aktualisiert: 21.05.2011 11:41 Uhr
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BISCHOFSHEIM
Viecherei auf der grünen Wiese
Diskussion über mögliche Ausweitung der Multispezies-Beweidung am Himmeldunkberg
Mit Eseln, Pferden, Ziegen, Ponys und Maultieren beweidet der Frankenheimer Landwirt Paul Schönner schon jetzt knapp 32 Hektar am Himmeldunkberg und nahm mit dieser eher ungewöhnlichen Art der sogenannten „Multispezies-Beweidung“ erfolgreich am Beweidungskonzept der Zoologischen Gesellschaft gegen die drohende Verbuschung der Rhön teil.
Nun steht eine Neuverpachtung von Weideflächen am Himmeldunk, der zu schönsten Bergen der Rhön zählt, an. Damit stellte sich die Frage, in welchem Umfang die ganzjährige Multispezies-Beweidung künftig betrieben werden soll. Soll sie ausgeweitet werden und welche Flächen sollen dann der traditionellen Weideschäferei vorbehalten werden, lauten nun die Fragen.
Zu beantworten sind diese Fragen nicht so einfach, da hier verschiedene Interessen konkurrieren: Zum einen wollen die Wanderschäfer bisher genutzte Flächen nicht aufgeben, zum andern ist das Thema Multispezies-Beweidung gerade am Himmeldung unter Naturschützern umstritten. Und auch die Jäger sehen die großflächigen Einzäunungen mit großer Skepsis.
Besonders die Naturschutzbehörden sehen sie nicht vereinbar mit gewünschten Vergrößerung des Birkhuhnbestands. Die dafür benötigten Zäune und die Weidetiere selbst würden die in der Rhön vom Aussterben bedrohten Vögel stören. Daher pocht der amtliche Naturschutz auf den bestehenden Pflegeplan für diese Flächen.
Pflegeplan ist veraltet
Professor Eckhard Jedicke, der den Bischofsheimer Stadtrat jüngst im Vorfeld der Entscheidung über die Pachtverträge informierte, sah das allerdings anders. Wie er dem Gremium deutlich machte, ist der Pflegeplan veraltet, da darin die neuen Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Multispezies-Beweidung noch nicht berücksichtigt werden konnten.
Jedicke stellte dem Stadtrat vielfältige Vorteile der ganzjährigen Multispezies–Beweidung vor, wie sie sich in den vergangenen Jahren am Himmeldunkberg gezeigt hätten. Auf einer Fläche von 31,8 Hektar würden Pferde, Ponys, Esel, Ziegen und Schafe gehalten. Die kleinteilige Parzellierung sei aufgehoben worden, da es keine Zwischenzäune mehr gebe. Bäume und Baumgruppen dienten den Tieren als Unterstände.
Die Verbuschung, so Jedicke, sei zurückgedrängt worden, wenn auch unter Unterständen auch manuell eingegriffen werden müsse. Es habe sich jedoch bisher gezeigt, dass durch den ständigen Verbiss der Aufwuchs der Hecken gestoppt werde.
Ein weiterer Vorteil der Multispezies-Beweidung sei der Quellenschutz. Es habe sich gezeigt, dass so Quellenbiotope mit einer weithöheren Strukturvielfalt entstanden sind, als bei unbeweideten Flächen.
Vielfalt ist laut Jedicke überhaupt ein Kennzeichen der Multispezies-Weideflächen. So seien zum einen sehr hohe Artenzahlen bei Vögeln registriert worden, zum andern sei die Strukturvielfalt derartiger Weiden enorm. Trotz Beweidung gebe es genügend und vielfältige Vegetation für Insekten, Trittschäden ergäben in geringem Maße offene Stellen, die ebenfalls Lebensräume seien. Freigelegte Steine werden von Reptilien bevorzugt.
Im Vergleich zu Schafweiden seien Multispezies-Weiden wesentlich artenreicher und weitaus weniger verfilzt. Dennoch forderte Jedicke den weiteren Erhalt der traditionellen Schafbeweidung, vielleicht optimiert durch eine Nachbeweidung.
Beweidungsmodell ist ein Erfolg
Insgesamt wertete Jedicke das Beweidungsmodell am Himmeldunk als „großen Erfolg“, was auch von Teilnehmern mehrerer Fachexkursionen so gesehen worden sei. Artenreichtum und Strukturvielfalt bedeuteten einen besseren Naturschutz und eine vielfältigere Kulturlandschaft. Zudem würde die heimische Landwirtschaft unterstützt. Letztlich habe als dies auch positive Auswirkung auf den Tourismus. So böten derartige Weiden und die Tiere darauf ein attraktives Bild, andererseits müssten Wanderwege in diesem Bereich abgezäunt werden.
Entsprechend waren die Empfehlungen des Fachmanns klar: Die Multispezies-Beweidung soll ausgeweitet, die Schafbeweidung aber erhalten bleiben. Die Stadt solle nicht nach dem höchsten Pachtpreis schauen, sondern kleine, örtliche Landwirte stützen. Die Konflikte mit dem amtlichen Naturschutz und den Jägern sollten im Konsens gelöst werden. Die Chancen bewertete er als nicht schlecht, da er die geänderte Beweidungsform nicht als Bedrohung für das Birkwild sah.
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