publiziert: 01.07.2010 14:52 Uhr
aktualisiert: 01.07.2010 17:41 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WEIMARSCHMIEDEN
Sonja Heinemann ist die nördlichste Imkerin Bayerns

Imkerin Sonja Heinemann im Fernsehen – Tag der Imker in Bad Neustadt
  • Sicher ist sicher: Zwar hat Sonja Heinemann schon viel Erfahrung mit Bienen, gegen Stiche trägt sie lieber doch Handschuhe.
    Foto: Eckhard Heise
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Sonja Heinemann schmunzelt etwas darüber, dass sie sich für einen Beitrag beim Bayerischen Rundfunk mit dem Titel der „nördlichsten Imkerin Bayerns“ empfohlen hat. Aber es nützte etwas. An diesem Freitagabend wird über sie in der Sendung „Unser Land“ berichtet. Sie macht das nicht, um sich darzustellen, wie sie versichert. Ihr gehe es allein um die Bienen und den Deutschen Imkertag am Wochenende, der auf dem Marktplatz in Bad Neustadt mit viel Aufwand begangen wird.

Wahrscheinlich treffen auf Sonja Heinemann als Imkerin noch mehr Attribute zu: In einer Männerdomäne ist eine Frau ungewöhnlich; meist wird die Imkerei von älteren Herren betrieben – sie ist gerade 38 Jahre alt und bereits Vorsitzende des Kreisverbands der Imker in Rhön-Grabfeld. Dabei hat sie sich nicht etwa, wie zu vermuten ist, seit Kindesbeinen mit den kleinen Honigproduzenten beschäftigt, sondern ist erst vor vier Jahren in die Imkerei eingestiegen – dafür aber mit großer Hingabe.

Wie der Vater, so die Tochter

Für sie war es am Anfang allerdings nichts weiter als die Übernahme eines Hobbys von ihrem Vater. Der musste aus gesundheitlichen Gründen Vater die Imkerei aufgeben, die er über 20 Jahre betrieben hat. „Wie selbstverständlich“ habe sie sich bereit erklärt, weiterzumachen, „dabei hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung“.

Durch Fachlektüre und Besuche von Seminaren habe sie sich in das Thema eingearbeitet. Besonders behilflich war ihr dabei ihr „Imkerpate“ aus Nordheim, dem sie bei der Arbeit über die Schultern schauen konnte und der ihr jederzeit mit Ratschlägen zur Seite steht. Rasch habe sie sich begeistert für die Bienenzucht und ist nach wie vor fasziniert, welche Bedeutung das kleine Insekt für die Natur und den Menschen hat.

„Stirbt die Biene, stirbt der Mensch“, heißt es. Das ist nicht etwa ein düster klingender Werbespruch, sondern eine unumstößliche Tatsache, die die Bedeutung der Biene für das Leben hervorhebt. „Bienen sind für die Bestäubung etwa eines Drittels unserer Lebensmittel verantwortlich“, erinnert sie an die Funktion der Biene in der Natur und Landwirtschaft. Dieses Umstands seien sich aber nur wenige bewusst. Besorgniserregend findet sie daher die Entwicklung, dass sich die Zahl der Bienenvölker in 20 Jahren nahezu halbiert hat.

Sie selbst besitzt zurzeit 19 Völker. Sie hatte Glück und konnte die Tiere gut über den Winter bringen. Überhaupt findet sie in Weimarschmieden gute Bedingungen vor. Etwa, dass der Landwirt, der in der Nähe ihrer Bienenkästen Felder bewirtschaftet, sehr verständnisvoll sei und sich beim Spritzen an den Bedürfnissen der Bienen orientiert.

Erfolgreich gegen Varroamilbe

Auch die Bekämpfung der Varroamilbe, dem schlimmsten Feind der Honigbiene, kann sie hier erfolgreich praktizieren, da sie die einzige Imkerin im Ort ist. So ist eine gegenseitige Ansteckung ausgeschlossen. Ebenso habe sie nichts mit Gen-Mais zu tun, was zunehmend als Problem betrachtet wird, da beim Anbau Spritzmittel eingesetzt werden, die für Bienen absolut schädlich seien.

Dafür hat sie eins: Arbeit. Gerade in der Bienensaison, die im Mai bis Juni beginnt, ist sie praktisch täglich unterwegs. Sie schaut, ob vor Beginn der Saison noch genug Futter vorhanden ist, ob mit der Königin alles in Ordnung ist, sie pflegt die Umgebung der Kästen und erntet schließlich zweimal pro Saison Honig.

Rund 30 Kilogramm kann ein Volk in einem Jahr produzieren. Welche Leistung das verlangt, verdeutlicht eine Rechnung, nach der ein Volk für die Herstellung von 500 Gramm Honig dreimal die Erde umrunden soll.

Nicht nur diese Leistung bewundert die junge Frau bei den fleißigen Bienchen. Sie räumt aber lachend ein, dass sie pro Saison auch etwa zehnmal gestochen wird. Bienen seien höchst interessante Lebewesen. Sie erinnert dazu an die strenge Aufgabenverteilung in einem Volk mit zum Beispiel Arbeitern, Wächtern und Futterbeschaffern. Oder die Kommunikation: Wie Bienen durch Tanz genau den Standort von Futterquellen an ihre Mitbewohner weitergeben.

Diese Eigenschaften und den Nutzen von Bienen möchte Sonja Heinemann auch am Sonntag beim Tag der Imker in Bad Neustadt den Besuchern bewusst machen. Daher ist auch mit großem Aufwand das Ereignis vorbereitet worden. 14 Stände sind aufgebaut, alle rund um die Themen Bienen und Honig. Sogar Live-Kochen ist dabei, Attraktionen für Kinder, ein lebendiges Bienenhaus ist zu sehen. Als Einstimmung darauf ist an diesem Freitagabend erst einmal der Beitrag über Sonja Heinemann ab 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen.

Von unserem Mitarbeiter Eckhard Heise
    
    

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