publiziert: 06.08.2009 16:15 Uhr
aktualisiert: 06.08.2009 17:19 Uhr
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Ein Blick auf das zweite Ich

Vernissage der Fotoausstellung im Bürgerhaus – Faszinierende Portraits

„Wie wirke ich auf andere? Wie sehe ich mich selbst?“ Die Fragen klingen, als wären sie einem Lehrbuch über Öffentlichkeitsarbeit oder einer psychologischen Studie entnommen. Möglicherweise finden sie sich auch dort wieder. Thomas Hälker jedoch, Fotojournalist aus Bad Königshofen, hat einen besonderen Weg gefunden, sich diesen existenziellen Fragen menschlichen Lebens zu nähern.

  • Die Ausstellung „Mein zweites Ich“, die bis zum Herbst im Vhs-Bürgerhaus am Marktplatz gezeigt wird, bildet in Fotografien von 13 Jugendlichen aus dem Jugendzentrum Bad Königshofen beide Seiten menschlichen Lebens ab: die Selbst- und die Fremdsicht.
    FOTO Christian Staude
  • Smalltalk bei der Ausstellungseröffnung: Grafiker Daniel Schreiber, Fotojournalist Thomas Hälker, Renate Knaut, Leiterin des JuZ Bad Königshofen, Stadträtin Erika Idriss aus Bad Königshofen und Klaus Schemmerling, Geschäftsführer der Vhs Rhön und Grabfeld (von links).
    FOTO C. Staude
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Zusammen mit Grafiker Daniel Schreiber porträtierte er junge Erwachsene des Jugendzentrums (JuZ) Bad Königshofen, ließ sie sich anschließend selbst porträtieren, verband beide Aufnahmen durch einen für die Jugendlichen charakteristischen Gegenstand ihrer Wahl und schuf so ein modernes Triptychon. Ausdrucksstark zeigt es zwei Seiten, Selbst- und Fremdsicht, einer Person und gibt unwillkürlich einen Teil dessen preis, was die 13 Jugendlichen beeinflusst.

Die Ausstellung heißt „Mein zweites Ich“ und wurde bereits in der Kurstadt gezeigt. Nun wurde sie in Mellrichstadt im Vhs-Bürgerhaus eröffnet, wo sie bis September zu sehen ist. Klaus Schemmerling, Leiter der Volkshochschule (Vhs) Rhön und Grabfeld, lobte die hervorragende Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bad Königshofen, dem JuZ und der Vhs.

Seit nunmehr 18 Jahren kooperieren Mellrichstadt und Bad Königshofen auf dem Bereich der Kulturarbeit eng miteinander. Ein Problem bestehe allerdings bis heute. „Jugendarbeit spielt häufig in einem Raum, bei dem Erwachsene nicht so genau wissen, was da passiert“, klagte Schemmerling. Er kritisierte, dass Jugendarbeit häufig immer noch nicht publikumswirksam geschehe. Nur in negativen Fällen werde die Öffentlichkeit informiert.

Dass Jugendliche in kein vorgefertigtes gesellschaftliches Bild passen, mag sein, dass sie allerdings ständig aus dem Rahmen fallen, könnte im wahrsten Sinne des Wortes die Ausstellung widerlegen.

Eigens aus Bad Königshofen angereist war Stadträtin Erika Idriss. Schon seit langem liegt ihr die Jugendarbeit am Herzen, auch wenn sie eigentlich die Referate Behinderte, Senioren und soziale Belange betreut. Dem Wunsch vieler Politiker nach kostenloser Jugendarbeit entgegnete sie: „Jugendarbeit benötigt Idealismus und Geld.“ Allergisch sei sie gegen die oft gebrauchten Konjunktive „man müsste, man könnte, man sollte“. Sie zeigte sich begeistert von dem Fotoprojekt, schließlich seien Jugendliche nicht mit alten Hüten zu begeistern.

Thomas Hälker, Mitinitiator und Fotograf, führte fort: Ohne Jugendliche gäbe es die Ausstellung 'Mein zweites Ich' nicht. Die Jugendlichen selbst waren es, die die Bilderrahmen mit Inhalten gefüllt hätten. Ideengeberin für das Fotoprojekt war die Königshöferin Christine Wehe-Bamberger. Die Fotokünstlerin organisierte im Vorjahr ein Projekt, bei dem Jugendliche aus Bad Königshofen den Eindruck, den sie von ihrer Umgebung gewannen, mittels einer Einwegkamera festhielten. Von Anfang an sei er fasziniert gewesen, von der Idee, den Kontrast zwischen dem eigenen Ich und dem, wie andere einen sehen aufzuzeigen, gestand der Fotojournalist.

Beide Porträts bilden gewissermaßen die Eckpfeiler für das mittlere Bild. Dieses zeigt anhand eines alltäglichen Gegenstands, wie die Jugendlichen sich nach außen präsentieren. Durch den Entzug der Farbe in den Porträts habe man versucht, den Blick auf die wesentliche Aussage zu lenken, ergänzte Daniel Schreiber, Mitorganisator und Grafiker.

Am Ende war eine Vernissage eröffnet, die nicht zuletzt durch ihre Schönheit besticht. Neben der Freude über die tollen Fotografien und die brillante Technik zeigte die Ausstellung eines ganz deutlich: die Faszination Mensch. Jeder Mensch hat zwei Seiten: eine Seite, wie wir uns selbst sehen und eine Seite, wie andere uns betrachten. Und schließlich wird der kritische Betrachter zum Denken angeregt. Zum Nachdenken über die Fragen „Wie wirke ich auf andere?“ und „Wie sehe ich mich selbst?“

Im Blickpunkt

„Mein zweites Ich“ Bis Dienstag, 8. September, ist die Ausstellung in der Galerie des Vhs-Bürgerhauses zu sehen. Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag (außer Mittwoch) von 9.30 bis 12.30 Uhr und von 15 bis 17 Uhr sowie Samstag von 9.30 bis 12.30 Uhr.

 
Von unserem Mitarbeiter Christian Staude
    
    

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