publiziert: 11.06.2010 16:35 Uhr
aktualisiert: 11.06.2010 16:42 Uhr
» zur Übersicht Mellrichstadt
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text MELLRICHSTADT
Stolpersteine in Mellrichstadt

Stadtrat stimmt privat finanziertem Vorhaben zu

(sto) Im Bewusstsein seiner moralisch-ethischen Verantwortung gegenüber den ermordeten Opfern des Dritten Reiches hat der Stadtrat dem Antrag von Alfred Grün (Al Green), vor dem ehemaligen Wohnhaus seiner Großeltern sogenannte Stolpersteine legen zu dürfen, „grundsätzlich und vorbehaltlos stattgegeben“. Unter diesem Kontext hat Bürgermeister Eberhard Streit das Ergebnis aus der nichtöffentlichen Sitzung – „um offen und unvoreingenommen ein sensibles Thema diskutieren zu können“, so die Begründung – in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Der aus Mellrichstadt stammende Amerikaner Al Green hatte im Mai 2004 bereits das Mahnmal zur Erinnerung an die jüdische Bevölkerung Mellrichstadts in der Grünanlage an der Straße „Am See“ gestiftet.

Der Stadtrat hat weiter festgelegt, dass alle späteren gleichlautenden Anträge in gleicher Weise behandelt werden. Laut einer der Stadt vorliegenden Liste sind 37 ehemalige jüdische Mitbürger bekannt, deren selbst gewählter Wohnsitz vor der Deportation Mellrichstadt war. Es haben aber wegen Repressalien des NS-Regimes etliche jüdische Bürger Mellrichstadt verlassen und wurden später von den neuen Wohnorten aus deportiert. Jene Bürger sind auf dieser Liste nicht erfasst.

Die Stadt ist sich ihrer moralischen Verpflichtung zur Vergangenheitsbewältigung bewusst, so macht der Bürgermeister deutlich, was sich in vielfacher Form zeigt: • bei der Pflege des jüdischen Friedhofs und des Denkmals an der Straße am See; • am Hinweis auf die Synagoge in Mellrichstadt durch ein Erinnerungsschild am ehemaligen Standort des Gebäudes; • an den Schulen wird die Jugend zum Thema „Jüdische Mitbürger in Mellrichstadt“ durch relevante Arbeitsthemen aufgefordert, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und wird so aktiv einbezogen.

All diese Zeichen einer aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Stadt dienen der Erinnerung, der Ehrung und der Mahnung, schließt Streit die Pressemitteilung ab.

„Stolpersteine“ ist ein Kunstprojekt für Europa von Günter Demnig. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Auf den Steinen steht „Hier wohnte . . .“ geschrieben. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Günter Demnig.

Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Info@stolpersteine.com

    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
Anzeige
    

1200 Jahre Oberelsbach 

EIn Markt und seine Geschichte
Das Dorf in der Rhön weist viele Besonderheiten auf. Wir stellen sie vor. »mehr
    
    

40 Jahre Landkreis Rhön-Grabfeld 

Aus drei mach' eins
Königshofen, Mellrichstadt und Bad Neustadt wuchsen vor 40 Jahren zusammen. »mehr
    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Rückblende 

Blick in die Vergangenheit
Was bestimmte die Schlagzeilen vor 60, 80 und 90 Jahren im Grabfeld? »mehr
    
    

Ausflugstipps für die Rhön 

Geschichten und Fotos
Die Bayerische Rhön: Ob Tagesausflug oder Urlaub - Die Rhön ist immer eine Reise wert. »mehr