publiziert: 05.02.2012 16:07 Uhr
aktualisiert: 05.02.2012 16:25 Uhr
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Minister oder Terrorist

Leipziger Pfeffermühle mit aktuellem Kabarettprogramm in der Wandelhalle
  • Aufpassen: Vielleicht gespielt inkompetent, aber auf jeden Fall äußerst unterhaltsam. Die Drei von der Leipziger Pfeffermühle.
    Foto: stefan kritzer
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Die Leipziger Pfeffermühle ist seit Jahrzehnten eine Institution in Sachen Kabarett. Im eigenen Haus in der Leipziger Katharinenstraße genauso wie auf Gastbühnen. In der Wandelhalle war die Pfeffermühle nach langen Jahren endlich mal wieder zu Besuch. Und hatte neben drei Kabarettisten auch zwei Musiker mitgebracht, die den Takt einen ganzen Kabarettabend lang vorgaben.

Inkonsistent, inkontinent oder inkompetent. Es ist schon eine „Plantage“ (= Blamage), wenn man nicht so richtig „konfekt“ (= perfekt) ist mit den Fremdwörtern. Das musste auch Sängerin Franziska Schneider gemeinsam mit ihren beiden Schauspielkollegen der kabarettistischen Zunft, Matthias Avemarg und Hans-Jürgen Silbermann selbstkritisch eingestehen. Letztlich einigten sich die Drei von der Leipziger Pfeffermühle aber dann doch auf einen gemeinsamen Programmtitel: Hurra, wir bleiben inkompetent! In der Wandelhalle sorgten die drei Kabarettisten gemeinsam mit Pianist Dietmar Biebl und Schlagzeuger Peter Jakubek für einen unterhaltsamen und nachdenklichen Abend. Die Leipziger Pfeffermühle steht für traditionelles Kabarett, das - Gott sei Dank - noch nicht von der überflüssigen und sinnfreien Comedy unterlaufen ist. Kabarett in Reinkultur, wie sie seit 57 Jahren in Leipzig zelebriert wird. Und das mit Erfolg. Ob inkompetente Bundeswehrsoldaten oder genauso ahnungslose Politiker, die Pfeffermühle findet in ihrem Programm den richtigen Ansatzpunkt, alles Mögliche auf die berühmte Schippe zu nehmen. Nur in der Pfeffermühle wird auch das Streitgespräch zwischen Ossis und Wessis aufrecht erhalten. Sätze aus immer noch ostdeutscher Sicht wie: „Wir müssen unsere Bahnhöfe nicht unter die Erde verlegen“, oder „Gegen den zusammenbrechenden Euro war die Ostmark eine stabile Währung!“ kamen da bei den Wessis in uns treffend an.

Das Programm der Leipziger Pfeffermühle baut nach wie vor auf die aussterbende Spezies der Sketche. Zum Beispiel wird da ein Restaurantbesuch zu einer abweisenden Ernährungsberatung, die für die Gäste hungrig, aber auch teuer endet. Die Pfeffermüller setzen sich für eine Schwafelsteuer genauso ein, wie für einen Kanzlerkandidaten, der allzu eifrig von einer selbst ernannten Marketingspezialistin beraten wird: „Ein Kind genügt nicht! Seit Ursula von der Leyen sind Männer mit weniger als fünf Kindern impotent!“

Immer leicht haben es die drei Kabarettisten in der Wandelhalle aber nicht. Und als einmal die Gags nicht recht kommen, sorgt ein Versprecher von Hans-Jürgen Silbermann dafür, dass wieder richtige Kabarettstimmung in der reichlich kühlen Wandelhalle aufkam. Silbermann verwechselte in seinem Bundeswehr-Sketch die beiden Worte „Terrorist“ und „Bundesinnenminister“. Kollege Avemarg kommentierte kritisch: „Kann man ja mal verwechseln!“

Von unserem Mitarbeiter Stefan Kritzer
    
    

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