aktualisiert: 06.02.2012 13:37 Uhr
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BAD NEUSTADT
Gospel und Bass: Pure Energie
Beeindruckendes Konzert
Wie klingt das, wenn eine funkige Bassgitarre, die auf Wurzeln aus der Musik der siebziger Jahre basiert, auf eine soulige Stimme trifft, die in der Tradition der Gospel zu Hause ist. Es muss als Experiment betrachtet werden, was Hellmut Hattler im Bildhäuser Hof gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Siyou präsentierte. Dass nicht alles zusammenpasste, was die beiden da machten, ist klar. Aber es gab mehr Übereinstimmungen als Diskrepanzen in Hattlers und Siyous Beziehung auf der Kleinkunstbühne.
Ein Experiment
Hellmut Hattler ist eine Legende in der deutschen Musik. Auch wenn dieser Begriff abgedroschen klingt und viel zu oft verwendet wird, Hattler ist ein in seinem Können ein völlig eigenständiger Bassist, einer, wie es nicht viele gibt. Fast 40 Jahre steht er jetzt auf diversen Bühnen, in eigenen Formationen genauso wie mit der Kultband Kraan aus den siebziger Jahren, mit der er ebenfalls schon mehrfach im Bildhäuser Hof zu Gast war. Jetzt hatte die Kulturwerkstatt Hellmut Hattler wieder einmal eingeladen und gleichzeitig Raum geschaffen, für sein neuestes Experiment. Sein Bass und eine zweifelsohne große Gospelstimme. Doch kann daraus etwas werden, was Hattler zu Beginn als seine „ Quintessenz der Musik“ beschrieb. Die Zuhörer im restlos ausverkauften Bildhäuser Hof waren gespannt. Schließlich teilte sich das Publikum in zwei Lager auf. Diejenigen, die Hattlers Bass hören wollten, seine irren Riffs, seine psychedelische Musik, und das andere Lager, das bei jedem Gospel eifrig mitsang. Wenn auch Isabelle Siyou Ngnoubamdjum einen großen Teil ihrer Gospels verfremdete und an Hattlers Bass anschmiegte.
Es ist ein Experiment, dass die beiden da eingehen. Eines, das auch mitnichten immer funktioniert. Wenn Siyou „Motherless Child“ intoniert wird ihre klangvolle, kraftvolle und energiegeladene Stimme wunderbar in Szene gesetzt. Aber ein Bass dazu als alleinige Begleitung? Einer, der genauso energiegeladen ist, der stetig die Musik nach vorne treibt? Wenn zwei gegensätzliche musikalische Genres aufeinandertreffen muss es Reibungspunkte geben.
Reibungspunkte
Die zu überbrücken ja der Sinn solcherlei Experimente darstellt. Und die durchaus auch gelingen können. Sowohl in den traditionellen Gospels wie auch in Hattlers eigenen Werken wie „Not what you think“. Es braucht im Bildhäuser Hof eine Weile, bis sich auch das Publikum auf die neue Zweisamkeit auf der Kleinkunstbühne eingestellt hat. Wurde, vor allem in den hinteren Regionen der Zuschauerreihen, am Anfang noch die Musik als Hintergrunduntermalung für das ein oder andere Gespräch zweckentfremdet, so wandelte sich das Bild spätestens nach der Pause. Siyou und Hellmut Hattler agierten jetzt enger, gemeinsamer. Und nahmen die Zuhörer auf ihre Klangreisen mit. Die Energie der beiden traf in den Stücken nicht mehr auf- und gegeneinander, sie addierte sich zu einem Ganzen. Was das bei Hattler und Siyou bedeutet, kann man sich nur vorstellen, wenn man die beiden Musiker einmal selbst erlebt hat. Doch so richtig quintessenziell musikalisch war dieses Hattler-Experiment noch nicht gelungen. Auch wenn es der Meister am Bass wenigstens phasenweise dafür hielt.
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