publiziert: 07.11.2008 17:48 Uhr
aktualisiert: 07.11.2008 17:53 Uhr
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Schlammschlacht auf dem Hochrhöner

Desolater Premium-Wanderweg bei Langenleiten – Forstbetrieb Bad Brückenau verteidigt Arbeiten
  • Premium ist was anderes: Wer derzeit ein Teilstück des Hochrhöners unterhalb des Kreuzbergs begeht, sollte wasserdichte Stiefel tragen. Schuld sind rücksichtslose Abholzungsarbeiten.
    FOTO B. Hippeli
  • Tief gesunken: Jagdpächter Rainer Arnold, Ortsbeauftragter Edgar Kessler und Vertreter des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer machten sich ein Bild vom Zustand des Hochrhöners.
    FOTO Barbara Hippeli
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Bad Brückenau/ Langenleiten

(bab/fg)

„Guckt euch mal den alten Guckasweg an – aber nehmt Gummistiefel mit!“ Mit seiner Aufforderung brachte Jagdpächter Rainer Arnold bei der Bürgerversammlung in Langenleiten den Stein ins Rollen: Der Premium-Wanderweg Hochrhöner gleicht dort einem Schlachtfeld.

Der alte Wallweg von Langenleiten zum Kreuzberg, der vor einigen Jahren vom Rhönklub-Zweigverein Walddörfer als Wanderweg zum Kreuzberg wieder hergerichtet und markiert wurde und der inzwischen auch Bestandteil des Jakobuswegs und des Hochrhöners ist, befindet sich auf einem rund 800 bis 1000 Meter langen Abschnitt in einem katastrophalen Zustand.

„Was da hinten drin läuft, das ist ein Hammer!“ Mit drastischen Worten hatte Rainer Arnold in der Bürgerversammlung die Situation geschildert. Vertreter des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer und der Gemeinde reagierten prompt und machten sich gleich am nächsten Tag – geführt von Arnold – ein Bild von der Lage.

Beim Ortstermin waren sie sprachlos und entsetzt. „Dass es so schlimm aussieht, hab' ich nicht gedacht“, kommentierte Ortsbeauftragter Edgar Kessler, nach den ersten Metern, die die Gruppe mit Gummistiefeln durch den Schlamm gewatet war, den trostlosen Zustand. Von einem Weg konnte man da nicht mehr sprechen.

Die sieben Kilometer lange Wanderstrecke zwischen Langenleiten und dem Kreuzberg, die Bestandteil des Hochrhöners und des Jakobuswegs von Fulda nach Schweinfurt ist, hat zumindest in diesem Abschnitt ihre Funktion als idyllischer Wanderweg verloren. Der Weg hat sich ungefähr drei Kilometer nach Langenleiten, wo sich Arnolds Jagdrevier am Reidelberg befindet, in eine Matsch- und Morasttrasse verwandelt. Hier ist auch für das Allradfahrzeug des Jägers kein Durchkommen mehr, geschweige denn für Wanderer oder Fahrradfahrer. Sie bleiben gnadenlos stecken.

Wer, entweder von Langenleiten oder vom Kreuzberg kommend, schon bis hierher gelaufen ist, dem bleiben nur zwei Alternativen: entweder wieder umkehren oder sich, im wahrsten Sinne des Wortes, irgendwie durch die Büsche schlagen.

Wie Rainer Arnold berichtet, wird seit etwa vier Wochen hier im Staatsforst – im Auftrag des Forstbetriebs Bad Brückenau – vom Borkenkäfer befallenes Fichtenholz geschlagen. Nicht das Holzmachen sei das Problem, sondern die Holzabfuhr mit schwerem Fahrzeug auf dem feuchten Waldboden.

„Was da hinten drin läuft, das ist ein Hammer!“

Rainer Arnold Jagdpächter

Tiefe Spuren mit Matsch, Schlamm, Pfützen und Wasserlöchern, in denen man fast knietief einsinkt, machen den Weg weder begeh- noch befahrbar. Dem Unternehmer, der hier im Auftrag des Forstbetriebs arbeite, könne man keinen Vorwurf machen. Er sei an den vorgegebenen Abfuhrtermin gebunden, sagen die Männer.

Es müsste aber jedem normal Denkenden einleuchten, dass schwer beladene Fahrzeuge bei dieser Jahreszeit entsprechend tief einsinken und gravierende Schäden hinterlassen, empören sie sich. Arnold hat derzeit keine Chance, mit seinem Geländewagen zum Hochsitz zu kommen. Er benutzt einen schmalen Pirschpfad.

Böse Überraschung für Ausflügler

Es sei unverantwortlich, fremde Ausflügler, die sich an der Wegemarkierung orientieren müssen, nicht schon am Kreuzberg oder in Langenleiten zu warnen, sondern sie mehrere Kilometer laufen zu lassen und sie dann mitten im Wald vor vollendete Tatsachen zu stellen, empört sich Arnold.

