aktualisiert: 23.01.2011 19:08 Uhr
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BAD NEUSTADT
„Die Sperrstunde abschaffen!“
Petition gegen Rhön-Grabfelds Drei-Uhr-Regelung – Bislang knapp 750 Unterzeichner im Internet
„Lästig“ findet Mathias Schmitt aus Schönau die Tatsache, dass er in Rhön-Grabfeld in der Regel nur bis drei Uhr morgens feiern kann. „Wir müssen ein lebendiges Nachtleben garantieren, damit Jugendliche und junge Leute ihr Geld nicht in anderen Städten ausgeben“, erklärt der 23-Jährige. In einer Online-Petition fordert er deshalb „die Aufhebung der Sperrstunde im Landkreis Rhön-Grabfeld“. Er ist damit nicht allein: Bis Sonntag hatten über 700 Leute die an den Landkreis Rhön-Grabfeld adressierte Forderung auf der Internetseite www.openpetition.de unterzeichnet.
Die Online-Petition bezieht sich wohl auf jene Übereinkunft, die in Rhön-Grabfeld im Rahmen einer Bürgermeisterdienstbesprechung im Jahr 2008 getroffen wurde. Wie Stefan Helfrich, Oberregierungsrat am Landratsamt Rhön-Grabfeld, auf Anfrage mitteilt, hätten sich die Bürgermeister damals einvernehmlich geeinigt, dass öffentliche Vergnügungsveranstaltungen im Landkreis um drei Uhr enden sollen. Verschiedenste Gründe hatten bei der Entscheidung eine Rolle gespielt, unter anderem der Sicherheitsaspekt. Unfälle, vor allem in Verbindung mit Alkohol, aber beispielsweise auch Körperverletzungsdelikte sollten so reduziert werden. Auch Alkoholmissbrauch hoffte man damit entgegenzuwirken.
Eigentlich beginnt die allgemeine Sperrzeit in Bayern – so die gesetzliche Regelung – um 5 Uhr und endet um 6 Uhr, erklärt Helfrich. Die Behörden, die die Veranstaltungen genehmigen, also die Gemeinden beziehungsweise Verwaltungsgemeinschaften, hätten aber einen Ermessensspielraum.
Empfehlung der Regierung
Mittlerweile habe sich diese landkreisinterne Regelung sowieso überholt, so Helfrich weiter. 2010 hat die Regierung von Unterfranken zusammen mit der unterfränkischen Polizei ein Positionspapier herausgegeben: In dieser „Grundsatzregelung zur Bewältigung von Veranstaltungen“ wird eine einheitliche Sperrzeit von drei Uhr empfohlen. Rhön-Grabfeld sei nicht der einzige Landkreis, der die Drei-Uhr-Regelung umsetzt.
„Man erhöht die Sicherheit nicht, wenn man eine große Menge von schlecht gelaunten Jugendlichen zur gleichen Zeit vor die Tür setzt“, argumentiert Mathias Schmitt in seiner Petition. Vielmehr komme es seiner Ansicht nach dann sogar vermehrt zu Schlägereien und Wettsaufen. Auch aus jugendkulturellen und wirtschaftlichen Gründen sei die Aufhebung der Sperrstunde geboten.
„Wir müssen die Sperrstunde abschaffen!“, so Schmitts Fazit auf www.openpetition.de, eine Internetseite, die speziell für Unterschriftenaktionen dieser Art konzipiert wurde. Kennengelernt hat Schmitt die Petitions-Internetseite über die Unterschriftenaktion „Wir für Manu!“, bei der sich Fans für den Verbleib Manuel Neuers bei Schalke aussprachen. Am 21. Dezember stellte er seine Petition gegen die Sperrstunde dort ein, bis 20. Februar können Unterstützer noch unterzeichnen.
„Wir haben kein Problem mit der Drei-Uhr-Regelung, im Gegenteil“, sagt Josef Krause, Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Heustreu. „Viele Veranstalter sagen sogar: Gott sei Dank. Zwischen drei und fünf ist eh nicht mehr viel los, wir müssen aber trotzdem Leute zur Verfügung stellen.“ Die überwiegende Zahl der Veranstaltungen im Landkreis, so Krause, würde um 3 Uhr enden. Als Ausnahme nennt er beispielsweise den Bierherbst und Bierfrühling in Hollstadt, die mit dem Okay der Gemeinde Hollstadt länger gehen. „Wenn's mal drei Uhr ist, läuft nicht mehr die Welt“, sagt auch Bernhard Rösch, Geschäftsleiter der VG Bad Neustadt. Dennoch weiß er, dass etwa die Hälfte der Veranstalter, die bei ihm eine Vergnügung anzeigen, gerne länger als 3 Uhr machen würde.
