aktualisiert: 04.06.2009 15:55 Uhr
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SCHWEINFURT
„Die Solidarität ist unsere einzige Waffe“
Erzwingungsstreik bei EDS für Arbeitsplätze und Tarifvertrag
Der zweite Bevollmächtigte der IG Metall Schweinfurt, Peter Kippes, sprach am Donnerstag vor dem Firmensitz von EDS an der Ecke Georg-Schäfer-Straße/Landwehrstraße von einem historischen Datum: Nach 1954 („Bayern-Streik“) führt die Gewerkschaft erstmals wieder einen Erzwingungsstreik in der Region durch.
Der unbefristete Streik wird heute, Freitag, fortgesetzt. Am Montag wird gearbeitet. Über die weitere Strategie schwiegen sich die IGM und die ebenfalls beteiligte Gewerkschaft ver.di aus. Kippes begrüßte vor dem Bauwagen, in dem das Streiklokal untergebracht ist, Streikende und Kollegen aus anderen Betrieben, darunter Abordnungen von SKF, ZF Sachs, Bosch-Rexroth, INA, SRAM und Siemens. Die Streikenden unterstützten zudem der DGB-Regionsvorsitzende Frank Firsching, ver.di Sekretär Sinan Öztürk und Evi Pohl von der evangelischen Betriebsseelsorge. Kippes erinnerte an die vier vorausgegangenen Warnstreiks. In dieser Zeit habe sich die Gewerkschaft bei EDS gut aufgestellt. Der Organisationsgrad sei überdurchschnittlich.
EDS etablierte sich 2002 in Schweinfurt, übernahm Mitarbeiter der bei SKF ausgegliederten EDV. SKF ist der Hauptkunde. Ein Tarifvertrag kam bis heute nicht zustande. Vor einem halben Jahr wurde EDS von der amerikanischen Hewlett-Packard Company (HP) geschluckt. Diese will Standorte schließen, an den anderen Personal abbauen. So soll EDS in Schweinfurt von 52 auf 31 Mitarbeiter reduziert werden. Kippes mutmaßte, dass HP Schweinfurt in einem zweiten Schritt gänzlich schließen könnte. Bei der Urabstimmung in der vergangenen Woche sprachen sich 92 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder aller Standorte in Deutschland für den Erzwingungsstreik aus.
DGB-Regionsvorsitzender Frank Firsching gratulierte zum Ergebnis der Urabstimmung. „Die Solidarität ist unsere einzige Waffe“, meinte er. Lenke jetzt der Arbeitgeber nicht ein, dann würden neben der IG Metall und ver.di auch die anderen Gewerkschaften mobil machen, und das nicht nur in Schweinfurt, versprach er.
Nokia, AEG und EDS seien Beispiele für die Gier der Konzerne, die trotz schwarzer Zahlen Standorte und Existenzen vernichten würden, nur um die Profite zu erhöhen. Diese Ungerechtigkeiten dürften sich die Arbeitnehmer nicht länger gefallen lassen. Das Werk Eltmann der Schaeffler Gruppe habe gezeigt, dass eine starke Gewerkschaft die Schließung eines Werkes durchkreuzen könne. Von der Politik müssten die Mitarbeiter einen Ausbau der Mitbestimmung in den Betrieben einfordern, „damit sich bei uns etwas ändert“.
Von Gesprächen mit der Geschäftsführung berichtete EDS-Betriebsrat Franz Schmitt den rund 100 Zuhörern. Nach außen würde „diese Herren“ stoische Ruhe vorspielen, doch sie seien nervös, blass und gereizt. Das lasse ihn hoffen. Betriebsrat Egon Stürzenberger blickte auf 2008 zurück, als der Arbeitgeber eine nur einprozentige Lohnerhöhung angeboten hätte. Vor einem halben Jahr wurden dann deutschlandweit 864 Entlassungen angekündigt, und HP wolle europaweit nochmals 5000 Stellen streichen. EDS hatte bereits am Mittwochnachmittag mitgeteilt, dass der Streik keine Auswirkungen auf die Kunden haben werde.
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