publiziert: 21.04.2008 18:20 Uhr
aktualisiert: 21.04.2008 18:35 Uhr
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(Ganztags-)Schule ohne Stress?

Walter Langenberger wirbt für gebundene Ganztagssklasse in Niederwerrn

„Den ganzen Tag Schule?“ Walter Langenberger schüttelt den Kopf: Nein. Der Rektor der Hugo-von-Trimberg-Schule Niederwerrn hört die Frage nicht zum ersten Mal. Eltern, Lehrer, Interessierte – alle verbinden mit dem Begriff Ganztagsschule zunächst mal eines: Schule wie gehabt, nun eben den ganzen Tag. Dabei geht es um mehr.

  • Auf dem Weg: Die Hugo-von-Trimberg-Schule will ab dem neuen Schuljahr eine Ganztagsklasse installieren. Seit 2. April ist die Genehmigung des Kultusministeriums auf dem Tisch, jetzt werden die Details geregelt. Drei vierte Klassen gibt es aktuell – mit insgesamt 70 Schülern. Aller Erfahrung nach bleiben davon nach dem Übertritt an weiterführende Schulen in etwa 40, die in Niederwerrn weiter die Schulbank drücken werden und damit 40 potenzielle Kandidaten für die Ganztagsschule. Mindestens 15 Schüler müsste diese haben.
    FOTO Laszlo Ruppert
Bild von

Die Ganztagsschule biete ein Plus an Zeit – zu fordern und zu fördern, Angebote zu machen, soziale Kompetenzen zu fördern. Eben „Schule ohne Stress“, wirbt Langenberger für seine gebundene Ganztagsklasse, die bereits im kommenden Schuljahr an den Start gehen wird. Als erste im Landkreis Schweinfurt.

Für die Entscheidung für eine gebundene Ganztagsschule gab es gute Gründe, erklärt Langenberger. Grund Nummer 1: eine offene Ganztagsschule (siehe Stichwort) war ihm schlicht „zu wenig“. Nur Angebote für die Nachmittagsgestaltung zu machen, kam nicht in Frage. Auch weil er meint, dass die Vorstellung der Niederwerrner Lehrer von Erziehen und Fördern bei einem Angebot, das man annehmen kann oder auch nicht, kaum aufgeht und Jugendliche auch mal einen festen Rahmen brauchen – so wie Schule und Lehrer eine gewisse Planbarkeit. Nicht zuletzt schaut Langenberger auch auf den Geldbeutel der Eltern. Dass es in vielen Familien finanziell knapp ist, bekommt er immer wieder mit.

Kosten: nur ein Mittagessen

Die gebundene Ganztagsschule wird die Eltern nur ein Mittagessen kosten. Maximal 3 Euro pro Tag, vielleicht auch weniger. Ein Antrag auf Förderung bei der Gemeinde läuft. Die und ihr Rat haben sich ebenso wie das Schulamt schnell hinter Langenbergers Projekt gestellt, in Niederwerrn eine Ganztagsschule zu installieren. Ab der 5. Klasse.

Der Gedanke, sagt Langenberger, lag einfach nahe. „Wir bündeln die Angebote, die wir haben“ – und das sind einige: Nachmittagsbetreuung, Schultheater, Rhetorik-Seminare, Streitschlichter und so weiter. Sie werden auch im Stundenplan für die Ganztagsklasse auftauchen. An dem wird aktuell gearbeitet. Alles ist im Fluss. Seit 2. April, als endlich die Genehmigung des Antrags kam, den die Gemeinde im November 2007 beim Kultusministerium eingereicht hatte, laufen die Vorbereitungen in die entscheidende Phase. Vorgespräche werden seit langem geführt, jetzt geht es für Langenberger und die acht Lehrer der Arbeitsgruppe Ganztagsschule in die Details. Die Bedingungen sind gut, Neubauten nicht nötig.

Das Mittagessen gibt es aller Voraussicht nach im Seniorenheim, ein paar Meter von der Schule entfernt. Danach haben die Schüler eine halbe Stunde zur freien Verfügung, können sich auf Sportgelände oder Turnhalle austoben, in der Bibliothek entspannen, die Angebote auf dem Schulgelände nutzen. Sie sollen noch aufgestockt werden.

Von Montag bis Donnerstag sind die Kinder von 7.55 bis 16 Uhr an der Schule. Vormittags ist „normaler Unterricht“ laut Lehrplan, am Nachmittag laufen Projekte wie Schulgarten oder Theatergruppe, geben Lehrer Förderstunden in den Kernfächern, ist Zeit, begleitet von Lehrern die Hausaufgaben zu erledigen, das Gelernte zu vertiefen. Zwei Räume im Gemeindezentrum sollen für die Ganztagsklasse am Nachmittag eingerichtet werden. Begleitet werden die Angebote von Lehrern und – bayernweit laut Langenberger „wohl einmalig“ – sehr wahrscheinlich auch von einem jungen Mann/einer jungen Frau, die ihr freiwilliges soziales Jahr ableisten.

Fordern und fördern, sind die Schlagworte, mit denen Langenberger das Angebot seiner Ganztagsklasse beschreibt. Er will eine bunte Mischung – aus Schülern, die zusätzlich Zeit brauchen, um das Klassenziel zu erreichen, solchen, die auf das Ziel M-Zug hinarbeiten wollen, und anderen, die einfach das Angebot nutzen wollen. „Niederwerrner Modell“ nennt Langenberger das; abgestimmt auf die sozialen Bedingungen in der Gemeinde, den hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund, den Bedarf an Förderung, aber auch das Potenzial.

Infoabend für Eltern

Wie das Angebot bei den Eltern ankommt? Langenberger und sein Team werden es abwarten müssen. Am Dienstag, 29. April, beginnt um 19 Uhr in der Aula der Schule ein Informationsabend zum Thema Ganztagesklasse in Niederwerrn – „Schule ohne Stress“. Mindestens 15 Schüler braucht es, um die Ganztagsklasse einrichten zu können. Dass es soweit kommt, davon ist Langenberger überzeugt. Anfragen gab es schon, auch von außerhalb, sagt er und gibt offen zu, dass hinter der Entscheidung für das Angebot Ganztagsklasse auch ein weiterer Aspekt steht: Die Schule in Niederwerrn noch attraktiver zu machen.

Von unserem Redaktionsmitglied Katja Beringer
    
    

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