aktualisiert: 29.05.2009 18:09 Uhr
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SCHWEINFURT
(K)ein Maulkorb für den Direktor
Streit zwischen Stadt und Rathenau-Schulen erreicht eine neue Dimension
Zwischen dem Schulreferenten Jürgen Mainka und Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser auf der einen und den Rathenauschulen mit Elternbeirat und Direktor Ulrich Ramer auf der anderen Seite hat es schon öfters gekracht, etwa als es um die Verbeamtung von Lehrkräften ging. Bei der Einführung einer Ganztagesbetreuung sind jetzt harte Bandagen im Einsatz.
Am Dienstag, 19. Mai, hatte sich der Haupt- und Finanzausschuss mit einem Eilantrag von proschweinfurt zu befassen, der eine Ganztagsbetreuung an dem Walther-Rathenau-Gymnasium mit Realschule zum kommenden Schuljahr forderte. Auslöser war, dass die frisch sanierte Wilhelm-Sattler-Realschule ab September eine Ganztagsbetreuung anbietet. Begründung hier: Bei der Sanierung seien alle Voraussetzungen hierfür erfüllt worden. Die Antragsteller fürchteten jetzt einen Wettbewerbsnachteil für das Rathenau.
Erst die Grundschulen
Ansonsten konzentriert sich die Stadt Schweinfurt bei der Ganztagsbetreuung im ersten Ausbauschritt auf die Grundschulen. Allerdings setzte der Ausschuss durch, dass die Verwaltung die Planung für eine Ganztagsbetreuung am Rathenau vorantreiben muss, allerdings nicht bis zum kommenden Schuljahr.
Mainka hatte in der Sitzung vor noch nicht absehbaren Kosten gewarnt. Auch würden von dieser von der Stadt mitbezahlten Maßnahme vor allem Schüler aus dem Landkreis, der nichts zuschieße, profitieren. Der Schulleitung warf Mainka vor, nicht einmal ein Konzept zu haben. Auch wundere ihn, dass das Rathenau, das alljährlich über Raumnöte jammere, plötzlich genügend Platz für die Ganztagsbetreuung haben soll. Mainka weiter: Ramer habe etliche wenig sachliche E-Mails verschickt und auf Aufklärung durch die Stadt gepfiffen.
Wenige Tage nach der Berichterstattung wandte sich Ramer an die Redaktion dieser Zeitung. Beim Pressegespräch in der Schule bedauerte Ramer, dass Martin Baldauf, bei der Stadt zuständig für die Pressearbeit, ihm einen „Maulkorb“ verpasst hätte. So kamen im Gespräch nur die Elternbeiratsvorsitzende Ute Walter und deren Stellvertreterin Regina Burlein zu Wort.
Martin Baldauf lachte hell auf, als er vom Vorwurf eines Maulkorberlasses hörte. Nicht er habe Ramer, sondern Ramer habe ihn angerufen, nachdem dieser vom Personalamt die Auskunft eingeholt hatte, dass allein die Pressestelle der Stadt die Presse zu informieren habe. Laut Baldauf wollte Ramer aber auch gar nicht mit der Zeitung reden, „keine Auskünfte geben“. Deshalb habe Baldauf ihm versprochen, den Kontakt zur Redaktion aufzunehmen, was mit Verspätung geschah, in der Sache aber keine neuen Erkenntnisse brachte.
Ute Walter, die an einem Vorgespräch mit Ulrich Ramer, Jürgen Mainka und der Oberbürgermeisterin teilgenommen hatte, zeigte sich „verwundert“. Die Vertreter der Schule hätten damals ein Konzept vorgelegt, das allerdings weder die OB noch Mainka interessiert hätte. Erstellt worden war das Konzept durch eine vierköpfige Arbeitsgruppe des Elternbeirats, die seit Schuljahresbeginn aktiv gewesen sein soll. Auch habe die Schule den Bedarf belegen können. Aus dem Bereich der fünften und sechsten Jahrgangsstufe hätten sich 75 Eltern stark interessiert gezeigt, also wesentlich mehr als für die anvisierte Schaffung von nur einer Ganztagsgruppe mit höchstens 25 Kindern erforderlich.
Raumnöte gibt es laut Ute Walter und Regina Burlein am Nachmittag nicht, denn der Unterricht für die Rathenau-Realschule finde fast ausschließlich am Vormittag statt, weshalb viele Klassenzimmer zur Verfügung stünden. Verärgert sind die Elternbeiräte, weil es nur um 5000 Euro von der Stadt gehe, der Großteil der Kosten vom Freistaat und von den Eltern aufgebracht werde. Wenn die OB aktuell von ein „paar Kröten“ spreche und damit die jährlich 70 000 Euro durch die Eintrittspreise in die städtischen Museen und Galerien meine, dann frage man sich schon, welchen Stellenwert das Rathenau bei der Stadt genieße.
