publiziert: 19.05.2011 11:41 Uhr
aktualisiert: 21.05.2011 11:41 Uhr
» zur Übersicht Rhön Nachrichten
    
    
Artikel
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text BISCHOFSHEIM
Viecherei auf der grünen Wiese

Diskussion über mögliche Ausweitung der Multispezies-Beweidung am Himmeldunkberg
  • Idyllisches Bild: Ob die sogenannte Multispezies-Beweidung am Himmeldunk ausgeweitet wird, soll demnächst entschieden werden.
    Foto: Jedicke
Bild von

Mit Eseln, Pferden, Ziegen, Ponys und Maultieren beweidet der Frankenheimer Landwirt Paul Schönner schon jetzt knapp 32 Hektar am Himmeldunkberg und nahm mit dieser eher ungewöhnlichen Art der sogenannten „Multispezies-Beweidung“ erfolgreich am Beweidungskonzept der Zoologischen Gesellschaft gegen die drohende Verbuschung der Rhön teil.

Nun steht eine Neuverpachtung von Weideflächen am Himmeldunk, der zu schönsten Bergen der Rhön zählt, an. Damit stellte sich die Frage, in welchem Umfang die ganzjährige Multispezies-Beweidung künftig betrieben werden soll. Soll sie ausgeweitet werden und welche Flächen sollen dann der traditionellen Weideschäferei vorbehalten werden, lauten nun die Fragen.

Zu beantworten sind diese Fragen nicht so einfach, da hier verschiedene Interessen konkurrieren: Zum einen wollen die Wanderschäfer bisher genutzte Flächen nicht aufgeben, zum andern ist das Thema Multispezies-Beweidung gerade am Himmeldung unter Naturschützern umstritten. Und auch die Jäger sehen die großflächigen Einzäunungen mit großer Skepsis.

Besonders die Naturschutzbehörden sehen sie nicht vereinbar mit gewünschten Vergrößerung des Birkhuhnbestands. Die dafür benötigten Zäune und die Weidetiere selbst würden die in der Rhön vom Aussterben bedrohten Vögel stören. Daher pocht der amtliche Naturschutz auf den bestehenden Pflegeplan für diese Flächen.

Pflegeplan ist veraltet

Professor Eckhard Jedicke, der den Bischofsheimer Stadtrat jüngst im Vorfeld der Entscheidung über die Pachtverträge informierte, sah das allerdings anders. Wie er dem Gremium deutlich machte, ist der Pflegeplan veraltet, da darin die neuen Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Multispezies-Beweidung noch nicht berücksichtigt werden konnten.

Jedicke stellte dem Stadtrat vielfältige Vorteile der ganzjährigen Multispezies–Beweidung vor, wie sie sich in den vergangenen Jahren am Himmeldunkberg gezeigt hätten. Auf einer Fläche von 31,8 Hektar würden Pferde, Ponys, Esel, Ziegen und Schafe gehalten. Die kleinteilige Parzellierung sei aufgehoben worden, da es keine Zwischenzäune mehr gebe. Bäume und Baumgruppen dienten den Tieren als Unterstände.

Die Verbuschung, so Jedicke, sei zurückgedrängt worden, wenn auch unter Unterständen auch manuell eingegriffen werden müsse. Es habe sich jedoch bisher gezeigt, dass durch den ständigen Verbiss der Aufwuchs der Hecken gestoppt werde.

Ein weiterer Vorteil der Multispezies-Beweidung sei der Quellenschutz. Es habe sich gezeigt, dass so Quellenbiotope mit einer weithöheren Strukturvielfalt entstanden sind, als bei unbeweideten Flächen.

Vielfalt ist laut Jedicke überhaupt ein Kennzeichen der Multispezies-Weideflächen. So seien zum einen sehr hohe Artenzahlen bei Vögeln registriert worden, zum andern sei die Strukturvielfalt derartiger Weiden enorm. Trotz Beweidung gebe es genügend und vielfältige Vegetation für Insekten, Trittschäden ergäben in geringem Maße offene Stellen, die ebenfalls Lebensräume seien. Freigelegte Steine werden von Reptilien bevorzugt.

Im Vergleich zu Schafweiden seien Multispezies-Weiden wesentlich artenreicher und weitaus weniger verfilzt. Dennoch forderte Jedicke den weiteren Erhalt der traditionellen Schafbeweidung, vielleicht optimiert durch eine Nachbeweidung.

Beweidungsmodell ist ein Erfolg

Insgesamt wertete Jedicke das Beweidungsmodell am Himmeldunk als „großen Erfolg“, was auch von Teilnehmern mehrerer Fachexkursionen so gesehen worden sei. Artenreichtum und Strukturvielfalt bedeuteten einen besseren Naturschutz und eine vielfältigere Kulturlandschaft. Zudem würde die heimische Landwirtschaft unterstützt. Letztlich habe als dies auch positive Auswirkung auf den Tourismus. So böten derartige Weiden und die Tiere darauf ein attraktives Bild, andererseits müssten Wanderwege in diesem Bereich abgezäunt werden.

Entsprechend waren die Empfehlungen des Fachmanns klar: Die Multispezies-Beweidung soll ausgeweitet, die Schafbeweidung aber erhalten bleiben. Die Stadt solle nicht nach dem höchsten Pachtpreis schauen, sondern kleine, örtliche Landwirte stützen. Die Konflikte mit dem amtlichen Naturschutz und den Jägern sollten im Konsens gelöst werden. Die Chancen bewertete er als nicht schlecht, da er die geänderte Beweidungsform nicht als Bedrohung für das Birkwild sah.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Pfeuffer
    
    

Diesen Artikel

  • Webnews einstellen
  • Teilen
Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf mainpost.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
Anzeige
    

Gelesen

 
    

Kommentiert

 
    
Anzeige
    

1200 Jahre Oberelsbach 

EIn Markt und seine Geschichte
Das Dorf in der Rhön weist viele Besonderheiten auf. Wir stellen sie vor. »mehr
    
    

40 Jahre Landkreis Rhön-Grabfeld 

Aus drei mach' eins
Königshofen, Mellrichstadt und Bad Neustadt wuchsen vor 40 Jahren zusammen. »mehr
    
    

Fotografen und ihre Fotos 

Bilder und Eindrücke
Wir stellen ambitionierte Hobbyfotografen aus der Region Main-Rhön vor. »mehr
    
    

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr
    
    

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema.  »mehr
    
    

Recht auf Auskunft 

Kommunalpolitik
Bürger haben ein Recht auf politische Teilhabe und Journalisten ein Recht auf Auskunft. Das mussten auch einige Bürgermeister erst lernen. »mehr
    
    

Rückblende 

Blick in die Vergangenheit
Was bestimmte die Schlagzeilen vor 60, 80 und 90 Jahren im Grabfeld? »mehr
    
    

Ausflugstipps für die Rhön 

Geschichten und Fotos
Die Bayerische Rhön: Ob Tagesausflug oder Urlaub - Die Rhön ist immer eine Reise wert. »mehr