt in Tauberbischofsheim das Vorgehen beraten. Wolfgang Eble, Leitender Kriminaldirektor und Leiter der Polizeidirektion Tauberbischofsheim, sowie der Leiter der Außenstelle der Akademie der Polizei in Wertheim, Kriminaldirektor Bernhard Mertn, erläuterten die Reformpläne noch einmal detailliert.
Im Schreiben an Kretschmann und Gall teilen der Landrat und die Bürgermeister mit, dass sie in ihrem Landkreis einen „Verlust an Wirtschaftskraft, Prosperität und Attraktivität“ befürchten. Bereits Reformen des Bundes und Landes aus den zurückliegenden Jahren haben den Kreis „hart getroffen.“ So zum Beispiel die „fast völlige Demilitarisierung des Kreises mit der Aufgabe fast aller militärischen Einrichtungen mit mehreren Tausend Dienstposten.“ Hinzu komme „die Abwanderung der jungen und hoch qualifizierten Menschen in die Ballungsräume. So verlassen zum Beispiel rund 1000 junge Menschen jedes Jahr die Region Heilbronn-Franken, vor allem auch aus dem Main-Tauber-Kreis.“ Dieser Trend werde durch die geplante Polizeistrukturreform verstärkt: „Denn unserem Kreis droht durch die Reform ein Verlust von über 120 qualifizierten Arbeitsplätzen. Davon entfallen rund 70 auf die Polizeidirektion Tauberbischofsheim und rund 50 auf die Akademie der Polizei in Wertheim“, heißt es in dem Schreiben an Innenminister Gall. Zwar unterstütze man grundlegend die Polizeistrukturreform, aber ländliche Räume müssten „ausgewogen berücksichtigt werden.“
Die Unterzeichner bitten beide, Kretschmann und Gall, um einen Besprechungstermin, bei dem sie ihre Sorgen und Lösungsvorschläge – zum Beispiel die Ansiedlung eines Polizeipräsidiums – vortragen können. Neben Landrat Reinhard Frank, die Oberbürgermeister Udo Glatthaar (Bad Mergentheim) und Stefan Mikulicz (Wertheim) haben unter anderem die Bürgermeister Wolfgang Vockel (Tauberbischofsheim), Manfred Weis (Großrinderfeld), Alfred Beetz (Grünsfeld), Ewald Wolpert (Königheim), Thomas Schreglmann (Külsheim), Thomas Maertens (Lauda-Königshofen), Ottmar Dürr (Werbach) und Bernhard Henneberger (Wittighausen) unterschrieben.
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