publiziert: 23.01.2011 18:00 Uhr
aktualisiert: 23.01.2011 18:03 Uhr
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Schmid treibt SPD zur Aufholjagd

Jubel am Parteitag für Fraktionschef

(lsw) Die SPD Baden-Württemberg sitzt im Umfragekeller. Aber ihr Chef Nils Schmid gibt sich zuversichtlich, zusammen mit den Grünen Schwarz-Gelb bei der Wahl im März aus der Regierung zu kippen. Rein rechnerisch sagen die Demoskopen bisher Grün-Rot eine Mehrheit voraus. Wohl inszeniert bahnt sich der Kandidat an der Seite seiner charmanten jungen Frau den Weg durch die Reihen der Delegierten und erklimmt mit federndem Schritt die Bühne. Nils Schmid versucht mit seinem Auftritt Leichtigkeit und Aufbruch zu vermitteln.

Der SPD-Vorsitzende schwört die seit Wochen schwächelnden Genossen auf einen Wechsel ein. „20 997 Tage sind genug“, ruft er in die Reihen und der erste Jubel brandet auf. Aber damit hat der 37-jährige Spitzenkandidat für die Landtagswahl am 27. März auch schon die große Herausforderung auf den Punkt gebracht. Denn am Wahltag werden es fast 58 Jahre oder 20 997 Tage sein, dass die CDU im Land fest im Regierungssattel sitzt – eine Bastion, an der sich die SPD zwischen Main und Bodensee schon oft die Zähne ausgebissen hat. Und in diesem Jahr sieht es für die Sozialdemokraten besonders schlecht aus.

In Umfragen dümpeln sie unter 20 Prozent – weit hinter den Grünen, die schon die 30-Prozent-Marke vor Augen haben. Aber Schmid lässt den Kopf nicht hängen, auch wenn ihm eine starke Erkältung fast die Stimme raubt. In seiner dreiviertelstündigen Ansprache zielt er direkt auf das emotionale Gedächtnis eines jeden Parteifreundes an die Bundestagswahl vor gut 12 Jahren: „Erinnert ihr euch noch an den 27. September 1998? Erinnert ihr euch noch an Eure Gefühle, als um 18.01 Uhr feststand: Kohl ist nach 16 Jahren abgelöst?“, fragt Schmid in die Runde und fordert den Parteitag auf, sich für einen kurzen Moment vorzustellen, wie es sich anfühlen könnte, wenn die CDU – mit Stefan Mappus an der Spitze – nach fast 58 Jahren in die Opposition geschickt wird.

Da ist der Bann gebrochen und Schmid, dem oft ein farbloses Image anhängt, hat den Parteitag auf seiner Seite. Vergessen sind die quälenden Debatten um die Nachwehen der von Rot-Grün durchgesetzten Sozialreformen oder um die Position der SPD im aufgeheizten Konflikt um Stuttgart 21: Einerseits für das milliardenschwere Bahnprojekt – andererseits für einen Volksentscheid, um eine breite demokratische Legitimation zu erreichen.

Vergessen scheint für einen kurzen Moment auch die Frage, wie die SPD als Juniorpartner mit einem grünen Ministerpräsidenten klarkäme. Schmid zentriert die von vielen bang erwartete Rede ganz auf die eigene Person. Er nimmt seinen CDU-Gegner Mappus fest in den Blick. Mit der FDP, die derzeit um ihren Wiedereinzug in den Landtag fürchtet, beschäftigt er sich gar nicht erst. Immer wieder streut er Sätze ein wie: „Ich verspreche Ihnen, wir werden den Menschen das Land zurückgeben.“

Gut 80 Kilometer nördlich zieht Schmids Kontrahent auch eine klare Trennlinie.„Entweder hat Schwarz-Gelb eine Mehrheit oder Grün-Rot“, sagt Mappus nach einer CDU-Klausur in den Mauern des altehrwürdigen Klosters Schöntal. Damit sind die Lager zumindest für den Wahlkampf festgefügt. Nach dem 27. März könnte aber alles wieder anders aussehen. Dafür sind zu viele Fragen offen.

    
    

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