publiziert: 09.02.2010 17:19 Uhr
aktualisiert: 10.02.2010 14:37 Uhr
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Siemens: Region geht aus Protest auf die Straße

Polizei rechnet mit 5000 Demonstranten

Bad Neustadt soll aus allen Nähten platzen. So der Plan der IG-Metaller, die zur Großdemonstration gegen den Stellenabbau bei Siemens aufgerufen haben. Mit etwa 5000 Demonstranten rechnet die Polizei Bad Neustadt an diesem Mittwoch ab 13 Uhr auf dem Bad Neustädter Marktplatz.

  • Rhön-Grabfeld trillert: Richtig viel Lärm will die Region bei der Demonstration machen.
    Foto: Hubert Herbert
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Betriebsratsvorsitzender Bernhard Omert spricht sogar von 5000 bis 10 000 Menschen, die kommen könnten. In der Region laufen in den Tagen und Stunden vor der Demo die Vorbereitungen auf Hochtouren. Über 2000 Flyer und 3000 Buttons hat die IG Metall bereits verteilt, 500 Demo-T-Shirts gedruckt.

    
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Doch nicht nur die Gewerkschaften werben massiv für eine Teilnahme an der Demonstration, auch das Landratsamt und die Stadt Bad Neustadt schließen ihre Verwaltungen, damit die Mitarbeiter die Möglichkeit haben, an der Demonstration teilzunehmen.

Für den Besuch der Kundgebung machen sich zudem auch die Kirchen stark: Die katholischen Dekane Bernold Rauch, Gerhard Wissmüller und Thomas Keßler aus den Landkreisen Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen und der evangelische Dekan Gerhard Hausmann aus Bad Neustadt wollen dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Peter Löscher am Tag der Demo einen Brief schicken, in dem sie ihn bitten, die angekündigten Schritte zu überdenken.

Viele weitere Gruppen rühren die Werbetrommel: Am Montag wurde der Vorstand des Stadtmarketing Bad Neustadt aktiv und schickte per E-Mail Plakate zum Ausdrucken und Aufhängen an Geschäfte in der Innenstadt. „Aus Solidarität mit den Beschäftigten und auch, um ein wirtschaftliches Ausbluten des Landkreises zu verhindern, schlägt die Vorstandschaft vor, die Geschäfte während der geplanten Großdemonstration von 13 bis 14 Uhr zu schließen und an der Demonstration teilzunehmen.“

Walter Raab, der Vorsitzende des Stadtmarketings, geht davon aus, dass sich der Großteil der angeschriebenen Geschäfte auch beteiligt. Ein Stellenabbau, erklärt er, träfe durch den Wegfall von Kaufkraft mittelbar auch die ganze Geschäftswelt im Landkreis. „Das trifft den Bäcker genauso wie den Fahrradhändler. Wir hängen da alle mit dran“, so Raab.

Auch die Landkreis-Feuerwehren haben bereits im Voraus für die Demo geworben: „Der Stellenabbau ist ein gesellschaftliches Problem, der betrifft die Feuerwehr wie jede andere Gruppe auch“, so Kreisbrandrat Peter Bulheller. „Wenn die Leute abwandern, stehen die auch nicht mehr für den Feuerwehr-Einsatz vor Ort zur Verfügung“, so Bulheller weiter. Dagegen müsse man sich wehren. Viele Siemensianer seien bislang als Feuerwehrleute und Kommandanten aktiv. „Jeder, der kann, sollte zur Demo“, so Bulheller.

Das Kolpingwerk Rhön-Grabfeld bekundet ebenfalls seine Solidarität mit den Siemens-Mitarbeitern. An der Kundgebung wolle man sich mit einem Banner beteiligen, so Vorsitzender Adalbert Katzenberger.

„Löscher, zieh' dich warm an, die Rhöner stehen ihren Mann!“

Siemensianer-Vorschlag für einen Demo-Sprechchor

Auch Schüler werden mit von der Partie sein: Während es für die Gymnasiasten und Wirtschaftsschüler problemlos möglich ist, nach Schulschluss rechtzeitig zu Beginn der Kundgebung zum Marktplatz zu gelangen, könnte das für die Schüler am Schulberg schwierig werden. Das ist auch den Schulleitern bewusst. Wie Peter Lukes, Schulleiter der Werner-von Siemens Realschule auf Anfrage erklärt, dürfen die Realschüler deshalb etwas früher gehen.

Die Bad Neustädter Polizei hat sich auf das Großereignis vorbereitet: Wie Erster Polizeihauptkommissar Heinz Wilm mitteilt, wurden Beamte aus Schweinfurt zur Unterstützung angefordert. Der ganze Marktplatzbereich, ebenso die Spörleinstraße, sollen für den Verkehr gesperrt werden. Allerdings wolle man versuchen, möglichst die Nessi-Buslinien aufrecht zu erhalten.

