aktualisiert: 22.08.2012 12:02 Uhr
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SCHWEINFURT/RHÖN-GRABFELD
Neun Jahre Gefängnis für Drogendealer
Schweinfurter Ermittlern war mit Festnahme des 42-Jährigen ein großer Coup gelungen – Angeklagter kaufte Kiloweise Heroin ein
Sein letzter Kunde war ein verdeckter Ermittler der Kriminalpolizei. Drei Kilogramm Heroin hat der 42-Jährige dem Polizeibeamten verkauft. Kurz nach dem Deal Ende September 2011 klickten in Poppenhausen im Landkreis Schweinfurt die Handschellen.
Am Montagnachmittag ist der aus dem Kosovo stammende Brahim B. am dritten Prozesstag von der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht Schweinfurt unter Vorsitz von Erik Ohlenschlager wegen Drogendealerei zu neun Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der 42-Jährige hatte den Einkauf von insgesamt fünf Kilogramm Heroin und den Weiterverkauf von annähernd drei Kilogramm Heroin gestanden.
Der Kosovare kam Mitte der 1990er Jahre nach Deutschland, stellte erfolglos Asylanträge, reiste 2000 freiwillig aus, um 2001 nach der Heirat seiner langjährigen deutschen Freundin in Albanien mit einem Visum wieder nach Deutschland zurückzukehren. Seine Brötchen verdiente er sich als Gastwirt zunächst in einem Dorf im Landkreis Rhön-Grabfeld, dann in einer Kleinstadt im Kreis Bad Kissingen.
Im Jahr 2009 begann er wegen seiner hohen Schulden von angeblich 50 000 Euro, die auch mit seinem Engagement in der Gastro-Branche zu tun hatten, mit Drogengeschäften. Er ging dabei sehr professionell vor: Im Einsatz waren immer mehrere Handys, die Waren ließ er Dritte in Holland mit Mietautos holen, er bunkerte das Heroin und das eingenommene Geld stets an verschiedenen Orten, vornehmlich im Bad Neustädter Raum.
Gleichwohl: Seine intensiven Geschäfte mit dem gefährlichsten Stoff der Szene blieben auch der Polizei nicht verborgen. Ein Vertrauensmann der Polizei, Deckname Mohammed, nahm erfolgreich Kontakt zum Dealer auf. Es kam zu ersten kleineren Drogengeschäften. Später kam auch der verdeckte Ermittler erfolgreich zum Einsatz. Als ein Kurierfahrer ausfiel, fragte der Angeklagte ausgerechnet „Mohamed“, ob er Ersatz wisse. Mohamed wusste: Nicht nur der letzte Kunde, sondern auch der letzte Kurierfahrer war Polizist. Man hatte sich dazu vorher die Genehmigung der Niederlande eingeholt. Der Schweinfurter Polizei war ein großer Coup gelungen.
Der Angeklagte hatte die drei Kilo Heroin selbst bei seinem Mittelsmann in Holland eingekauft und dem Kurier, von dem er nicht wusste, das der ein Polizist war, in Rotterdam übergeben. Der Polizist fuhr die Drogen nach Schweinfurt, der Angeklagte kehrte mit seinem Auto über eine andere Route zurück, wurde von einem Sondereinsatzkommando bei Poppenhausen festgenommen. Seit 1. Oktober 2011 sitzt er in U-Haft.
Professionelles Auftreten
Der 42-Jährige räumte ein, dass sein professionelles Auftreten und Handeln einem „Lehrmeister“ aus seiner Heimat geschuldet sei. Er habe dessen Ratschläge befolgt. Er habe sich auch nie Gedanken über die bei Heroingeschäften gravierenderen Folgen gemacht. Er sei sich sicher gewesen sei, nicht erwischt zu werden, sagte er. Warum hat er selbst keine Drogen konsumiert? „Ich hatte Angst vor der Sucht“, sagte er.
Staatsanwalt Mathias Bachmann anerkannte das Geständnis, sah aber angesichts der Mengen eine Freiheitsstrafe von elf Jahren für nötig. Er beantragte außerdem, die sichergestellten beiden Fahrzeuge und das beim Angeklagten gefundene Geld – zusammen 66 000 Euro – einzuziehen. Dem folgte das Gericht.
Die beiden Verteidiger, Steffen Ufer aus München und Konrad Scheckenbach aus Würzburg, sahen acht Jahre als ausreichend an. Ufer rechtfertigte die Forderung im unteren Bereich mit dem durch die Polizei provozierten Verkauf der drei Kilogramm Heroin. Zudem müsse das Geständnis, das einen zeitraubenden Prozess verhindert habe, honoriert werden.
Scheckenbach erinnerte an die unumgängliche Ausweisung (Zeitpunkt der Abschiebung steht noch nicht fest) und der damit verbundenen Folge für seine neue Familie – Frau und sechsjähriger Sohn– , die sich nun zu entscheiden hätten, ob sie zu gegebener Zeit mit ihm ins Kosovo übersiedeln.

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