publiziert: 07.06.2010 15:06 Uhr
aktualisiert: 07.06.2010 17:43 Uhr
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Ein Sport für echte Kerle

Kräftemessen der Holzfäller

Die besten deutschen Athleten sind in Stockheim am Timbersports-Stützpunkt angetreten, um die Fahrkarte für die Deutsche Meisterschaft zu lösen.

  • Fotos: Eckhard Heise
    Fehlstart von Robert Ebner: Gleich bei der ersten Disziplin patzte der Deutsche Meister aus Ottelmannshausen und verspielte die Chance auf den Sieg beim Rhön-Cup.
  • Ralf Wappes aus Weisbach hat sich für den Vorentscheid zur Deutschen Meisterschaft qualifiziert.
  • Europameister Dirk Braun in Aktion.
  • Ralf Dengler lässt die Späne fliegen.
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Ein Arbeitsplatz im kühlen Wald – danach haben sich die meisten Sportholzfäller, die beim Wettkampf auf dem Timbersports-Stützpunkt in Stockheim antraten, wahrscheinlich gesehnt. Doch da es um die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft ging, mussten die 18 Athleten in der prallen Sonne ihr Bestes geben. Lokalmatador Robert Ebner aus Ottelmannshausen konnte es etwas langsamer angehen lassen: Er ist als Titelträger für den Endkampf im August bereits gesetzt.

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Timbersports
Stockheim
05.06.2010
    

Schon nach der ersten Disziplin konnte der 25-Jährige seine Hoffnung auf den Sieg beim Rhön-Cup 2010 nahezu begraben. Im direkten Vergleich mit Europameister Dirk Braun aus Winterberg im Sauerland patzte der junge Grabfelder. Bei der Springboard-Disziplin müssen zwei Spalten in einen senkrechten Stamm geschlagen werden, in die dann Trittbretter eingelassen werden, auf denen sich die Akteure schließlich nach oben bewegen. Doch Ebner verlor fast seine Axt und wäre beinahe noch vom ersten Trittbrett gefallen. Mit diesem Fauxpas büßte er so viel Zeit ein, dass für ihn das Rennen schon gelaufen war.

Unmittelbar nach dem ersten verkorksten Wettkampfteil wirkte Ebner im Gespräch mit der Main-Post dann auch äußerst unzufrieden. Die Gründe für den Patzer hingen mit fehlender Motivation zusammen, vermutet er. Da er bereits für die Deutsche qualifiziert ist, sei er nicht mehr so konzentriert gewesen. „Dabei ist das Sideboard eigentlich meine Lieblingsdisziplin“, ärgerte er sich trotzdem. Allerdings räumte er auch eine gewisse Wettkampfmüdigkeit ein. „In Zukunft werde ich etwas zurückstecken“, kündigte der gelernte Forstwirt an. Zu viel Freizeit ginge verloren, jetzt wolle er sich stärker der Freundin und der Familie widmen. Außerdem gehe das Hobby gewaltig ins Geld. Er habe zwar zwei Sponsoren, muss jedoch noch viel aus der eigenen Tasche zuschießen, da er pro Woche etwa viermal trainiert. Zudem kosten die Sportgeräte „einen ordentlichen Batzen Geld“. Eine Axt – Ebner hat einen ganzen Koffer davon zur Auswahl – kostet etwa 400 Euro. Die extrem schwere Hot Saw, ein Eigenbau mit dem Motor eines Schneemobils und einer Leistung von etwa 60 PS, kostet rund 5000 Euro. In Deutschland wird bei den Wettkämpfen mit Pappelholz gearbeitet, erklärt der 25-Jährige, und das gehe extrem aufs Material. Darüber hinaus verweist Ebner auf die körperlichen Strapazen, die auf Dauer zu Lasten der Gesundheit gehen. „Ich werde das Training wohl zurückfahren, dann ist es aber wohl auch mit Titeln vorbei“, kündigt er an.