Tatsächlich: Wer hier mit Wander- oder Turnschuhen unterwegs ist und versucht, im Randbereich den Schlammweg zu umgehen, versinkt trotzdem nach wenigen Schritten im nassen Waldboden. Er habe schon etliche Wanderer hier fluchend und ratlos angetroffen, berichtet der Jäger. Auch wenn das Kloster Kreuzberg zurzeit geschlossen habe, seien hier noch Wanderer – „manchmal ganze Gruppen mit 10 bis 20 Personen“ – unterwegs. Dem Vernehmen nach gingen auch im Dorfgasthaus „Zur Linde“ schon Beschwerden von Wanderern ein.

„Wir sind doch nicht beim Bund!“, entrüstet sich Rudolf Glinka, Vorsitzender des Rhönklub-Zweigvereins Walddörfer, der mit Wegewart Horst Hildmann ebenso fassungslos vor dem einst so idyllischen Waldweg steht. Der Hochrhöner sei ja gerade wegen seiner naturbelassenen Wege vom Deutschen Wanderinstitut mit hoher Punktzahl ausgezeichnet worden, erinnern Glinka und Hildmann.

Für den Deutschen Wandertag im Juli 2008 habe der Verein den Weg eigens noch mal in Ordnung gebracht, ausgeschnitten, neu ausgezeichnet, um bei den Wandergästen einen guten Eindruck zu hinterlassen. „Und jetzt dieser Saustall!“ Glinka fehlen die Worte. Er empfindet das Verhalten der Forstbehörde als Ohrfeige für die Arbeit der Wegewarte und für den Rhönklub.

Kein Durchkommen für Retter

Das Verhalten der Bayerischen Staatsforsten passe auch nicht mit den Zielen des Biosphärenreservats und mit den Bestrebungen, den Tourismus in der Rhön zu fördern, zusammen, moniert Glinka. „Ein Wanderer, der hier herkommt und die Rhön in diesem Zustand erlebt, der kommt nicht mehr – und rät auch jedem anderen von diesem Gebiet ab.“ „Den Staat juckt der Rhönklub gar nicht, der Staatsforst hat Priorität, die wollen uns am liebsten aus dem Wald draußen haben!“, sagt Glinka.

Er macht auch auf ein weiteres Problem aufmerksam. Sollte auf diesem Abschnitt ein Unfall passieren, gibt es für Rettungsfahrzeuge kein Durchkommen. Bei einem Ernstfall müssten sich Hilfskräfte durch das Dickicht einen Weg freischlagen oder per Hubschrauber eingesetzt werden.

Glinka kritisierte den Holzeinschlag am Reidelberg auch wegen des Zeitpunkts. Das vom Borkenkäfer befallene Fichtenholz hätte man schon früher beseitigen müssen. „Normalerweise macht man das nicht in dieser Jahreszeit, aber der Vater Staat macht das, wann er Lust dazu hat“, monierte er.

„Es war Gefahr im Verzug. Aber wir haben der Wanderer wegen bis jetzt gewartet“

Wolfram Zeller Leiter Forstbetrieb Bad Brückenau

Die Männer wollen nun mit dem Forstbetrieb Bad Brückenau, mit Rhönklub-Präsidentin Regina Rinke, mit dem Koordinator des Hochrhöners, Thomas Lemke und der Bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats einen Ortstermin vereinbaren.

Forstbetrieb verteidigt Arbeiten

Wolfram Zeller, Leiter des zuständigen Forstbetriebs Bad Brückenau, lässt die massive Kritik nicht gelten. „Wir haben hier ein gewaltiges Borkenkäferproblem, wir mussten tätig werden“, rechtfertigt er die Arbeiten gegenüber der Main-Post. „Es war Gefahr im Verzug“, so der Forstmann. Man habe extra den Spätherbst abgewartet, um im Sommer keine Wanderer zu stören.

„Aber die Quadratur des Kreises schaffen wir nicht“. Dass ausgerechnet die Trasse des Hochrhöner in Mitleidenschaft gezogen wurde, liege in der Natur der Sache. „Premiumwege verlaufen eben nicht auf Schotterwegen, sondern in der Natur. Aber genau da müssen wir fällen“, bittet Zeller um Verständnis.

Die Bayerischen Staatsforsten könnten nicht immer zum Buhmann gemacht werden. Man habe sich bemüht, nach Möglichkeit händisch zu arbeiten, im Gebiet sei nur ein Rückeschlepper eingesetzt worden. „Oft merkt man nach ein paar Monaten nichts mehr. Aber wenn der Weg Schaden genommen hat, werden wir ihn einebnen“, so Zeller weiter, der mit dem Jagdpächter Arnold Kontakt aufnehmen will. Regina Rinke vom Rhönklub sei jedenfalls von der Abholzungsaktion in diesem Bereich informiert worden, schließt Zeller.

    
    

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