Mag sein, dass das Auge sich ändert, wenn man Enkel hat. Vielleicht ist aber nur das Alter. Jedenfalls sehe ich mehr, genauer als früher, zum Beispiel Mütter, die ihre Kinder in den Kindergarten bringen. Ich sehe das vom Esstisch aus, zu verschiedenen Zeiten und ich bekomme immer größere Hochachtung vor dem, was da abläuft. Geschwindigkeiten zum Beispiel werden nach Metern gemessen, 20 in fünf Minuten sind schon gut, vor allem, wenn es in die gleiche Richtung geht. Die Geduld, die Kraft, ein Gefährt aus Rad und Anhänger den Anstieg hinauf zu bringen, die Ergebung in die Faszination eines kleinen Menschen, der etwas entdeckt hat, was ein Erwachsener gar nicht wahrgenommen hätte, die Qual doppelten Empörungsgeschreis zweier Brüderchen im Trotzalter, all das grenzt manchmal an leichte Folter für einen Außenseher, wird aber – nach meinen Erkenntnissen wenigstens –, meistens mit stoischer Ruhe durchgestanden.
Das, meine ich, musste einmal gesagt sein. Zum Abschluss eine Beobachtung in voller Länge: Ein Gartenmäuerchen, etwa 60 Zentimeter hoch, eine Mutter, ein Fahrrädchen, ein Knabe, schätzungsweise Drei. Mutter steht am Ende des Mäuerchens, stellt das Rädchen ab, lockt. Ein schmales Bübchen am Anfang der Mauer, oben drauf. Es tut sich nichts außer einer leichten Verkrümmung der kleinen Figur. Angst. – Pause. – Dann begibt sich die Mutter zum Kind, steht daneben, sagt etwas. Das Bübchen setzt sich langsam, ganz behutsam in Bewegung und geht, Schrittchen für Schrittchen den ganzen langen Weg auf der gefährlichen Höhe. Ohne Hilfe. – Man brauchte nichts zu hören. Es reichte die Körpersprache. Hier war ein epochaler Sieg im Leben des kleinen Mannes errungen worden. Nichts Besonderes? Ich frag ja nur.