aktualisiert: 16.08.2009 16:06 Uhr
Text
Text
MELLRICHSTADT/BAD KÖNIGSHOFEN
„So etwas darf nie mehr passieren“
Fazit von 30 jungen Leuten nach der Grenztour im Rahmen der Jugendkulturwoche
„Ich kann mir das gar nicht vorstellen“, erklärt Vanessa und lauscht den Erzählungen von Andreas Rottmann, dem Leiter der Museen in der Schranne aus Bad Königshofen. Er berichtet über die Deutsch-Deutsche Grenze und die Grenzanlage, die Deutschland Jahrzehnte lang voneinander trennten. „So etwas darf nie mehr passieren“, sind sich die Kinder einig, die im Rahmen der Jugendkulturwochen die Grenztour aus dem Gemeinschaftsprogramm von Mellrichstadt und Bad Königshofen gebucht haben.
-
Das Feld der Fahnen ist Teil des Skulpturenparks „Deutsche Einheit“, der sich auf dem Todesstreifen der ehemaligen innerdeutschen Grenze befindet. Das Feld der Fahnen, unter das sich die jungen Leute bei ihrer der Grenztour gemischt haben, ist vor der Goldenen Brücke postiert.FOTO Thomas Hälker -
Im Grenzmuseum in der Schranne in Bad Königshofen fesselte Leiter Andreas Rottman mit einer Geschichtsstunde, die den Nerv der jungen „Grenzgänger“ traf.FOTO Thomas Hälker
Treffpunkt und Start der Grenztour war das Grenzgängermuseum in Bad Königshofen,
das – anschaulich und multimedial aufbearbeitet – nicht nur zum Schauen und Staunen, sondern auch mit seinen Exponaten aktiv zum Mitmachen einlädt. Dort ist der Spiegel zu sehen, mit die DDR-Grenzbeamten den Fahrzeugunterboden untersuchten, dort kann man Zeitzeugen zuhören oder den Dialekt der Regionen vergleichen. Auch die Bilder, die Rottmann im Museumskeller zeigte, beeindruckten die Kinder und warfen viele Fragen auf, die vom Experten geduldig beantwortet wurden. Was sind Selbstschussanlagen, warum durften die Menschen nicht ausreisen? Genügend Stoff also, den es für die wissbegierigen jungen „Grenzgänger“ aufzuarbeiten galt.
Nachdenklich wegen der Eindrücke zogen die Kinder durch das Museum und schauten sich Modelle und Bilder der innerdeutschen Grenze mit anderen Augen an und versuchten die Vorstellungen zu verarbeiten. „Wie und warum ist die Grenze entstanden“, fragt Marcel und bekommt von seinem Nachbarn Luca schnell die Antwort: „Weil Deutschland den Krieg verloren hat.“ Woher er das weiß, ist schnell geklärt, seine Eltern haben ihm das erzählt. In der Schule hören die Kinder wenig darüber, „manchmal wird das Thema ein bisschen angeschnitten und darüber erzählt, aber so richtig – wie das heute passiert – haben wir noch nie darüber geredet", berichten Julia, Sophia und Vanessa.
Unterstützt wird Andreas Rottmann von Renate Knaut, der Leiterin des Jugendzentrums in Bad Königshofen, ihrer Kollegin Roswitha Hey und dem Zeitzeugen und Fotojournalisten Thomas Hälker, die ihre Erlebnisse und Eindrücke zur Grenzöffnung spannend präsentieren und so den Jugendlichen einen Eindruck lebendiger Geschichte vermitteln. 20 Jahre nach der Grenzöffnung für die 30 jungen Leute, die überwiegend aus Mellrichstadt und Umgebung kamen, ein wichtiges Erlebnis.
„Wichtig ist es, den Jugendlichen keine langweilige Daten und Fakten zu liefern, sondern das, was wir vor 20 Jahren erlebt haben und unsere Generation geprägt und beeinflusst hat. Die Kinder interessiert es nicht, ob der Zaun vier Meter hoch war oder wie die politische Struktur war, sie wollen wissen, wie es Gleichaltrigen ging und wie sie gelebt haben. Nur dann kann man Geschichte für Kinder interessant machen", erklärt Hälker. Auch Andreas Rottmann ist sich sicher, dass es für die Jugendlichen interessanter ist, in kleinen Rollenspielen und Erzählungen auf der Ebene der Heranwachsenden zu sprechen.
Hoch hinaus ging es am Bayernturm in Zimmerau/Sternberg, wo es vom Aussichtturm aus einen herrlichen Rundumblick vom Thüringer Land über das Grabfeld bis hinein ins Coburger Land und den Haßbergen gab. Dort zeigte Andreas Rottmann den Grenzverlauf auf, der von der Plattform aus gut zu sehen ist.
Im Anschluss ging es in Richtung Trappstadt auf den Grenzgängerweg, den die Jugendlichen ein Stück entlang wanderten und der für die Geschichtsforscher so manche kleine Überraschungen an den Kolonnenrändern hervorbrachte. Alte Zaunreste, Stacheldraht und andere der Grenze zuordenbare Gegenstände wurden gefunden und ausgiebig betrachtet und darüber diskutiert. Am Aussichtspunkt Fussberg, der einen überragenden Blick auf die Gleichberge und sein Umland eröffnet, erzählten Rottmann und Hälker aus dem Leben der Jugendlichen in der ehemaligen DDR, was bei den jungen Grenzgängern erneut ungläubiges Befremden hervorrief.
Zum Abschluss besuchten die jungen Leute das Museum mit Relikten des ehemaligen Grenzübergangs Eußenhausen/Meiningen und den Skulpturenpark „Deutsche Einheit“ auf der Schanz. Beeindruckt davon, dass sich so viele Menschen für die Wiedervereinigung eingesetzt haben und dass es soviel in unserer Ecke darüber geschichtlich zu bestaunen gibt, ging für die Grenztour-Teilnehmer ein interessanter Nachmittag zu Ende. „Jetzt weiß ich mehr über das geteilte Deutschland. Es ist schön gewesen, dass ihr darüber geredet habt", bedankten sich die Teilnehmer über die Aufarbeitung der Deutsch-Deutschen Geschichte durch das Team von den Jugendkulturwochen.
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
Gelesen
Kommentiert
|
|
WILDFLECKEN Der Rhönklub ist nicht mehr Rinkes Verein |
|
|
WILDFLECKEN Rinke tritt aus ihrem Rhönklub aus |
|
|
WILDFLECKEN Das Lebenswerk ist zerstört |
|
|
IRMELSHAUSEN Zu zweit und noch allein auf dem See |

Wetter