Walter weiter: „Wir kämpfen um etwas, was sowieso in ganz Bayern kommt. Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt.“ Mit wenig Kompetenz hätte die Stadt den Vorschlag eines kompetenten Elternbeirats vom Tisch gefegt. Geärgert hat sich der Elternbeirat auch über eine Anmerkung von Mainka, der diesen aufgefordert haben soll, sich zu überlegen, wo er in seiner Arbeit sinnvolle Schwerpunkte setze.
Dass die Stadt nicht hinter ihrer Schule stehe, das wissen man, meinen die Elternbeiräte. Doch mit einem vernachlässigten Gebäude können man schon leben, wenn das Innere stimme, führten Ute Walter und Regina Burlein aus.
Auf das Konzept angesprochen, erläuterten beide, dass ein Träger gefunden ist. Ein Mittagessen ist für 13 Uhr in der Schulmensa vorgesehen. Die offene Ganztagesgruppe soll von zwei Erziehern betreut werden, die sich um Freizeitgestaltung, Spielphasen und Hausaufgabenbetreuung von Montag mit Donnerstag bis 16.30 Uhr kümmern.
Welle von Leserbriefen
Die Redaktion erreicht in diesen Tagen eine Welle von Leserbriefen zum Ablauf der Sitzung im Haupt- und Finanzausschuss. So ist ein Leserbrief für den Elternbeirat von Regina Burlein unterschrieben. Dieser, wie auch ein weiterer von Ute Walter, deckt sich mit den Darstellungen des Pressegesprächs. Der Personalratsvorsitzende Reinhard Beichel fordert in seinem Schreiben die Stadt auf, auf die Schule zuzugehen. Hinter die Schulleitung stellt sich auch Stefan Federolf, Vorsitzender des Fördervereins der Rathenauschulen, der dem Berichterstatter Einseitigkeit, vorauseilenden oder auch hinterherlaufenden Gehorsam vorwirft.
Hier die Leserbriefe in voller Länge:
Nichts als Verwunderung und Enttäuschung:
Als Personalvertretung der Walther-Rathenau-Schulen sind wir sehr enttäuscht von der Berichterstattung vom 20. Mai. Es ist der Motivation der Beschäftigten nicht förderlich, wenn sie mehrmals im Jahr öffentlich darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie in erster Linie eine Belastung des städtischen Haushalts darstellen. Uns ist nicht bekannt, dass dies auch bei anderen städtischen Dienststellen geschieht. Wenn es Kommunikationsprobleme zwischen Schulleitung und dem Schulreferenten gibt, sollten sie im persönlichen Gespräch ausgeräumt und nicht öffentlich ausgebreitet werden. Die Rathenau-Schulen sind städtische Schulen und sollten deshalb bei der Stadt einen ganz besonderen Stellenwert innerhalb der Schweinfurter Schulwelt haben. Es geht hier um keine unrechtmäßige Bevorzugung unserer Schulen, aber das persönliche Interesse, das „Herzblut" sollten für Herrn Mainka erst „seiner" Schule gehören. Davon scheinen wir weit entfernt zu sein. Die Berichterstattung erweckt eher den Eindruck, dass die anderen Schulen mit ihrer Schulpolitik stets beim Schulreferenten auf offene Ohren stoßen. Wir wünschen uns für die Zukunft, als Schule behandelt zu werden, die ein „Kind" der Stadt Schweinfurt ist, anerkannt gute Arbeit leistet und dem immer wichtiger werdenden Bildungsauftrag für unsere Kinder zuverlässig gerecht wird.
Der Vorsitzende des Personalrats Reinhard Beichel
Wollen wir eine Extrawurst ?
Nein, wir an unserer Schule wollen unseren immerhin 1578 Schülern eine gute Bildung und Werte vermitteln. So, dass sie ihren Platz im Leben und der Gesellschaft finden und einnehmen können. Dies ist das oberste Ziel aller Gremien der Schulfamilie des Rathenaus. Schüler, Elternvertreter, Lehrerschaft und Schulleitung sind sich darin einig. Gute Lernbedingungen für Schüler, gerade in den Jahrgangsstufen fünf und sechs einer weiterführenden Schule bietet die offene Ganztagsschule , in der die Kinder zwischen 8 und 16.30 Uhr betreut werden. Schule, Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und ein Freizeitkonzept bilden hierfür den Rahmen. In einem Vorgespräch zu Beginn des Schuljahres wurden Frau OB Grieser und Schulamt informiert.