Die Siemensianer und Sympathisanten selber haben sich unter anderem im Internet organisiert: In der Online-Community „wer-kennt-wen“ (wkw) gibt es zwei Siemens-Gruppen: Die Gruppe „Siemensianer NES – wir kämpfen!“ hat über 660 Mitglieder, die Gruppe „Solidarität für Bad Neustadt“ zählt sogar über 2940 Mitglieder.

In den Foren der wkw-Community sammeln die Nutzer Ideen für die Demo: So werden dort mögliche Bannersprüche und Sprechchöre diskutiert, vorgeschlagen wurden unter anderem „Löscher, zieh dich warm an, die Rhöner stehen ihren Mann!“ und „Löscher, zieh dich warm an, wir kämpfen bis zum letzten Mann!“

„Jeder muss mit – von kleinen Kindern über Schüler bis hin zu Oma und Opa!“, schreibt einer im Forum über die Demo. „Ich befürchte ein Chaos auf dem Marktplatz“, meldet sich ein anderer und fragt nach einem Plan B. „Es gibt noch genug Seitenstraßen, in denen auch noch Platz ist“, antwortet Andreas Hoffmann, Siemensianer, IG-Metall-Vertrauenskörperleiter und Gründer einer der wkw-Gruppen im Internet.

Von unserem Redaktionsmitglied Ines Renninger
    
    

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»Alle 7 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

traktor41 (3 Kommentare) am 10.02.2010 18:00

an steinmarder

ich nehme alles zurück, hab den smiley übersehen.

gruß
(0)
traktor41 (3 Kommentare) am 10.02.2010 12:38

@speeeed

liegt die schuld wirklich am fondsmanager? will denn nicht jeder "kleinaktionär" mehr als 0.5% wachstum seines angelegten Geldes ? erfüllt den der fondsmanager nicht "nur" die ziele seiner kunden, den anlegern? hier platt alle schuld von sich zu weisen ist mehr als kleinkariert!!
alle macht dem volk? oh weh, wie würde das ausgehen? das will ich mir gar nicht ausmalen!!
@steinmarder:
die bürger sollen eine mehrheit der aktien besitzen und dann entscheiden wer geht? wo kann ich die rosa wolke bestellen auf der sie schweben ?
@matze.1:
schutzzoll auf im ausland produzierte ware ?
na dann möchte ich sie mal sehen wenn das t-shirt nicht mehr 10€ sondern 25€ kostet...
(0)
steinmarder (373 Kommentare) am 10.02.2010 09:32

@speeed

dem kann ich mir nur anschliesen!

die bürger müssten es schaffen eine mehrheit von den aktiebesitz zu bekommen grinsen und dann eine vorstandschaftsitzung einberufen und alle unfähigen, faulen, arroganten, gierigen manger die entlassungsurkunde überreicht!

diese gesichter möchte ich sehen! mei wäre das ein fest!
(0)
speeeed (9 Kommentare) am 10.02.2010 09:19

Anders herum wird ein Schuh daraus!

Alle Mitarbeiter sollten Siemens Aktien kaufen und den Vorstand in den A…. treten (alle Macht geht vom Volk aus).
Die waren Abzocker unserer Gesellschaft sind die Hintermänner von Fonts Gesellschaften, diese verwalten die Aktien der kleinen Bürger, üben aber gleichzeitig das alleinige Stimmrecht aus. Für die Vertreter bestimmter Interessensgruppen natürlich ideal!
Fontgesellschaften haben die Macht ohne selbst Geld zu besitzen, eine Strategie die leider immer öfter aufgeht!
(0)
matze.1 (56 Kommentare) am 10.02.2010 09:06

Konzern lahmlegen ist goldrichtig

Alle Siemensleute müßten auf einen Schlag alle Aktien verkaufen und das Weltweit.
Hat keiner mehr Arbeit leben dann alle von Hartz 4 kaufen kann dann auch keiner mehr und wir bekommen Bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, dann gehen wir auf die reichen Leute los die in ihrer maßlosen Profitgier ihre Taschen vollgemacht haben. Und da sollte Löscher und co dabei sein.
Werner von Siemens würde sich im Grabe rumdrehen wenn er mitbekommen wie sich Löscher und co einer sozialen Verantwortung entziehen und die Region ausbluten lassen.
Würde das jede Firma so machen sind wir alle Hartz 4 und wer soll dann die im Ausland produzierten Produkte kaufen? Die Politiker labern doch auch nur rum, stellen sich in die Öffentlichkeit und machen tolle Reden steigen wieder ins Auto und wir sind vergessen.
Die Gesetze gehören geändert.
zum ersten, jede Firma die im Ausland produziert soll das produzierte auch dort verkaufen, ansonsten Schutzzoll und zum zweiten gehört das zum ersten ab sofort in Kraft geht.
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