publiziert: 20.04.2011 16:40 Uhr
aktualisiert: 20.04.2011 16:42 Uhr
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Birkwild auf niedrigem Niveau

Erste Birkwildzählung nach Auswilderungsaktion noch nicht aussagekräftig
  • Ein einmaliges Naturschauspiel: Bei der Birkwildzählung gab es auch heuer wieder balzende Birkhähne zu sehen. Das Foto, das die Wildlandstiftung zur Verfügung gestellt hat, stammt allerdings nicht aus der Rhön.
    Foto: Gregorz Lesniewski
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Die äußeren Bedingungen waren ideal. Es war trocken, bedeckt und vor allem windstill, als sich bei der jüngsten Birkwildzählung der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken und der Jägerschaft die 113 ehrenamtlichen Helfer auf den Weg zu ihren Zählplätzen in der Langen Rhön und am Himmeldunkberg aufmachten.

Wie immer war manch einer übernächtigt, denn wer bei der Zählung dabei sein will, muss gegen 3 Uhr aufstehen. Und bei der Verteilung der Zählplätze, bei der Birkwildhegeringleiter Christoph Helm alljährlich die Freiwilligen am Vorabend in der Elstalhalle begrüßt, dauert das Wiedersehen mit alten Bekannten dann doch manchmal etwas länger.

Bei gerade eineinhalb Grad plus mussten in der Dunkelheit am nächsten Morgen bis 4.30 Uhr die 75 Zählplätze in der Langen Rhön und die fünf am Himmeldunkberg eingenommen sein. Bis zum traditionellen Frühstück im Holzberghof, das die Regierung von Unterfranken als kleine Entlohnung für die Helfer spendiert, galt es in den folgenden vier Stunden für Ornithologen, Jäger und interessierten Naturfreunden, genau zu lauschen, zu beobachten und zu notieren, was sich in der Rhöner Vogelwelt an diesem Morgen so alles tat.

Und es gab dabei wieder viel zu notieren. 68 verschiedene Vogelarten wurden registriert, davon 20, die auf der Liste der bedrohten Arten zu finden sind, berichtet Michael Schraut. Der Vorsitzende der ornithologischen Arbeitsgemeinschaft nennt als Beispiel Raubwürger oder Schwarzkehlchen. Auch wenn die genaue Auswertung noch nicht vorliege, sei heuer auch die Bekassinenbalz „extrem gut“ gewesen. Das ist umso erfreulicher, da im Naturschutzgebiet Lange Rhön zehn Prozent des gesamten bayerischen Brutbestands dieser bedrohten Vogelart beheimatet sind.

Im Mittelpunkt des Interesses stand natürlich die Entwicklung des Birkhuhnbesatzes. So wurden diesmal sieben Hähne und sechs Hennen beobachtet, im vergangenen Jahr waren es vier Hähne und zwölf Hennen. Allerdings vermitteln die Zahlen heuer ein falsches Bild, betont der Torsten Kirchner. Wie der Schutzgebietsbetreuer für das Naturschutzgebiet Lange Rhön erklärt, sagt die Anzahl der Hennen nichts aus, da die Zählung in diesem Frühjahr etwas eher stattfand und sie sich jetzt noch nicht unbedingt zeigen. „Was zählt“, so Kirchner, ist die Zahl der Hähne. Und deren Zahl hat sich durch zwei Auswilderungsaktionen geändert.

So wurden im vergangenen Jahr neun Hähne und zwei Hennen aus Mittelschweden in die Rhön gebracht, von denen ein Hahn sicher und eine Henne möglicherweise das erste Jahr im Gebiet überlebt haben. Eine Überlebensquote, die Kirchner vielleicht so nicht erhofft hat, die er aber als realistisch und erwartbar bezeichnet.

Rechtzeitig zur Balz in der Rhön

In einer zweiten Aktion, die wieder unter Federführung der Wildlandstiftung des bayerischen Jagdverbands mit dem hessischen und bayerischen Birkwildhegering sowie der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats stattfand, wurden jetzt noch einmal fünf Hähne in Schweden gefangen und rechtzeitig zur Balz in die Rhön gebracht.

Von den sieben jetzt beobachteten Hähnen waren drei oder vier „Schweden“, berichtet Kirchner zufrieden. Zufrieden deshalb, weil sie sich seit der Auswilderung sehr versteckt hielten und kaum zu beobachten waren.

Entscheidend für den Erfolg der Auswilderung wird es sein, wie Kirchner betont, dass sich wenigsten ein schwedischer Hahn vermehrt. Denn als ein wichtiger Grund für den Rückgang des Birkwilds in der Rhön gilt neben der hohen Zahl der Fressfeinde die genetische Verarmung des Bestands. Infolge dessen ist die Vermehrung stark zurückgegangen. So wurde im vergangenen Jahr gerade einmal ein Jungvogel registriert. Kirchner: „Wenn es uns gelingt, die Reproduktion also die Zahl der Jungvögel zu erhöhen, war die Auswilderung ein echter Erfolg. Eine endgültige Bilanz kann man aber erst nach der fünfjährigen Auswilderungsphase ziehen.“

Von unserem Mitarbeiter Thomas Pfeuffer
    
    

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