aktualisiert: 17.06.2009 17:49 Uhr
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Rhönkauz: Tansania statt Franken
Der Rhönkauz ist recht eigentlich ein heimatloser Geselle. Mal fliegt er an die Gestade der Streu, dann treibt ihn sein flatterhaftes Wesen an die Lauer.
Oft aber lockt ihn ein wundersames Sehnen in die Stille des Salzforstes, wo nur ab und an das rachitische Schnaufen sich selbst überschätzender Mountainbiker die Ruhe an der Karlshütte stört.
So frei und unbeheimatet ist der Rhönkauz, dass er nicht einmal weiß, ob er sich zu den Franken rechnen soll, diesem stolzen Stamm, dessen tüchtigste Vertreter auch im Salzforst leben.
Letzthin ist der Rhönkauz ausgeflogen, um im Zeitungsshop seines eigenen Brötchengebers einige Devotionalien fränkischen Selbstbewusstseins zu erschnappen. Zwei Blech-Postkarten mit der Aufschrift „Frei statt Bayern – Franken“ sollte der Rhönkauz einem Schmalwasserer Freiheitskämpfer mitbringen.
Im Main-Post-Laden erblickte der Rhönkauz ein Baby-Lätzchen, ein vollendetes Beispiel seiner Gattung: Rot-Weiß wie Franken, also auch Rot-Weiß wie Ketchup und Mayonnaise.
Unter einer Franken-Flagge stand stand „Klöß' - sonst nix!“ So ein Lätzchen musste das Rhönkauz-Küken haben! Jetzt war es da, das Gefühl von Stammes-Stolz, es schwellte die Rhönkauz-Brust, dass sich die Federn spreizten.
Der Rhönkauz war sich sicher, dass dieses Meisterwerk der Lätzchen-Nähkunst in einer Halle der Münnerstädter Kleiderfabrik entsteht, zumindest aber im Sandberger Bekleidungswerk, unter feinsinniger Fränkinnen-Hand. Auf dem Franken-Lätzchen-Etikett jedoch stand „Made in Tanzania“.
In nächster Zeit wird der Rhönkauz nicht im stillen Salzforst zu finden sein. Frei wie ein Franke überwindet er alle Grenzen und fliegt geradewegs nach Afrika. Er will unbedingt wissen, was „Kloß“ in der Bantu-Sprache heißt.

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