Die Drei-Uhr-Regelung sei immer wieder Thema im Freundeskreis, sagt Mathias Schmitt. Unterstützt werde seine Forderung unter anderem von der Effect Crew, einer Gruppe von DJs, die im Landkreis Veranstaltungen organisiert. Auch im sozialen Netzwerk Facebook würde das Thema intensiv diskutiert. Überrascht hat ihn die Zahl der Unterzeichner deshalb nicht. Inwiefern er die Petition dem Landkreis zukommen lassen will, ist noch nicht entschieden. „Jetzt warte ich mal den 20. Februar ab und schau', wie viele abstimmen.“
Weshalb junge Leute gegen die Sperrstunde unterzeichneten:
• „... weil man der Jugend nicht den Spaß am Feiern rauben soll.“
• „Zum Beispiel bei uns in Bad Königshofen gibt's schon fast gar keine Jugendlichen mehr, Nachwuchs haut einfach ab . . . nach Würzburg, Frankfurt, Berlin . . . Keiner will da bleiben und jetzt darf der Rest auch nur bis drei Uhr feiern gehen . . . Mein Gott, ich glaub, in fünf Jahren regieren hier nur Senioren.“
• „Wie oft hat man denn noch Zeit zu feiern? Da wünsch' ich mir aber auch, so lange wie möglich zu bleiben.“
• „Die richtig guten Events sind genau die, die auch bis zum nächsten Morgen gehen. Auch ohne Alkoholexzesse oder Ähnliches. Guter Beat kann nicht einfach abgestellt werden, überzeugt euch doch selbst, das geht gar nicht.“
• „Es geht um die Entwicklung der (Jugend-)Kultur in meiner Heimat. Hier liegt schon länger etwas im Argen, aber durch diverse Regelungen, die ohne geprüfte Berechtigung eingeführt werden, wird das Ganze nicht besser – im Gegenteil!“
• „In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Also sollte es Menschen freistehen, wie lange sie feiern wollen.“
• „Kein Mitbürger wird gestört, wenn Feiern auch nach drei Uhr noch stattfinden. Sollte es eskalieren, liegt dies nicht an der Uhrzeit, sondern am Fehlverhalten der Gäste.“
• „Da man sonst nichts für die Jugend macht. Dann hocken wir uns halt wieder überall an den öffentlichen Plätzen hin und verdrecken diese und machen Randale. Dadurch beschweren sich wieder Leute.“
• „Nur durch eine Abschaffung wird der Bürger auch weiterhin als mündiger Mensch behandelt.“
• „ . . . wegen dem Wohle der Jugendlichen.“
• „Die Sperrstunde bringt nichts als schlechte Laune ;)“
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»Alle 11 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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durchschnitt (78 Kommentare) am 25.01.2011 12:46
thema sperrzeit 3.00 Uhrwie immer bei solchen diskussionen gibts 2 seiten der medallie.einerseits sind da die veranstalter und die partygäste, die einfach ungezwungen spaß haben wollen und das auch, so lange wie sie wollen. wie schon bereits weiter oben beschrieben, ändert sich kultur ständig - und damit auch die zeiten, zu denen gefeiert wird. man hat ja auch schon aus berlin gehört, dass es dort discotheken gibt, die freitags bis sonntags durchgehend geöffnet - und auch besucht sind. auf der anderen seite sind natürlich sanitäter, ordnungshüter (security), polizei, feuerwehr usw. die dafür verantwortlich sind, dass solche veranstaltungen reibungslos und gefahrenlos über die bühne gehen. die dafür sorgen, dass betrunkene ins krankenhaus gebracht werden, randalierer "unschädlich" gemacht werden, kinder und jugendliche unter 18 nach hause geschickt werden. der staat / die politik greift für gewönlich nur dann ein, wenn es irgendwelche misstände gibt. d.h. die sperrstunde um 3.00 Uhr ist ja nicht aus der Luft gegriffen, sondern eingeführt worden, weil es scheinbar komplikationen mit der allgemeinen "Ordnung" bei solchen veranstaltungen gab. es ist ja schon zur regelmäßigkeit geworden, dass zu nem bierzelftfest ne ordentliche keilerei gehört, bei der mit maßkrügen aufeinander losgegangen wird - genauso wie man bei jedem fest betrunkene jugendliche sieht, die kaum noch stehen können, oder sogar mit alkoholvergiftungen weggebracht werden müssen. wer das nicht glaubt, fasching steht vor der tür, da kann man es sehr gut beobachten - wenn man nicht selbst betrunken in der ecke liegt :-P was ich also sagen will: es gibt gebote und regeln, an die man sich einfach halten sollte. wenn diese überschritten werden, folgt eine "bestrafung". dass in diesem falle viele leute bestraft werden, obwohl nur "einige wenige" (so wenige sind das übrigens garnicht) sich daneben benehmen --> pech. das ist in anderen bereichen des täglichen lebens genauso, wie z.b. bei geschwindigkeitsbegrenzungen. wenn man sich also irgendwo beschweren will: dann doch bitte bei den pennern, die aufgrund von alkoholkonsum aggressiv werden - bei den eltern, die ihre kinder nicht erziehen können und sie bis nachts um die häuser ziehen lassen - bei den eltern, die ihren kindern keinen sinnvollen umgang mit alkohl beigebracht haben usw... |
