aktualisiert: 02.02.2012 15:40 Uhr
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Mit dem Nordwind über die Alpen
Vom Allgäu nach Verona mit dem Heißluftballon
Georg Leupold hat ein Faible für ausgefallene Exkursionen: Im Januar startete er mit zwei Begleitern zu einer Ballonfahrt über die Alpen.
A m 14. Januar 2012 war es endlich soweit: Die Wetterverhältnisse, deren Entwicklung wir die Tage zuvor aufmerksam verfolgt hatten, kündigten ein Fenster mit sehr guten Fahrverhältnissen an. Außerdem ließen die Prognosen der Langstreckenberechnungen ein Landegelände etwas östlich von Verona erwarten – für uns also ideal.
Ein wenig Sorgen machte uns noch der Wind: Ob nicht doch Turbulenzen über den Alpenkämmen zu erwarten waren? Es wurden deshalb verschiedene Wettermodelle geprüft. Diese lagen in ihren Aussagen aber so dicht beieinander, dass mit ausreichend Abstand von den Bergkämmen zwar eine schnelle Strömung, dafür aber ohne Turbulenzen. zu erwarten war.
Am Morgen fuhren wir schon sehr früh nach Bad Hindelang, wo noch weitere Teams eine Alpenüberquerung wagen wollten. Nach einem Briefing mit Michael Noll vom Deutschen Wetterdienst kamen wir dann gegen 7.30 Uhr endlich auf den Startplatz an und bereiteten den Start vor. Wir ließen uns dabei viel Zeit und prüften und testeten noch einmal sorgfältig unsere Ausrüstung. Da wir bis zur Flugfläche 200, was circa 6000 Meter über dem Meeresspiegel entspricht, aufsteigen wollten, hatten wir auch Sauerstoff mitgenommen.
Mein Bruder Michael rüstete den Ballon auf. Ulli, ein Ballonfahrerfreund aus Coburg, seine Frau Susi und ich kletterten dann in den Korb und nur wenige Minuten später stiegen wir auf, zunächst in die Gegenrichtung fahrend, dann mit zunehmender Höhe ging es in Richtung Italien mit Bearing, also einer Richtung von circa 160 bis 165 Grad.
Die Geschwindigkeit nahm rasch zu. Während Ulli den Ballon steigen ließ, machte ich den Funkverkehr mit München-Information und gab eine Startmeldung durch. Einen zweiten Ballon nahmen wir ins Schlepptau und wurden schon bald von München-Information an Wien-Radar übergeben. Die Verständigung war sehr gut und wir bekamen auch alle Freigaben, so wie wir diese uns wünschten. Als wir die italienische Grenze in Richtung Gardasee überfuhren, versuchte ich mehrmals die italienische Flugsicherung zu erreichen, dies gelang aber erst, als wir schon eine Stunde über Italien fuhren.
Die Freigaben wurden uns in italienischem Englisch gegeben. Bei der italienischen Flugsicherung muss man schon Glück haben, einen Controller mit guten Englisch Kenntnissen zu erwischen, unserer mischte immer wieder ein paar Brocken Italienisch dazwischen, wir haben's aber trotzdem ganz gut verstanden.
Die Fahrstrecke führte uns über mehr als 3000 Meter hohe Alpenkämme mit einer Geschwindigkeit von bis zu 135 Stundenkilometer Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 121 Stundenkilometer, wie vorhergesagt. Schon bald konnten wir den gewaltigen Lago di Garda ausmachen und hatten den russischen Ballon in Sicht, der eine Stunde vor uns gestartet war.
„Das Gefährlichste war die Rückfahrt mit dem Auto“Ballonfahrer Georg Leupold
Es handelt sich um einen Nachbau des ersten Raumschiffs, die Boctoc Vostoc, mit dem der erste Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin am 12. April 1961 die Erde in 106 Minuten einmal umrundete. Nach insgesamt einer Stunde und 46 Minuten landete er im Wolgagebiet bei Saratow. Zum 50. Jubiläum wurde dieser Ballon gebaut. Mit ihrem „Spezialenglisch“ hatten es auch die Russen geschafft! Aber eins muss man der Besatzung des russischen Ballons lassen: Die fahren richtig gut! Denn es gehört schon viel Mut dazu, mit einer solchen Sonderform, die immerhin 350 Kilogramm Stoffgewicht hat, über die Alpen zu fahren. Ich hab die ganze Mannschaft mit Ljudmila Samborskaja und Nikolay Galkin, ihrem Chef-Piloten aus Moskau, jedenfalls fest in mein Herz geschlossen. Nachdem wir den Gardasee erreicht hatten, war Verona auch schon in Sicht, wir fuhren noch über die Stadt in etwa 5000 Meter Höhe hinweg und ließen uns dann eine Freigabe zum Sinken geben. In 3000 Meter Höhe änderte sich unser Kurs in Richtung Osten nach Venedig. Wir schlossen unseren Flugplan über Funk und stiegen noch weiter ab, die Geschwindigkeit wurde jetzt immer langsamer.
