publiziert: 26.08.2010 18:26 Uhr
aktualisiert: 26.08.2010 18:29 Uhr
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Durch die Sinne zum Sinn

Joachim Weichert, der Mann von Zeitlofser Pfarrerin, gestaltet den Pfarrgarten zu einem Bibelgarten um
  • Grünes aus dem Buch der Bücher: Joachim Weichert legt in Zeitlofs einen Bibelgarten an.
    Foto: Eva Schüler
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Wer an biblische Texte denkt, denkt vermutlich nicht automatisch auch an die darin erwähnte Botanik. Beim genaueren Hinsehen stellt man jedoch fest: Die heilige Schrift erwähnt zahlreiche Sträucher, Kräuter und Nutzpflanzen. Wenn man durch den Garten von Joachim Weichert streift, trifft man auf eine Vielzahl von ihnen.

Der passionierte Gärtner und Ehemann von Pfarrerin Barbara Weichert aus Zeitlofs gestaltet den Pfarrgarten nämlich gerade zu einem so genannten Bibelgarten um. Neben dem schon lange gewachsenen Nuss- und dem Apfelbaum sind in den letzten beiden Jahren aus diesem Grund noch eine ganze Reihe von in der Bibel erwähnten Pflanzen hinzugekommen.

Namensschild mit Bibelstelle

Jedes Gewächs ist mit einem sorgsam gemalten weißen Namenstäfelchen versehen. Darunter hat Weichert die Bibelstelle notiert, an der die jeweilige Pflanze genannt wurde. „Angefangen vom Garten Eden bis zu Gethsemane spielten Gärten und Pflanzen seit jeher eine wichtige Rolle“, erklärt Weichert.

In Bibelgärten sollen die Besucher die Möglichkeit bekommen, einen neuen Zugang zu den religiösen Texten zu bekommen. „Durch die Sinne zum Sinn“ laute das Motto. Über das Anfassen und Beschnuppern der Kräuter, das Riechen des Dufts der Rosen oder auch das Schmecken der Pfefferkörner lasse sich der biblische Sinn durch die eigenen Sinne noch einmal neu erfahren.

„Es gibt einem zum Beispiel ein völlig neues Gefühl für die Dimension, wenn man das Gleichnis vom Senfkorn in Erinnerung hat und gleichzeitig diese winzig kleinen Senfkörner in der Hand hält,“ so Weichert. Wie tückisch der Christusdorn mit seinen auf den ersten Blick kaum sichtbaren Dornen sein kann, werde einem ebenfalls bewusst.

Insgesamt 40 biblische Pflanzensorten hat Weichert bereits gesammelt. Viele davon sind namentlich in der Bibel erwähnt wie der Nussbaum oder die Weinreben, die sich am Pfarrhaus entlang ranken.

Andere kommen nur indirekt vor. So spricht ein Gleichnis von einem giftigen Unkraut, das man erst kurz vor der Ernte vom Getreide unterscheiden kann. Rupft man es zu früh heraus, fälle man möglicherweise ein falsches Urteil. Ebenso wie es einem bei voreiligen Urteilen über Mitmenschen passieren könne. In Weicherts Bibelgarten zeigt sich: der Taumellolch, direkt neben zwei Urweizen-Sorten gepflanzt, könnte tatsächlich als Getreide durchgehen.

Zu den in der heiligen Schrift erwähnten Pflanzen, kommen eine ganze Reihe von Gewächsen, die einen mythologischen oder namentlichen Bezug zum Christentum aufweisen: wie Judastaler, Aronstab oder Gänseblümchen, das in manchen Dialekten als Blume der Maria gilt.

Nach und nach möchte Weichert die Vielfalt noch erweitern. Seine Bezugsquellen sind dabei häufig andere deutsche Bibelgärtner. So hat Weichert, als er vor zwei Jahren die Idee zu einem solchen Garten hatte, schnell feststellen müssen, dass er nicht alleine ist. Unter dem Suchbegriff Bibelgarten fanden er zahlreiche Belege. Darunter auch Hinweise auf eine junge Vikarin, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit sämtliche deutschen Bibelgärten katalogisiert hatte und Treffen der Besitzer organisiert, bei denen Erfahrungen und Saatgut ausgetauscht werden.

Einladung in den Garten

Weicherts nächstes Ziel ist es, die Pflanzen systematisch zu ordnen, „zum Beispiel nach ihren Herkunftsregionen oder auch den zugehörigen Gleichnissen“. Neben den Namensschildern möchte er weitere Informationen über den Garten, die Gewächse aber auch die Geschichten dahinter zusammenstellen. Auch wenn er noch etwas Arbeit vor sich hat, freut er sich über Interessenten oder Helfer: „Es ist als Projekt und als Einladung für die Gemeinde und die Menschen hier gedacht.“

Von unserer Mitarbeiterin Eva Schüler
    
    

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