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vulture (464 Kommentare) am 25.01.2011 15:11
Verhältnismäßigkeit - Freiheit1. Es ist eine grundlegend bay. Angelegenheit - über Rhön-Grabenfeld hinaus.2. Wie ist es zu erklären, dass der Schutzzweck der Norm (also der Schutz vor Auswirkungen von Drogenkonsum, also v.a Alkohol - der Konsumenten vor sich selbst und den Folgen für andere, für die Gesellschaft) über die relativ geringen Auswirkungen gestellt wird - der Wille zum Rausch ist wohl menschlich, er passiert wohl so oder so. Den Bürgern massiv Freiheit genommen; nicht nur auf diesem Gebiet. Wäre es nicht sinnvoller Alkoholismus als sog. bay. Kulturgut zu bekämpfen! Die ehemalige frühe Sperrstunde für Pubs im UK hatte vor allem extrem schnelles Trinken gefördert. Das sich Jugendlich stattdessen unkontrolliert auf dem Feld oder im Park besaufen oder als geballte Masse nach Schließung laut gröhlend in den Straßen rumtreiben macht höchstens für den Staatswirtschaftsfaktor Polizei Sinn - für die Gesundheit und die Ruhe der Bürger sicher nicht. 3. Die Moderne hat andere Lebensmuster hervorgebracht. Viele Leute sind nicht mehr so an starre Arbeitszeiten gebunden; die Globalisierung verstärkt dies immer mehr. Schon alleine das Ladenschlußgesetz in Bayern ist eine Frechheit (das einzige in Dtld. das nur eine Öffnung bis 20.00h ermöglicht und hauptsächlich den Geldbeutel von Tankstellenbesitzern füllt). Wer spät arbeitet darf sozusagen nicht genug schlafen oder eben nur am Wochenende einkaufen - was ein Quatsch. 4. Müssen die Leute selber wissen was sie tun. |
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DrKnow (1 Kommentare) am 24.01.2011 19:45
Entmündigung des Bürgers...diese Entwicklung ist nicht anders zu bezeichnen. Es kann nicht sein, dass in einem sogenannten "freien Land", ein volljähriger, Steuern zahlender Mensch durch Staatsgewalt genötigt wird, um 3:00 Uhr nach Hause zu gehen.Dieses Thema wurde in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ausgiebig diskutiert. Was dabei auffiel war, dass gerade die Menschen, welche sich gerne und ausgiebig dem Alkoholkonsum hingeben für diese Regelung waren. Zitat: "Um die Uhrzeit geht nichts mehr, da sind doch Alle voll", was ja doch sehr aussagekräftig bzgl. des Konsumverhaltens ist. Dabei muss bemerkt werden, dass es immer eine kleine Gruppe von Dummköpfen geben wird. Diese werden sich aber auch nicht zurückhalten, nur weil um 3:00 Uhr die Lichter ausgehen. Danach wird dann eben zuhause weiter gesoffen... dann fallen sie zuhause die Treppe runter, anstatt den Bürgersteig. Das macht keinen Unterschied, lediglich die Statistik fällt anders aus... und DAS soll nun einen Erfolg darstellen? Tausende junge Leute sollen nun also für eine kleine Anzahl kronisch Unzurechnungsfähiger Mitbürger die Haftung übernehmen? Ich bin grundsätzlich gegen generelle Verbote, da dies der falsche Weg ist... der Bürger muss wieder hin zu Mündigkeit geführt, bzw. erzogen werden, was hier passiert ist das genaue Gegenteil...! |
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fugazi83 (141 Kommentare) am 24.01.2011 11:09
...Eine Sperrstunde ist ein Verbrechen gegenüber der Bevölkerung. Nichts anderes. |
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blaubi (2802 Kommentare) am 24.01.2011 08:43
Ein Eingriff?...in die persönliche Freiheit des Menschen. Solche "verordneten Bestimmungen" lassen Parallelen wie zu den Kriegszeiten anmuten, wo es noch Ausgangssperren gab. |
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