Wir haben folgende Vorarbeit geleistet: In Zusammenarbeit mit der Schulleitung wurde ein pädagogisches Konzept erarbeitet, ein Träger gesucht und gefunden. Zu Beginn der Anmeldung für das kommende Schuljahr wurde bei den Eltern der Bedarf an Betreuungsplätzen ermittelt. Wobei die Zahl der Interessenten deutlich die Zahl der angebotenen Plätze überschreitet. Kontakte zu Sportvereinen und Arbeitgebern der Region wurden geknüpft. Der Ministerialbeauftragte des Kultusministeriums informiert. Die Schule war vorbereitet und hatte ein durchdachtes und ausgearbeitetes Konzept. Dieses Konzept stellten die Elternbeiratsvorsitzende und der Schulleiter am 4. Mai Frau OB Grieser und Herrn Mainka vor.
Die Idee einer Ganztagesbetreuung an unsere Schule wurde abgelehnt: da der Wunsch nach einer kommunalen Förderung durch die Stadt Schweinfurt für ihre städtische Schule unangemessen sei. Denn zu viele „Landkreisschüler" (Schüler, deren Wohnsitz nicht im Stadtgebiet liegt) würden davon profitieren - was nicht durch Zahlen belegt war - und die Kosten von 5000 Euro pro Schuljahr seien zu hoch. Abwegig sind unsere Vorstellungen jedoch nicht - entsprechen sie doch genau den Plänen der Staatsregierung den Ausbau der Ganztagsbetreuung an den weiterführenden Schulen voranzubringen. Der Hauptteil der anfallenden Kosten würden übrigens vom Freistaat Bayern und den Eltern getragen. Wir brauchen die Unterstützung der Stadt Schweinfurt, um die Einführung der offenen Ganztagsschule an den Rathenau Schulen zu ermöglichen. 5000 Euro sind der Stadt Schweinfurt zu viel. Extrawürste haben unserer Meinung nach andere finanzielle Dimensionen.
Für den Elternbeirat der Walther Rathenau Schulen, Regina Burlein
Kommunikationsprobleme zwischen Stadt und Schulleitung
"Kommunikationsprobleme zwischen der Stadt und der Schulleitung". Diese scheint es in der Tat zu geben, treffen die genannten Aussagen zu. Dem Artikel voraus ging ein persönliches Gespräch zwischen Frau OB Gudrun Grieser, Herrn Schulreferenten Jürgen Mainka, Herrn OstD Dr. Ulrich Ramer und mir, als Vertreterin des Elternbeirates. Hier wollte Dr. Ramer unter anderem ein Konzept für den offenen Ganztageszug an den Rathenau-Schulen erläutern, dessen Vorlage aber von Herrn Mainka abgelehnt wurde, da dies nicht nötig sei. Zu lesen war im Schweinfurter Tagblatt: „dass Schulleiter Ulrich Ramer noch kein Konzept für den Ganztagesunterricht eingereicht hatte" Ebenso wurde dargelegt, dass nachmittags, also nach Unterrichtsende, entsprechende Räumlichkeiten für eine ganztägige Betreuung zur Verfügung stünden.
Zu Lesen ist dann, dass „der gleiche Schulleiter alljährlich über die Raumnot am Rathenau jammere", was nicht richtig ist und was sowohl Frau OB Grieser als auch Herrn Mainka klar und unmissverständlich deutlich gemacht wurde. Wie kann ein „Schulleiter in Kritik" geraten, ja sogar persönlich angegriffen werden, wenn er für seine Schüler und die Schule das Bestmögliche erreichen will? Warum hatte ich bereits in dem Gespräch im Rathaus das Gefühl nicht willkommen zu sein, obwohl ich als Ehrenamtsträger lediglich die Wünsche und Bedürfnisse der Elternschaft vorgetragen habe? Liegt es an der Sache selbst, die etwas unbequemer ist und schließlich mit sage und schreibe 5.000 € Ausgaben für die Stadt Schweinfurt verbunden ist? 5.000 € als Investition in die Zukunft unserer Kinder und somit in unsere Stadt, denn Schüler von heute sind Arbeitnehmer Schweinfurter Betriebe und potenzielle Käufer von morgen - egal ob deren Eltern im Landkreis oder im Stadtgebiet wohnen.
Ute Walter 9, Dittelbrunn
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