aktualisiert: 27.07.2010 19:01 Uhr
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WENKHEIM
Synagogenförderverein feierte sein 25-jähriges Bestehen
Eine Stätte gegen das Vergessen
Mit einer großen Anzahl interessierter Gäste feierte der Verein zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum sein 25-jähriges Bestehen in und um die ehemalige Synagoge in Wenkheim. Auf dem weit außerhalb liegenden jüdischen Friedhof fanden interessante Führungen statt.
Nach einem musikalischen Auftakt durch das Streicherquartett der Tauberbischofsheimer Musikschule unter der Leitung von Johannes Wienand, erinnerte der Vorsitzende des Vereins („Synagogenförderverein“), Johannes Ghiraldin, nochmals an die Anfänge im Jahr 1984/85, als geschichtsbewusste Männer und Frauen sich daran machten, die ehemalige Landesynagoge in der Welzbachgemeinde vor dem totalen Verfall oder einer Fremdnutzung zu bewahren.
Viel Mühe habe es gekostet, bis das Konzept für die künftige Nutzung und die Finanzierung endgültig feststand. Nach über fünf Jahren war alles unter Dach und Fach und 1992 konnte die ehemalige Synagoge ihrer neuen Bestimmung übergeben werden.
Johannes Ghiraldin dankte allen, die seit 25 Jahren im Verein mitarbeiten und appellierte gleichzeitig an die Jugend, sich dafür einzusetzen, dass derartiges Unrecht nie wieder geschehen dürfe.
Ort des Gedenkens
Bürgermeister Ottmar Dürr freute sich darüber, dass sich vor 25 Jahren Männer und Frauen bereit erklärt hatten, das Wagnis der Geschichtsaufarbeitung – verbunden mit dem Wiederaufbau der ehemaligen Synagoge – eingingen und mit viel Durchhaltevermögen ans Ziel ka-men.
Er hob hervor, dass es einer gewachsenen und bewusst wahrgenommenen Demokratie bedarf, um von deutschem Boden aus nie wieder derartiges Unrecht an Minderheiten zuzulassen. Dürr erinnerte an das grauenhafte Schicksal ehemaliger Wenkheimer Bürger, die Verfolgung und Tod erleiden mussten.
„Die ehemalige Synagoge ist ein Ort des Gedenkens und der versöhnenden Gespräche geworden“, so das Fazit des Werbacher Gemeindeoberhaupts. Zum Abschluss übergab er dem Synagogenförderverein ein kleines Geburtstagsgeschenk – verbunden mit der Aufforderung, in Wenkheim weiter Geschichte zu erforschen und Denkmäler zu pflegen.
Landrat Reinhard Frank überbrachte den Dank des Main-Tauber-Kreises und lobte ebenfalls das Wirken des Vereins. Er stellte seine Ausführungen unter die Gedanken „Das Geheimnis der Versöhnung ist die Erinnerung“ und „Wer vergisst, tötet zum zweiten Mal“.
Für die Landeszentrale für politische Bildung sprach deren Leiter Konrad Pflug. Er freute sich darüber, dass hier „lebendige Arbeit zur Aufarbeitung der Geschichte vor Ort“ geschehe. Dr. Joachim Hahn von der „Alemannia Judaica“ lobte das Engagement der Vereinsmitglieder und wies darauf hin, dass die jüdische Geschichte in Deutschland nicht in Vergessenheit geraten dürfe.
Der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Georg Haas, dankte für gute Zusammenarbeit mit dem Wenkheimer Synagogenförderverein.
Im Anschluss an den Festakt fand eine erste Führung in der Synagoge und in der Mikwe statt. Zahlreiche Interessierte hatten sich eingefunden, um Neues über das ehemals jüdische Leben in Wenkheim und über das 170 Jahre alte Gebäude zu erfahren.
Dabei wurden auch zahlreiche kulturelle Gegenstände wie zum Beispiel Schächtmesser, Gebetsriemen, Kippa, und Purimrassel ausgestellt und erklärt.
Jüdische Märchen
Die Märchenstunde von Susanne Waldmann, in der jüdische Märchen und Geschichten erzählt wurden, fand ebenfalls guten Anklang. Schuldekan i.R Eggert Hornig aus Bad Mergentheim erläuterte auf dem jüdischen Friedhof im Kirywald Sitten und Gebräuche bei jüdischen Beerdigungen und erklärte Zeichen und hebräische Schriften auf den Jahrhunderte alten Grabsteinen.
Insgesamt konnten mehr als 150 Interessierte bei den Feierlichkeiten zum 25- jährigen Bestehen des Fördervereins registriert werden.
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