Mit 20 bis 25 Stundenkilometer fuhren wir schließlich in Richtung Venedig bis zur Autobahn A4, wo wir uns einen Landeplatz suchten. Es ist gar nicht so leicht in dieser von Obstplantagen und Äckern durchsetzten Gegend, eine Wiese zu finden. Aber unsere Geduld zahlte sich aus: In einem Industriegebiet bei San Bonifacio steuerten wir die einzige kleine Wiese weit und breit an und landeten dort trockenen Fußes.
Am Landeort tauchten gleich viele neugierige Italiener auf, mit denen ich versuchte, auf Englisch zu sprechen – keine Chance. Da legte Ulli seine Hand auf meine Schulter und sagte. „Lass doch mal die Susi ran“. Und Susi ratterte gleich auf Italienisch los, dass ich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam. Schnell war den hilfsbereiten Italienern so klar gemacht, was wir wollten, und sie halfen mit, den Ballon einzulegen und abzubauen.
Ein wenig später wurde dann Ullis Frau von einem italienischen Ehepaar zu einem Supermarkt gefahren, um für unser Landefest Getränke und etwas Essbares zu kaufen. Nach eineinhalb Stunden kam sie zurück und war vollgepackt mit Einkaufstüten.
Kurze Zeit später war auch mein Bruder mit meiner Frau Erika am Landeort und wir konnten den Ballon auf den Hänger aufladen. Jetzt begann der gefährliche Teil der Reise: die Rückfahrt mit dem Auto.
ONLINE-TIPP
Mehr Bilder von der Apenüberquerung unter rhoengrabfeld.mainpost.de und zum Downloaden unter www.rhoenballon.de
Faszination Ballonfahren
Die Geschichte des Ballonfahrens Heißluftballone oder Vorläufer davon wurden wohl zum ersten Mal um 200 nach Christus in China eingesetzt. Auf seinen Feldzügen erfand Zhuge Liang neben anderen Dingen einen kleinen Heißluftballon, der von einer Kerze getrieben wurde und als Signal diente. In Europa beginnt die Geschichte mit den Papierfabrikanten Joseph Michel Montgolfier und Jacques Étienne Montgolfier. Sie versuchten es zuerst mit Wasserdampf, was nicht funktionierte, und stiegen dann auf Heißluft um. Am 7., 9. oder 14. Juni 1783 (die Quellenangaben unterscheiden sich hier) ließen sie in Annonay den ersten größeren Ballon vor Publikum steigen. Der Flug soll Berichten nach rund 10 Minuten gedauert haben, wobei der Ballon auf eine Höhe von 1,5 Kilometer aufgestiegen sein soll. Als König Ludwig XVI. davon erfuhr, forderte er die Brüder auf, ihm diesen Ballon zu demonstrieren.
Georg Leupold Der 52-jährige Bad Königshöfer Georg Leupold begann im Jahr 1990 mit dem Ballonfahren. Seine Ausbildung machte er im Schweinfurter Ballonclub. 1993 kaufte er zusammen mit dem Bad Königshöfer James Eschenbach seinen ersten Heißluftballon. 1995 machte er seinen Ballonlehrer und gründete eine Ballonschule. Heute gehören Leupold drei eigene Ballone, mit denen er neben „normalen“ Fahrten auch Ballonfahrten über den Thüringer Wald und über die Alpen unternimmt. Seit dem Jahr 2000 ist Georg Leupold im Besitz der Berufspilotenlizenz, außerdem ist er seit über zehn Jahren Luftfahrzeugprüfer für Flugzeuge und Ballone.
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mrkotter (37 Kommentare) am 02.02.2012 15:07
Klasse!Der Bericht und vor allem die Bilder sind Klasse! |
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