publiziert: 29.03.2011 14:45 Uhr
aktualisiert: 29.03.2011 14:47 Uhr
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Gemeinsam Schweigen, damit alle umdenken

In Bad Königshofen regt sich Widerstand – Regelmäßige Mahnwachen gegen Atomkraft
  • Für den Ausstieg: Eine Mahnwache gegen die Atomkraft udn im Gedenken an die Opfer in Japan wurde auf dem Marktplatz veranstaltet. Organisiert wurde die Demonstration, die bis Ostern immer Montags wiederholt werden soll, von Frauen und den Kirchen.
    Foto: regina Vossenkaul
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Eine Mahnwache, bei der die Teilnehmer der Opfer von Atomkatastrophe, Erdbeben und Tsunami in Japan gedachten und sich gegen Atomkraftwerke aussprachen, fand am Montagabend erstmals auch auf dem Marktplatz von Bad Königshofen statt. Rund 100 Menschen aller Altersschichten nahmen daran teil, einige hatten Spruchbänder und Plakate mitgebracht. Einige Blechbläser begleiteten die Veranstaltung musikalisch.

Frauen aus dem Grabfeld haben die Mahnwache organisiert, sie trafen sich bei einer ähnlichen Veranstaltung in Bad Neustadt, fanden es aber unsinnig gegen Atomkraft zu protestieren und dafür im eigenen Auto viele Kilometer zu einer Kundgebung zu fahren. So entstand der Gedanke, eine eigene Veranstaltung zu organisieren, die an jedem Montag um 18 Uhr, zunächst bis Ostern, stattfinden soll.

Unterstützung fand das Organisationsteam bei den Kirchen. Diakon Rudi Reuter wirkte bei der ersten Mahnwache mit und verlas eine Chronik der Ereignisse in Japan.

Fukushima reihe sich ein in die Kette der wie Tschernobyl und Harrisburg, erinnerte der Diakon. Die Dreifach-Katastrophe Erdbeben, Tsunami und GAU, hätten aus dem Land der aufgehenden Sonne eines der untergehenden Sonne gemacht. 450 000 Menschen sind obdachlos, 90 000 Häuser beschädigt, man schätzt mindestens 20 000 Tote, ungezählte Menschen sind verstrahlt und werden an den Folgen zu leiden haben.

Einen Text von Jörg Zink evangelischer Theologe, Pfarrer, Publizist und einer der bekanntesten Sprecher der Friedens- und Ökologiebewegung, verlas Reuter. In „Die letzten sieben Tage der Schöpfung“, ursprünglich für ein Plakat für die Aktion „Brot für die Welt“ verfasst, erkannten die Zuhörer einige der gegenwärtigen Ereignisse wieder. Zink beschrieb, wie der an die Börse und den Fortschritt glaubende Mensch, sich mit Raketen und Atomsprengköpfen an den Rand seiner Existenz bringt. Erst starben die Fische, verseucht durch Industrieabwasser, dann die Vögel, vergiftet durch Pulver aus chemischen Fabriken, die Feldhasen überlebten die Bleiwolken der Abgase nicht. Krankheitskeime, als Waffe gezüchtet und versehentlich frei gelassen, resistente Bakterien und Viren sowie der Hunger dezimieren in den letzten Tagen die Menschheit, der Rest drückt den „roten Knopf“, weil er sich bedroht fühlt. Letztendlich ist die Erde wüst und leer – das könnte geschehen, wenn die Menschheit nicht umdenkt und anders handelt als bisher, so der Verfasser.

Fünf Minuten wurde auf dem Marktplatz gemeinsam geschwiegen und jeder Teilnehmer an der Mahnwache konnte sich seine eigenen Gedanken machen zu den jüngsten Ereignissen und zu der Frage, wie weit eigentlich das nächste AKW (Grafenrheinfeld) von Bad Königshofen entfernt ist und warum die Atomkraftwerke, die angeblich resistent gegen alle möglichen Katastrophen sein sollen, wie auch in Japan gesagt wurde, im Ernstfall anscheinend nicht kontrollierbar sind.

„Atomkraft - nein danke“ war auf den Plakaten zu lesen, „AKWs sind sicher - und die Erde ist eine Scheibe“ und „Der Störfall ist der Normalfall“. Zum Normalfall - zumindest vorerst bis Ostern, sollen die Montagsdemos in Bad Königshofen werden.

Von unserer Mitarbeiterin Regina Vossenkaul
    
    

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