publiziert: 19.08.2011 14:57 Uhr
aktualisiert: 19.08.2011 15:03 Uhr
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Auf den Spuren der Vorfahren

Ricardo Gartner besuchte Grab des Großvaters
  • Spurensuche: Ricardo und Silvia Gartner am Grab des Großvaters im jüdischen Teil des Schweinfurter Hauptfriedhofs.
    Foto: Böhrer
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Elisabeth Böhrer ist eben einer spontaner Mensch. Als Ricardo Gartner ihr mailt, dass er mit seiner Frau Silvia Deutschland, Schweinfurt und hier das Grab seines Großvaters David Gärtner im jüdischen Teil des Schweinfurter Hauptfriedhofs besuchen werde, war die exzellente Kennerin der Geschichte der Schweinfurter Juden trotz anstehenden Urlaubs sofort bereit, die Argentinier zur letzten Ruhestätte des Großvaters zu begleiten. Inklusive eines Stadtrundgangs, der auch in die Spitalstraße führte. Dort wohnte die jüdische Familie Gärtner viele Jahre.

Die Vorfahren von David Gärtner lebten bereits im 18. Jahrhundert in Unsleben. David selbst kam dort in der Streugasse zur Welt (26. April 1868). Ab 1882 wohnte Gärtner in Bad Neustadt, woher auch seine Frau Marianne, eine geborene Freudenberger, stammt. Die Heirat war 1897 in der Saalestadt.

Die Eheleute hatten vier Kinder, eines ist früh verstorben. Nesthäkchen war der 1905 geborene Siegfried, Vater des jetzigen Schweinfurt-Besuchers Ricardo Gartner. So nannte sich die Familie in Anlehnung an Gärtner später in Argentinien.

Am 1. Juli 1916 zog die Familie nach Schweinfurt. Viel ist von David Gärtner nicht bekannt. Auf der Meldekarte ist als Beruf Getreidehändler vermerkt. Böhrer hat recherchiert, dass er beim damaligen Synagogenbauverein aktiv war. Außer der Vorstandschaft hatte dieser noch einen Ausschuss. Laut der Generalversammlung von 1930 gehörten dem Gremium auch David Gärtner und Ludwig Silberstein an. Der wiederum ist der Vater von Margarete Calvary, der einzigen wieder in die Heimatstadt zurückgekehrten Jüdin.

David Gärtner starb am 8. Mai 1937 in seiner Wohnung in der Spitalstraße. Die Ausreise seiner Kinder am Ende des Jahres 1937 beziehungsweise Oktober 1938 nach Buenos Aires erlebte er also nicht mehr. Seine Frau Marianne Gärtner blieb nach der Emigration ihrer noch drei Kinder zunächst alleine in der Schweinfurter Wohnung zurück, musste am 1. Februar 1939 in die Spitalstraße 25, einem der so genannten „Judenhäuser“ umziehen. Am 12. Februar 1940 gelang auch Marianne Gärtner die Ausreise.

Ihr Sohn Siegfried (am 5. Juni 1905 in Bad Neustadt geboren) und Vater des Schweinfurt-Gastes Ricardo besuchte die Realschule Schweinfurt vom September 1916 bis April 1922. Anschließend lernte Siegfried im Bankhaus Dreyfus am Marktplatz 15. Seine Lehre schloss er am 1. Mai 1924 ab. Siegfried Gärtner arbeite dann in verschiedenen Großstädten und war zuletzt von 1929 bis 31.12.1933 bei der Firma Gebrüder Speyer in Michelstadt im Odenwald angestellt.

Siegfried Gärtner ging nach Schweinfurt zurück und arbeitete als kaufmännischer Angestellter in der Firma seines Vaters, die mit Landesprodukten handelte. In Buenos Aires war er dann „salesman“, nannte sich aber nicht mehr Siegfried, sondern Sigifredo. Er starb am 15. April 1983 in Buenos Aires. Der 56-jährige Ricardo und seine Frau Silvia waren am Friedhof tief bewegt. Herzlichst dankte er auch der in der Rhön lebenden Elisabeth Böhrer für ihre detaillierten Auskünfte. „Ich werde diesen Besuch niemals vergessen“, sagte Ricardo Gardner.

    
    

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