publiziert: 14.02.2012 15:02 Uhr
aktualisiert: 14.02.2012 15:12 Uhr
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Opa Wolfgang bei Mutter-Kind-Kur zu Besuch

MdB Zöller erwartet Trendwende, was abgelehnte Kuranträge betrifft – Stippvisite im Haus am Kurpark
  • Expertenrunde: Patientenbeauftragter Wolfgang Zöller (Mitte), hier mit (von links) Kurdirektor Werner Angermüller, Anne Schilling vom Müttergenesungswerk, Kurhausleiterin Gesa Schumacher und stellvertretendem Bürgermeister Udo Jahrsdörfer, informierte sich vor Ort über die Einrichtung.
    Foto: Vossenkaul
  • Fotoalbum im Digital-Zeitalter: „Schau mal, mein Enkel sieht so aus wie du!“ Der Bundestagsabgeordnete und Patientenbeauftragte Wolfgang Zöller besuchte das „Haus am Kurpark“ in Bad Königshofen, wo Mutter-Kind-Kuren durchgeführt werden.
    Foto: Regina Vossenkaul
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„Es ärgert mich, wenn Menschen um das ihnen zustehende Recht kämpfen müssen!“ Wolfgang Zöller, MdB und Patientenbeauftragter der Bundesregierung wurde deutlich. Der CSU-Mann aus Obernburg besuchte mit der Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes (MGW) aus Berlin, Anne Schilling, das „Haus am Kurpark“ in Bad Königshofen. Die Delegation ließ sich das Konzept vorstellen und beleuchtete die gegenwärtige Situation im Bereich der Mutter-Vater-Kind-Kuren.

Mit der Leiterin des Kurhauses, Gesa Schumacher, diskutierten auch Landrat Thomas Habermann, Bad Königshofens stellvertretender Bürgermeister Udo Jahrsdörfer, Kurdirektor Werner Angermüller, Badearzt Klaus Wehe, Angelika Schleicher, Beauftragte für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt vom Jobcenter Bad Neustadt und Kathrin Speck, Bezirksgeschäftsführerin des „Paritätischen“ mit dem Besuch aus Berlin.

Pflichtaufgabe schlecht umgesetzt

Seit 2007 ist die Bewilligung von Kuren für kranke und stark belastete Mütter eine Pflichtaufgabe der Krankenkassen, so hat es die Bundesregierung beschlossen. Aber: Es fehlt an der Umsetzung, wie Anne Schilling bestätigte. Was als „Meilenstein“ begrüßt wurde, habe sich in der Praxis nicht bewährt, es wurden immer weniger Kuren genehmigt. Viele Antragsteller haben keine Kraft für monatelange Behördenkämpfe und geben auf. Der Bundesrechnungshof hat in einem Prüfbericht im Juni 2011 bestätigt, dass bei der Bewilligungspraxis für Mutter- und Mutter-Kind-Kuren vieles schief läuft, jetzt werde nachgebessert.

„Die Zukunft Deutschlands sind nicht nur die Familien, sondern gesunde Familien“, sagte der CSU-Politiker Zöller. „Das Gesetz ist gut, die Umsetzung eine Katastrophe“, fasste Zöller zusammen, der die Beschwerden vieler Frauen auf den Tisch bekommt. Es gebe Krankenkassen, die Anträge grundsätzlich ablehnen und erst bei Widerspruch genehmigen, andere füllen erst mal kasseneigene Kurhäuser auf, ohne Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse. Zöller stellte klar, dass die Regel „ambulant vor stationär“ bei Mutter-/Vater-Kind-Kuren nicht gelte, weil ein Tapetenwechsel oft dringend notwendig sei. Außerdem gelte die freie Wahl der Kureinrichtung. Er forderte mehr Transparenz und Kontrolle. Es könne nicht sein, dass der medizinische Dienst Beurteilungen schreibt, ohne die Betroffenen einmal gesehen oder gesprochen zu haben.

„Willkürliche Ablehnungen, wie bisher, darf es in Zukunft nicht mehr geben“, sagte Zöller. „Gesundheitlich beeinträchtigte Mütter haben das Recht auf diese Gesundheitsleistung. Und das sollen sie auch bekommen.“ Über einheitliche Bewertungsbögen für ganz Deutschland, in denen auch Todesfälle in der Familie, Erschöpfung und ähnliches als Kriterien anerkannt werden, will Zöller das schaffen. Zudem könne im Internet die Ablehnungsrate veröffentlicht werden, schließlich könne man eine Kasse auch wechseln, wenn sie sich unsozial zeige.

Authentische Gewährsfrauen

14 Frauen, die gerade nach ihrer Kur in der Abschluss-Gesprächsrunde saßen, wurden nach ihren Erfahrungen befragt. Eine schnelle Bewilligung gehörte zu den Ausnahmen, eine Frau musste gar ein Dreivierteljahr um ihre Kur kämpfen, eine andere berichtete von zwei Ablehnungen. Viel Lob gab es von ihrer Seite für das „kleine, liebevolle und freundliche Haus“, das zum Glück kein Riesenbetrieb sei und deshalb jede Frau und jedes Kind mit Namen kenne. „Ich habe hier das gefunden, was ich gebraucht habe“, sagte eine Teilnehmerin, die auch das qualifizierte Personal lobte. Was sind die Früchte, die sie nach drei Kurwochen ernten konnten, was haben sie als unnötigen Ballast auf den Kompost geworfen? Mit diesen Fragen hatten sich die Frauen gerade beschäftigt, und die Gäste waren erstaunt über die reiche Ernte.

Beim Rundgang durch das Haus kamen die Besucher auch mit den Kindern ins Gespräch. Opa Zöller zeigte stolz ein Bild von seinem Enkelkind, das dem Anschein nach große Ähnlichkeit mit einem der anwesenden Jungen hatte.

„Wir erwarten eine Trendwende“, fasste Zöller am Ende des Besuchs zusammen. „Wir werden in den nächsten Monaten sehr genau beobachten, ob jetzt tatsächlich mehr Müttern der Kurantrag bewilligt wird.“

Von unserer Mitarbeiterin Regina Vossenkaul
    
    

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