publiziert: 10.05.2009 16:05 Uhr
aktualisiert: 10.05.2009 16:06 Uhr
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Kräftemessen und Konfliktlösung

Seminar der Mennoniten-Gemeinde befasst sich mit dem Thema Gewalt

Zum zweiten Mal hatte die Mennoniten-Gemeinde Bad Königshofen zu einem ökumenischen Seminar zum Thema „Gewalt überwinden“ eingeladen. Gäste waren Jakob Fehr, Geschäftsführer des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees im nordbadischen Bammental und die Sozialarbeiterinnen Ulrike Schmutz und Margret Mundorf.

  • Was ist Gewalt, welche Auswirkungen hat sie und wie kann man Konflikte lösen? Diesen und vielen weiteren Fragen innerhalb des Themenkreises gingen die Teilnehmer eines ökumenischen Seminars bei der Mennoniten-Gemeinde in Bad Königshofen nach.
    FOTO Regina Vossenkaul
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Bad Königshofen

Bei den Jugendlichen der christlichen Gemeinden, die hauptsächlich eingeladen waren, stieß das Seminar allerdings auf wenig Resonanz – so war die Teilnehmergruppe altersmäßig stark gemischt.

Innerhalb der vom Ökumenischen Rat der Kirchen 2001 ausgerufenen „Dekade zur Überwindung von Gewalt“ und anlässlich der bevorstehenden Taufe von mehreren Jugendlichen wurde das interessante Seminar im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde durchgeführt. Das Thema Konflikt und Gewalt ist für die Mennoniten von zentraler Bedeutung, haben sie sich doch schon bei der Gründung der Gemeinschaft zum Verweigern des Kriegsdienstes verpflichtet.

Konfliktlösungen

Die Auseinandersetzung mit den Fragen und Problemen der Zeit und Strategien für Konfliktlösungen müssen in den Gemeinden selbst geleistet werden, es gibt keinen kirchlichen Überbau wie bei den Katholiken. Mit dem Thema Gewalt beschäftigen wollten sich die Gemeindemitglieder in Bad Königshofen angesichts der Nachrichten über Amokläufer, „Kollateralschäden“, Mobbing und Misshandlungen in den Familien

Spielerische Erfahrungen mit Gewalt standen zunächst am Samstagnachmittag auf dem Programm. Ein Spiel, bei dem sich die Teilnehmer gegenseitig ein Tuch abjagen – den Lebensfaden symbolisierend – und gegenseitiges Kräftemessen führten schnell zum Kern des Themas. Was ist eigentlich Gewalt und wann beginnt sie? Diese Fragen wurde ganz individuell beantwortet.

Klar war von Anfang an, dass sich Gewalt nicht nur physisch ausdrückt, sondern auch psychisch. Während sich jemand schon fast bedroht sieht, wenn eine Frau mit Kopftuch vorbeigeht, weil man die Unterdrückung der Frau darin sieht, ist für andere absolute Gewalt, wenn ein Kälbchen geschlachtet wird.

Was ist Gewalt?

Ist es Gewalt, wenn zwei Profiboxer aufeinander losgehen oder wenn eine Person im Internet verleumdet und bloßgestellt wird? Gibt es legitime Gewalt, beispielsweise im politischen Widerstand, und ist es überhaupt möglich, ganz gewaltfrei zu leben? Viele Fragen wurden diskutiert, um dann zu den eigenen Erfahrungen überzugehen. In zwei geschlechtsspezifischen Gruppen wurden hier Erlebnisse und Erfahrungen betrachtet und es kam einiges zur Sprache, was die Teilnehmer belastet. Wie kann man damit umgehen?

Am Abend wurde anhand eines konkreten Beispiels aus Israel und Palästina aufgezeigt, was Friedensstifter bewirken können. Dort weigert sich die palästinensisch-christliche Familie Nassar trotz schlechter Erfahrungen, Feind der Israelis zu sein und bemüht sich, Brücken zu bauen.

Während des Gottesdienstes am Sonntag ging es noch einmal um das Thema Gewalt, es wurden biblische Konfliktlösungen betrachtet.

Stichwort

Mennoniten Die Mennoniten sind Teil der Christenheit. Entstanden ist die sogenannte Täuferbewegung in der Reformationszeit im 16. Jahrhundert, der Name geht auf den Theologen Menno Simons zurück. Kennzeichnend ist, dass die Taufe erst dann stattfindet, wenn man sich bewusst für den Glauben entscheidet. Die Mennoniten, die in Deutschland etwa 40 000 Angehörige zählen, lehnen daher die Kindertaufe ab. Die Gemeinde in Bad Königshofen besteht seit über 200 Jahren. Sie hat derzeit etwa 40 Mitglieder. Leiter der Gemeinde ist Otto Funck. Gottesdienst ist jeden zweiten und vierten Sonntag um 10.15 Uhr im evangelischen Gemeindehaus.

Von unserer Mitarbeiterin Regina Vossenkaul
    
    

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