aktualisiert: 07.02.2012 12:02 Uhr
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BAD NEUSTADT
Grüne Praxis statt grauer Theorie
Schüler des Rhön-Gymnasiums im Botanischen Garten der Uni Würzburg
Lernen macht Spaß, besonders wenn man das Schulhaus verlassen kann und sich mit Fragen beschäftigt wie: „Warum können Kokosnüsse Menschen vor dem Ertrinken retten?“ und „Was haben Klettverschlüsse mit Elefanten zu tun?“.
Auf Anregung des Kultusministeriums führte jede bayerische Schule im Oktober 2011 eine Projektwoche zum Thema „Gesundheit und Nachhaltigkeit“ durch. Am Rhön-Gymnasium wurde diese von der 10. Jahrgangsstufe organisiert. Um ihren Einsatz zu würdigen, finanzierte der Verein der Freunde des Rhön-Gymnasiums für die engagierteste Klasse eine Exkursion zum Botanischen Garten der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg.
Am vergangenen Donnerstag begab sich nun die Klasse 10e in den Lehr- und Lern-Garten der Uni, um sich im tropischen Gewächshaus bei molligen 24° C (Außentemperatur: minus sieben) mit der Frage zu beschäftigen, was man von Pflanzen lernen kann; denn es gibt viele Kniffe in der Anpassung an ihre Umwelt, von denen wir Menschen profitieren können. Diese Forschungsrichtung nennt man Bionik.
Beispielsweise orientieren sich in der Automobilindustrie Ingenieure an einer bestimmten Grasart, wenn sie Bauteile besonders leicht und widerstandsfähig gestalten wollen. Diese speziellen Eigenschaften des Bambus galt es, als erstes zu erforschen: Die Schüler führten dazu Experimente mit Papiermodellen durch, um zu ermitteln, welche Strukturen Druck am besten Stand halten. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Bambus deshalb so leicht und stabil ist, weil er zwar innen hohl, aber in regelmäßigen Abständen von Trennwänden durchzogen ist. Dieser Trick sorgt für eine unglaubliche Stabilität, immerhin können einige Bambusarten eine Höhe von 35 Metern erreichen, ohne vom Wind beschädigt zu werden.
An der nächsten Station konnten die Schüler das Bauprinzip einer Kokosfrucht entdecken. Ihre Aufgabe bestand darin, eine Kokosnuss nachzubauen, die den empfindlichen Keimling immerhin vor einem Sturz aus bis zu 30 Metern Höhe und einer anschließenden Seereise schützt. Als Keimlingsersatz diente den Jugendlichen ein rohes Ei, das so in Watte, Styropor, Bast und Frischhaltefolie verpackt werden sollte, um den anschließenden Fall- und Schwimmtest heil zu überstehen – den Schwimmtest zumindest haben alle bestanden. Die Kokosnuss selbst ist eine hervorragende Schwimmerin, weil ihre Faserschicht wasserabweisend ist und für den nötigen Auftrieb sorgt. Daher wurde diese früher dazu verwendet, um Schwimmwesten auszustopfen. Aber auch im Straßenverkehr leisten die Strukturen der Kokosnuss hervorragende Dienste, um die Köpfe von Fahrradfahrern zu schützen.
Die Schüler führten zahlreiche weitere Experimente durch und waren sich am Ende mit ihren Fachlehrern Cornelia Schäfer und Oliver Fuchs einig, dass die grüne Praxis der grauen Theorie weitaus überlegen ist.
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