publiziert: 13.06.2011 16:18 Uhr
aktualisiert: 13.06.2011 16:23 Uhr
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„Ansehen der Kirche sinkt immer mehr“

1001-Christenpreis von St. Michael an Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ – Kritische Dialogpredigt
  • 1001-Christenpreis für Mut und Zivilcourage in der Kirche: Preisträger 2011 ist die kritische Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“, deren Vertreter Annegret Laakmann und Magnus Lux (vorne rechts) den Quader von Christof Bretscher (Michaelswerkstatt) entgegennahmen. Dahinter freuen sich im vollen Gotteshaus St. Michael (von links) Diakon Stefan Philipps, Pfarrer Roland Breitenbach und der mittlerweile verheiratete erste Preisträger und Ex-Priester Georg Denzler mit den Preisträgern.
    Foto: Waltraud Fuchs-Mauder
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Für „Mut und Zivilcourage in der Kirche“ ist am Pfingstsonntag die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ mit dem „1001-Christenpreis“ von St. Michael ausgezeichnet worden. Annegret Laakmann und Magnus Lux nahmen den im Zweijahresrhythmus zum sechsten Mal vergegebenen Acrylquader entgegen.

Die 66-jährige Referentin der Kirchenvolksbewegung aus Haltern (Nordrhein-Westfalen) und das Mitglied im „Wir sind Kirche“-Bundesteam aus Schonungen (Landkreis Schweinfurt) bewiesen auch in ihrer Dialogpredigt diesen Mut. Für ihre geharnischte Kritik an der katholischen Kirche ernteten Laakmann und Lux lang anhaltenden Beifall.

Den Gottesdienst feierten Roland Breitenbach und Diakon Stefan Philipps. Sie begleitete der erste 1001-Preisträger (2001) Georg Denzler. Der mittlerweile verheiratete Kirchenhistoriker könne nicht mehr Priester sein, informierte Breitenbach über den dritten Mann beim Einzug ins wieder volle Gotteshaus. „Heute feiert er aber mit uns Gottesdienst und wir zeigen wie das geht.“

Keine Resignation

Provokant auch der Sprecher der Michaelswerkstatt bei der Preisübergabe. Christof Bretscher verglich die katholische Kirche mit einem Regime, die sich in der Regel „immer weiter von der Meinung des Volkes distanzierten“. Die Kirchenvolksbewegung habe aber nicht den Weg der Resignation gewählt, sondern „Widerstand gegen die Administration geleistet“, von der Breitenbach ein Lied zu singen wisse. Die Michaelswerkstatt beschließt die Vergabe. Heuer hat sie sich für Laakmann und Christian Weisner (60) entschieden. Beide sind bei „Wir sind Kirche“ von Anfang dabei. Weisner befand sich in Detroit (USA), wo er die Initiative bei einem Reformtreffen vertrat. „Die sind auch auf dem Weg“, freute sich Bretscher, ehe er den Quader an Laakmann überreichte.

Das Preisgeld von 1001 Euro werde nachgereicht. Der „symbolische Betrag“ steht für diese Anzahl Unterschriften von Gemeindemitgliedern, die so ihre Zustimmung signalisierten und je einen Euro beisteuerten.

„Ich bin dankbar und froh, dass ich hier in St. Michael meine Gedanken äußern darf, an der für die Predigt vorgesehenen Stelle“, sagte Laakmann. Einmal schon habe sie eine Predigt vorbereitet – über Maria von Magdala, Schutzpatronin ihrer Heimatgemeinde. Im letzten Moment habe aber „unser Pfarrer Angst vor den Konsequenzen bekommen“. Laakmann erinnerte an die vielen Menschen, die sich schon vor Jahren in Furcht „um die Früchte des 2. Vatikanischen Konzils“ ihre Kirche erinnerten, dem Evangelium zu folgen, bei den Menschen zu sein, Not zu wenden, die frohe Botschaft zu verkündigen und „vor allen Dingen zu leben“. Doch die Bewahrer, die „das Konzil in ihrem Sinn uminterpretieren und das Rad zurückdrehen wollen, werden immer zahlreicher“. So schwinde bei vielen das Vertrauen in die Kirche immer mehr, das Ansehen der Kirche sinke immer tiefer. Als die Befreiungstheologie zerschlagen, der Aufbruch der Frauen, die Lux feministische Theologie nannte, verunglimpft worden sei, als fortschrittliche Theologen abgestraft, immer mehr Redeverbote erlassen, Rechte eingeschränkt worden seien, habe das Kirchenvolksbegehren auf diese restriktiven Strukturen „unserer Kirche aufmerksam gemacht“: 1,8 Millionen Menschen, großteils Katholiken, hätten nur in Deutschland das Begehren mit den fünf Forderungen geschwisterliche Kirche, Gleichberechtigung der Frauen in allen kirchlichen Ämtern, Aufhebung des Pflichtzölibats, positive Bewertung der Sexualität und Froh- statt Drohbotschaft unterschrieben.