Beim Wettkampf in Stockheim fiel die Entscheidung schließlich erst in der abschließenden Disziplin Hot Saw. Vor dem Wettbewerb mit der getunten Rennmotorsäge lag Dirk Braun nur wenige Punkte vor seinen Verfolgern Robert Ebner und Stefan Stark aus Gramschatz, die sich noch Hoffnung auf den Turniersieg machen konnten. Doch Dirk Braun war an diesem Tag nicht zu schlagen und erzielte auch in diesem Wettbewerb die schnellste Zeit. Stefan Stark gelang ebenfalls ein guter Schnitt, so dass er im Endresultat auf den zweiten Platz kam.

Robert Ebner konnte durch ein Problem beim Anreißen seiner Hot Saw keine gültige Zeit erzielen. So wurde der amtierende Deutsche Meister am Ende noch von seinem Verfolger Wolfgang Kraus (Regenstauf) überholt.

Doch auch die weiteren Rhöner Teilnehmer haben sich in dem Wettbewerb gut verkauft. Steffen Graf aus Leutershausen und Sebastian Wappes aus Weisbach qualifizierten sich für den Vorentscheid zur Deutschen Meisterschaft, die am 7. August im Erlebnispark Tripsdrill (Baden-Württemberg) ausgetragen wird. Das internationale Saisonfinale ist dann die Stihl-Timbersports-Weltmeisterschaft am 4. und 5. September in St. Johann in Tirol (Österreich).

Die Ergebnisliste

Rhön-Cups der Stiel Timbersports Series:
1) Dirk Braun, Winterberg (Nordrhein-Westfalen), 103 Punkte
2) Stefan Stark, Gramschatz (Bayern), 92 Punkte
3) Wolfgang Kraus, Regenstauf (Bayern), 81 Punkte
4) Robert Ebner, Ottelmannshausen (Bayern), 79 Punkte
5) Ralf Dengler, Widdern (Baden-Württemberg), 74 Punkte
6) Steffen Graf, Leutershausen (Bayern), 62 Punkte
7) Matthias Thoma, Nordholz (Bayern), 61 Punkte
8) Markus Dengler, Widdern (Baden-Württemberg), 60 Punkte
9) Werner Brohammer, Hornberg (Baden-Württemberg), 55 Punkte
10) Sebastian Wappes, Weisbach (Bayern), 51 Punkte
11) Karlheinz Dengler, Widdern (Baden-Württemberg), 47 Punkte
12) Andreas Striewe, Borchen (Nordrhein-Westfalen), 43 Punkte
13) Matthias Weiner, Markt Taschendorf (Bayern), 39 Punkte
14) Christian Weingärtner, Freigericht (Hessen), 37 Punkte
15) Tobias Fischer, Hösbach (Bayern), 36 Punkte
16) Peter Bauer, Schmidmühlen (Bayern), 34 Punkte
17) Manfred Kröpfl, Aindling-Binnenbach (Bayern), 29 Punkte
18) Ingo Heidemann, Bielefeld (Nordrhein-Westfalen), 21 Punkte.
 
Stihl Timbersports Series: Die internationale Wettkampfserie im Sportholzfällen hat ihre Wurzeln in Kanada, den USA, Australien und Neuseeland. Um die Besten ihres Standes zu ermitteln, veranstalten die Waldarbeiter dort von jeher lokale Wettkämpfe im Holzfällen. Aus diesem Kräftemessen haben sich im Laufe der Zeit professionelle Veranstaltungen auf hohem sportlichen Niveau entwickelt. Seit 2001 ist die Stihl Timbersports Series auch in Deutschland zu Hause. Bei den nationalen und internationalen Wettkämpfen der Königsklasse im Sportholzfällen treten die Athleten in drei Axt- und drei Sägedisziplinen gegeneinander an. Springboard, Underhand Chop und Standing Block Chop gehören zu den klassischen Axt-Wettbewerben; bei den Single Buck (Zugsäge), der Stihl Stock Saw (handelsübliche Motorsäge) und der Hot Saw (bis zu 80 PS starke, getunte Motorsäge) kämpfen die Sportler mit Sägen um die Bestzeit. Infos: www.stihl-timbersports.de

  
Von unserem Mitarbeiter Eckhard Heise
    
    

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