publiziert: 03.03.2009 16:13 Uhr
aktualisiert: 03.03.2009 16:14 Uhr
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Umweltzonen bringen der Umwelt nichts

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer steht Rede und Antwort

(lsw) Tübingen hat seit einem Jahr die meisten Straßen in der Innenstadt zur Umweltzone erklärt. Wer für seinen Wagen nicht zumindest die rote Plakette bekommt, darf nur noch auf den großen Durchgangsstraßen fahren.

Im vergangenen Jahr wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub trotzdem an rund 50 Tagen überschritten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zeigte sich im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa deshalb wenig begeistert von der Umweltzone.

Herr Palmer, können die Tübinger dank der Umweltzone jetzt aufatmen? Boris Palmer: „Leider nicht, wir haben durch die Wetterlage sogar etwas mehr Überschreitungstage. Man muss feststellen: Die Umweltzone selbst hat keinen messbaren Effekt. Verwunderlich ist das nicht, denn nur drei Prozent der Fahrzeuge waren überhaupt von dem Fahrverbot betroffen. Dabei kann natürlich für die Luft nichts rauskommen.“

Hat die Umweltzone denn bei den Autofahrern zumindest zu einem Umdenken geführt? Palmer: „Das Gefühl habe ich überhaupt nicht, weil fast alle ja eine Plakette bekommen haben. Und selbst die Nachrüstung von Rußfiltern ist mit etwa 10 000 Fahrzeugen hier in der Region sehr, sehr wenig nachgefragt worden. Den Begriff Umweltzone kann man jedenfalls schwer rechtfertigen. Weder geht es der Umwelt besser, noch wird das Umweltbewusstsein dadurch gefördert.“

Was schlagen Sie vor, wie kann die Luft in den Städten sauberer werden? „Statt in einzelnen Städten Umweltzonen einzuführen wäre es richtig gewesen, die Nachrüstung von Rußfiltern für Diesel-Fahrzeuge gesetzlich verbindlich zu machen. Dann würden auch all die Fahrzeuge mit roter und gelber Plakette 70 bis 90 Prozent weniger Feinstaub ausstoßen, und dann hätten wir wirklich in den Städten aufatmen können. So ist es viel Aktionismus. Man kann fast sagen: Außer Spesen nichts gewesen.“

    
    

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