publiziert: 07.02.2012 15:18 Uhr
aktualisiert: 07.02.2012 15:46 Uhr
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Die zwei Seiten der eisigen Zeiten

Dauerfrost im Grabfeld: Während sich die Schlittschuhläufer über die vielen zugefrorenen Wasserflächen freuen, ist auf dem Großeibstädter Tierschutzhof die härteste Zeit des Jahres angebrochen

  • Früh übt sich, wer ein Meister werden will: Kleine Eisfans proben den rutschigen Ernstfall.
    Foto: Thomas Hälker
  • Eis statt Wasser: Thomas Draxler (mit im Bild Pferd Abel) hat derzeit alle Hände voll zu tun, die Tränken für die Pferde und Ponys eisfrei zu halten.
    Foto: Alfred Kordwig
  • Volkssport Eishockey: In Wülfershausen wurde jeder zur Verfügung stehende Eishockeyschläger aus dem Schrank geholt.
    Foto: Thomas Hälker
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3 Bilder

Wenn es stimmt, dass alles seine zwei Seiten hat, dann trifft das auf die aktuelle Wetterlage besonders gut zu: Denn während im Grabfeld tagsüber auf zahlreichen überfrorenen Wasserflächen die Schlittschuhläufer ihren Spaß haben, ist die Arbeit auf dem Tierschutzhof in Großeibstadt schon seit über einer Woche alles andere als ein Zuckerschlecken.

Dass man der „Eiszeit“ im Grabfeld durchaus Positives abgewinnen kann, das beweisen die vielen Schlittschuhläufer, die sich derzeit auch in Bad Königshofen bei bestem Wintersportwetter auf den gefrorenen Wasserflächen und Seen tummeln.

Den Kindern auf dem Eis scheint die Kälte dabei deutlich weniger auszumachen als den Erwachsenen, die fröstelnd am Rande stehen und ihren Zöglingen beim Schlittschuhlaufen auf einer großen gefrorenen Wiese am westlichen Stadtausgang zuschauen, wo auch die Kulisse passt: Im Hintergrund erhebt sich die Stadtpfarrkirche, die von der Silhouette von Bad Königshofen eingefasst wird und die der Eislauffläche am Stadtrand ihren ganz besonderen Reiz verleiht.

Zu einem weiteren beliebten Treffpunkt für Schlittschuhläufer hat sich eine Eisfläche am Bad Königshöfer Bienenzentrum entwickelt. Windgeschütz präsentiert sich dieser Tummelplatz für Wintersportler, der durch den persönlichen Einsatz von „Eismeister“ Peter Miltenberger und einiger weiterer Helfer realisiert werden konnte.

Einen besonderen Service bietet der Imkerverein, indem Grillbratwürste und heiße Getränke angeboten werden. „Das ist die schöne Seite des Winters“, freut sich zum Beispiel die Familie Raab, die seit Tagen das Eis belagert und ihren Spaß am winterlichen Vergnügen hat.

Auch ein paar Kilometer weiter, in Wülfershausen, herrscht auf einer künstlich aufgestauten Eisbahn an der Brücke winterlicher Hochbetrieb. Eine Bürgerinitiative hat zusammen mit der Gemeinde die Wiesenauen an der Saale so präpariert, dass eine Mulde entstand, welche bei Hochwasser mit Wasser geflutet werden kann. Für den Rest, sprich das Eis zum Eisvergnügen, sorgten jetzt die kalten Temperaturen. Die große Eisfläche, die so entstand, wird mittlerweile sogar vom Kindergarten und der Schule für winterliche und etwas andere Sportstunden genutzt.

Das pure Vergnügen auf dem Eis erleben derzeit auch einige Schlittschuhläufer am Ortsrand von Großeibstadt auf einer gefrorenen Wiese neben der Fränkischen Saale. Nur wenige Meter weiter, auf dem Gelände des Tierschutzhofes, zeigt sich der Winter dagegen von seinem ganz anderen Seite: Thomas Draxler, Kassier im Verein Tierschutzhof, und einige weitere freiwillige Helfer, die dort die meist im Freien unter schützenden Dächern gehaltenen Tiere versorgen, müssen jetzt aufpassen, dass die Tränken für die Ponys und Pferde nicht ständig zufrieren.

Die Arbeit auf dem Tierschutzhof ist derzeit denn auch ein sehr hartes Brot und das sieht man Thomas Draxler an: Dick eingepackt in warme Wintersachen geht er an diesem Montag seiner Arbeit nach. „Das Wasser ist momentan unser Hauptproblem“, erzählt er. „Manchmal dauert es keine halbe Stunde, bis es zu frieren beginnt.“ Dem Kassier des Verein Tierschutzhof e. V. bleibt dann nichts anderes übrig als die Eisschicht zu entfernen oder in der Küche des Wohngebäudes, dem einzigen beheizten Raum auf dem Tierschutzhof, frisches und wärmeres Wasser zu holen. Auch die Zahl der Helfer auf dem Tierschutzhof beschränkt sich in diesen kalten Tagen auf ein paar ganz wenige Unentwegte, so dass die Hauptarbeit an Thomas Draxler hängen bleibt. „Im Sommer können wir uns manchmal gar nicht retten vor fleißigen Händen“ meint er. Die Eiseskälte halte doch den einen oder anderen davon ab, auf dem Tierschutzhof mitzuhelfen. „Dafür habe ich sogar Verständnis“, meint Draxler.

Den Tieren auf dem Hof scheint die Kälte dagegen nur wenig auszumachen. Sowohl die Pferde und Ponys als auch die in einem im Freien aufgestellten Stall untergebrachten Kaninchen und Meerschweinchen machen nicht den Eindruck, als ob ihnen trotz zweistelliger Minusgrade wirklich kalt wäre. „Die kleineren Tiere bekommen jetzt mehr Heu, in das sie sich hineinkuscheln können“, erklärt Draxler. „Und die Ponys und Pferde tragen ja jetzt sowieso ihr Winterfell und frieren deshalb nicht.“

Dass Thomas Draxler trotz aller Widrigkeiten, die die „Eiszeit“ im Grabfeld für die Arbeit auf dem Tierschutzhof mit sich bringt, recht guter Dinge ist, liegt nicht nur daran, dass die ganz kalten Tage wohl fürs erste vorüber zu sein scheinen. Auch die Spendenbereitschaft der Bevölkerung nach einem Hilferuf vor wenigen Wochen hat das Tierschutzhof-Team um die Vorsitzende Franziska Dorsch moralisch aufgerichtet. „Besonders gefreut haben wir uns über den gebrauchten Geländewagen, den wir geschenkt bekommen haben,“ so Draxler, der sich höflich, aber bestimmt verabschiedet. Er muss jetzt wieder nach draußen und dafür sorgen, dass die Tiere an ihr Wasser herankommen. Es dürfte an diesem Nachmittag nicht das letzte Mal gewesen sein.

ONLINE-TIPP

Mehr Bilder unter rhoengrabfeld.mainpost.de

Von Alfred Kordwig und Thomas Hälker
    
    

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