publiziert: 26.03.2009 12:43 Uhr
aktualisiert: 26.03.2009 15:56 Uhr
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Wenn Mikrowellen die Zellen krank machen

Hans Schmelzer informierte über die Gefahren durch Strahlenbelastung
  • Hans Schmelzer (links), hier im Gespräch mit interessierten Zuhörern wie Aubstadts Pfarrer Helmut Bär (Mitte) ist durch eigene Betroffenheit zum Mobilfunk-Experten geworden. Der ehemalige Schulleiter ist schwer erkrankt und setzt sich für mehr Aufklärung ein.
    FOTO Regina Vossenkaul
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(reg) „Aufklärung über die Wirkung von Mobilfunk, kabellosen Funkverbindungen, Radar und Mikrowellen auf den menschlichen Körper gibt es viel zu wenig“, meint Hans Schmelzer. Sogar Politiker, die Entscheidungen treffen, wissen meist nur wenig darüber. Der ehemalige Schulleiter und Lehrer in Helmstadt und Kleinrinderfeld ist aus der Not heraus zum Experten geworden: Seine Frau starb an Krebs, er selbst ist ebenfalls erkrankt. Auf Einladung von Hiltrud Ramsauer (Bad Königshofen) hielt er einen Vortrag im kleinen Kursaal der FrankenTherme und beantwortete die Fragen des Publikums.

Zunächst berichtete Hiltrud Ramsauer von ihrer eigenen Lebenssituation. Auf den Mobilfunksender in der Nähe ihres Hauses führt sie ihre körperlichen Beschwerden, wie Bluthochdruck und Schlafstörungen zurück (wir berichteten). Sobald sie an einen Ort ohne Strahlenbelastung fahre gehe es ihr gut. Sie lebt jetzt im Keller ihres Hauses, in einem relativ strahlenunbelasteten Raum, und hat beschlossen, ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit einzufordern. Rund 200 Briefe an Politiker und Institutionen haben sie und ihr Mann geschrieben, die Resonanz war minimal.

„Ungefähr zehn Prozent der Bevölkerung hat Elektrosensibilität“, bestätigte Hans Schmelzer. Viele Menschen bemerken zunächst nichts, können aber nach einigen Jahren Symptome zeigen, wenn sie oft elektromagnetischen Strahlen mit hoher Frequenz (Mikrowellen) ausgesetzt sind. Besonders gepulste Mikrowellen, wie sie für Handys genutzt werden, erwiesen sich als schädlich für die Organismen. Das bestätigen laut Schmelzer viele seriöse Wissenschaftler.

Die individuelle Strahlenbelastung eines Menschen könne man unter anderem an einem niedrigeren Melatoninwert nachweisen, berichtete Schmelzer. Das Hormon sorge für guten Schlaf und wirke stimulierend auf das Immunsystem. Handywellen verändern außerdem Gehirnströme und die Kommunikation der Zellen untereinander, hätten Untersuchungen inzwischen bewiesen. Besonders bei Kindern registriere man körperliche Reaktionen, denn ihre Schädelknochen sind durchlässiger, deshalb dringen die Mikrowellen leichter ins Gehirn vor. Das könne Allergien, Hyperaktivität, Verhaltensauffälligkeiten und schlechte schulische Leistungen verursachen. Seine persönliche Betroffenheit hat aus Schmelzer einen Experten gemacht, der kritische Stimmen von Wissenschaftlern gesammelt hat, darunter Gutachter, die von Funkmast-Betreiben beauftragt worden waren und die nicht das vom Unternehmen erwünschte Ergebnis bringen konnten. In Helmstadt bei Würzburg, in der Nähe der Autobahn, lebt Schmelzer, dort befindet sich seit 1996 ein reich bestückter Turm mit rund 60 Richtfunkantennen und Mobilfunksendern. Die Strahlung gehe hauptsächlich zur Autobahn, ein Teil in den Ort. Auffällig seien die sich häufenden Krebsfälle in Helmstadt (dreifach über dem Durchschnitt) seit dem Bau des Turmes.

Entsprechend der Strahlrichtungen treten die Krebsfälle auf, hat der Witwer dokumentiert. Bisweilen gebt es sogar mehrere Krebsfälle in einem Haus. Mitten im Ort, wo weniger Strahlung landet, gebe es keine Krebserkrankungen.

Der Aufklärung hat sich Schmelzer verschrieben. Er hofft, dass sich mehr Menschen gegen den „Großversuch“ wehren. Auch wenn es angeblich keine gesicherten Beweise für die Gefährlichkeit der Strahlen gebe, wie Befürworter behaupten, müsste der Zweifel genügen, auf andere Kommunikationswege umzusteigen. Für die Geschäfte der Telekommunikationsfirmen, die mitten in Wohngebieten Sendestationen errichten dürfen, sollten keine Menschenleben geopfert werden. Der Hinweis auf Einhaltung der Grenzwerte sei unzureichend, so Schmelzer. Die seien vor vielen Jahren, als man nicht viel über die Strahlen wusste, festgelegt worden und viel zu hoch.

Wie kann man sich wehren? Auf diese Frage gibt es kaum Antworten. Bürger hätten sich in Wollbach auch gegen einen Sender im Ort gewehrt, berichtete eine Zuhörerin. „Wir haben uns auf die Straße gesetzt und sind weggetragen worden, es war alles vergebens.“

Schmelzer riet den Zuhörern, sich möglichst keiner unnötigen Strahlung auszusetzen, das heißt, keine Mikrowelle benutzen, keine Funkmaus- oder Tastatur, kein schnurloses Telefon, kein Handy, kein Babyphon. Auch die Bundesärztekammer hat gefordert: „Es gibt gewichtige Hinweise auf Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Die Behörden werden von uns aufgefordert, sich mit den wissenschaftlichen Ergebnissen, und es handelt sich um seriöse Forschungen, auseinander zu setzen.“

    
    

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