aktualisiert: 11.06.2010 16:42 Uhr
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MELLRICHSTADT
Stolpersteine in Mellrichstadt
Stadtrat stimmt privat finanziertem Vorhaben zu
(sto) Im Bewusstsein seiner moralisch-ethischen Verantwortung gegenüber den ermordeten Opfern des Dritten Reiches hat der Stadtrat dem Antrag von Alfred Grün (Al Green), vor dem ehemaligen Wohnhaus seiner Großeltern sogenannte Stolpersteine legen zu dürfen, „grundsätzlich und vorbehaltlos stattgegeben“. Unter diesem Kontext hat Bürgermeister Eberhard Streit das Ergebnis aus der nichtöffentlichen Sitzung – „um offen und unvoreingenommen ein sensibles Thema diskutieren zu können“, so die Begründung – in einer Pressemitteilung zusammengefasst. Der aus Mellrichstadt stammende Amerikaner Al Green hatte im Mai 2004 bereits das Mahnmal zur Erinnerung an die jüdische Bevölkerung Mellrichstadts in der Grünanlage an der Straße „Am See“ gestiftet.
Der Stadtrat hat weiter festgelegt, dass alle späteren gleichlautenden Anträge in gleicher Weise behandelt werden. Laut einer der Stadt vorliegenden Liste sind 37 ehemalige jüdische Mitbürger bekannt, deren selbst gewählter Wohnsitz vor der Deportation Mellrichstadt war. Es haben aber wegen Repressalien des NS-Regimes etliche jüdische Bürger Mellrichstadt verlassen und wurden später von den neuen Wohnorten aus deportiert. Jene Bürger sind auf dieser Liste nicht erfasst.
Die Stadt ist sich ihrer moralischen Verpflichtung zur Vergangenheitsbewältigung bewusst, so macht der Bürgermeister deutlich, was sich in vielfacher Form zeigt: • bei der Pflege des jüdischen Friedhofs und des Denkmals an der Straße am See; • am Hinweis auf die Synagoge in Mellrichstadt durch ein Erinnerungsschild am ehemaligen Standort des Gebäudes; • an den Schulen wird die Jugend zum Thema „Jüdische Mitbürger in Mellrichstadt“ durch relevante Arbeitsthemen aufgefordert, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und wird so aktiv einbezogen.
All diese Zeichen einer aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Stadt dienen der Erinnerung, der Ehrung und der Mahnung, schließt Streit die Pressemitteilung ab.
„Stolpersteine“ ist ein Kunstprojekt für Europa von Günter Demnig. Der Künstler erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbst gewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Auf den Steinen steht „Hier wohnte . . .“ geschrieben. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Günter Demnig.
Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Info@stolpersteine.com

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