„Aber Rom zog mit immer mehr Verlautbarungen weiter die Zügel an, Skandale wurden vertuscht“, sagte Laakmann. Die kirchlichen Gesetze seien nicht mehr für die Menschen da, Gemeinden müssten sich nach der priesterlichen Decke strecken, verdienten Pfarrern würde der Dank verweigert, brachte Laakmann hier den „Fall Breitenbach“ unter.

„Viele Gläubige spüren mehr und mehr ein Missverhältnis zwischen ihrer Lebenswelt, ihrem Glauben und der Kirche, der sie angehören, sie fühlen sich allein gelassen“. Sie verlangten demgegenüber Reformen, „sie wollen die Freiheit des Evangeliums als Gläubige auch in der Kirche spüren“. Und Lux ergänzte: „Bischof und Papst benehmen sich wie Herren über die Gemeinden, nicht wie Diener, die sie nach dem Neuen Testament sind“. Lux rief auf: „Lassen wir uns nicht länger bevormunden, sondern nehmen wir als getaufte Christen die Verantwortung für unsere Gemeinde in die eigenen Hände. „Braucht es dazu eine Weihe?“

Wir sind Kirche

„Wir sind Kirche“ ist aus dem 1995 nach einem Missbrauchsskandal in Österreich gestarteten Kirchenvolks-Begehren auch in Deutschland hervorgegangen und setzt sich für eine Erneuerung der römisch-katholischen Kirche ein. Ziele sind die Gleichberechtigung der Frau in Kirchenämtern und die Freiwilligkeit des zölibatären Lebens für Geistliche. Dem ersten Preisträger des „1001-Christenpreises“ von St. Michael, Georg Denzler, folgte Regina Ammicht-Quinn. Ihr wurden Lehrauftrag und Professur vom damaligen Trierer Bischof Marx verweigert, weil sie mit der Sexualmoral der Kirche nicht konform gehen wollte. Den Preis 2005 teilten sich Schwester Lea Ackermann und Pater Fritz Köster. Beide waren in der Afrikamission tätig und setzen sich besonders für missbrauchte Frauen aus Armutsgebieten ein. 2007 wurde Pfarrer Stefan Hippler ausgezeichnet. Er kümmert sich in Kapstadt (Südafrika) im Projekt „Hope“ um Aids-Waisenkinder. Die letzte in der Reihe war Monika Schmid, couragierte Gemeindeleiterin in der Schweiz.

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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»Alle 26 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

klosterschueler (489 Kommentare) am 16.06.2011 17:45

Erfahrung

Ich weiß, dass diese eigene Erfahrung kein absolut und für alle Amtsträger gültiges Bild abgeben kann.
Nur hört man leider in den letzten Jahren mehr menschenferne und -feindliche als positive und menschenliebende Äußerungen von den Offiziellen.
Menschen, wie Pfr. Roland Breitenbach sind in meinen Augen die letztten Hoffnungsfunken, dass der christliche Glaube eine Zukunft hat.
(0)
asazyma (312 Kommentare) am 16.06.2011 14:42

Nur noch peinlich!

Pfarrer Breitenbach ist nur noch peinlich. Öffentlichkeitsgeil und im Stolz verletzt, weil das Arbeitszeugnis nicht so bombastisch ausfällt, wie er sich selbst beurteilt hätte. Ein bisschen Demut täte ihm als Priester nicht schlecht.
Kleiner Tipp an die Mainpost: "Wir sind Kirche" sprechen für sich, nicht für einen Großteil der Katholiken.
(1)
twobits (641 Kommentare) am 16.06.2011 14:50

Ich kenne da

ein paar Kirchenleute die wirklich peinlich sind und dazu gehört Pfarrer Breitenbach wirklich nicht.
(0)
klosterschueler (489 Kommentare) am 16.06.2011 12:57

an Fam. Feuerstein

Ja wo und in welcher zeit leben denn Sie?
Ich habe die RKK durch sechs Jahre Internat recht gut von innen kennengelernt.
Leider hatten wir mehr Patres vom Format "schlagend" als "verständnisvoll". Ich weiß, es sind auch nur Menschen, die diese Verkleidung einer Soutane getragen haben, aber durch dieses Hineinschlüpfen in diese Rolle ging damals wohl mehrheitlich die Menschlichkeit verloren.
In meiner damaligen Heimatgemeinde lebte ein Pfarrer auf so großem Fuß, so dass ihm sein Gehalt nicht reichte. Das machte nichts, als es herauskam, versetzte ihn der Bischof halt ein paar Dörfer weiter. Disziplinarische Maßnahmen darüber hinazus wurden nicht bekannt.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass in dieser RKK das Evangelium nachrangig ist und Machtausübung und Disziplinierung der Gefolgschaft wichtiger ist.
Ich hatte das letzte Mal so gehofft, dass ein Mensch aus der "Dritten Welt" Papst wird, nur so sehe ich eine Chance auf die Erneuerung der RKK und die Einheit des Christentums.
(1)
a3011j (209 Kommentare) am 16.06.2011 17:10

das problem...

.... mache aus eigener erfahrung ein gesamtbild und sage: das ist die rkk...
könnte es sein .... dass die eigene erfahrung oder das, was sie dafür halten, nicht alles ist?
(1)
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