aktualisiert: 03.05.2010 11:37 Uhr
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SCHWEINFURT
„So ein Aufstand wegen dieser Dumpfbacken“
Anwohner am Aufmarschweg der Nazis bieten diesen mutig die Stirn – Linke dringen nicht durch – Polizeitaktik geht hundertprozentig auf
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Rund 850 Rechtsextreme brüllten zwei Stunden lange ihre Parolen, zeigten ihre Gesinnung auf Plakaten. An der Ecke Landwehr-/Heinrichstraße beispielsweise gaben ihnen rund 300 Demokraten aus Schweinfurt die Antwort: „Nazis raus!“Foto: Hannes Helferich -
An der Ecke Landwehr-/Heinrichstraße gaben ihnen 300 Demokraten aus Schweinfurt den Rechten die Antwort: „Nazis raus!“Foto: Hannes Helferich
7.30 Uhr, Hahnenhügelbrücke: Polizeikräfte aus Niederbayern stoppen jedes Auto, bei auswärtigen Autonummern wird besonders genau hingeschaut. Kontrollen auch an allen anderen Einfahrtsstraßen. Sichergestellt werden Gegenstände, die der Vermummung dienen, und solche mit Gefährdungspotenzial: Benzinkanister, Radmuttern, Schlagring. Die Bundespolizei kontrolliert am Bahnhof rund 1000 Demonstranten.
8.15 Uhr, Kreuzung Ignaz-Schön-/Friedrich-Stein-Straße: Starke Polizeikräfte bauen Sperrgitter auf. Alle anderen Nebenstraßen entlang des Marschwegs der Rechten sind da schon dicht. „So ein Aufstand wegen dieser Dumpfbacken“, „diese Scheiße will hier keiner“ – so kommentieren Anwohner aus dem Eisenbahnerblock am Morgen den bevorstehenden Nazi-Aufmarsch. Sie wissen über die Medien und durch Wurfzettel der Polizei davon. Der Volksfestplatz wird als Abstellplatz empfohlen. Kein Fahrzeug muss abgeschleppt werden. Ein Rauskommen aus dem Viertel ist aber schwer. Er gibt nur zwei „Durchlass-Stellen“.
11.30 Uhr, Zeughaus: Der bunte Demozug erreicht den Kundgebungsplatz. Rund 700 Linksautonome marschieren Richtung Grüner Markt. Ziel: Hauptbahnhof. Sie versuchen immer wieder, in Gruppen zu 50 bis 100 Mann die Barrieren zu durchbrechen. Erfolglos. Die Polizei hat immer alles unter Kontrolle. In der Wohlfahrt- und Kornacherstraße muss sie kurzfristig 150 bis 200 Personen festsetzen, nachdem pyrotechnische Gegenstände und Fackeln abgebrannt wurden, Flaschen gegen die Einsatzkräfte flogen. 13 Uhr, Hauptbahnhof: Planmäßig soll der Nazi-Aufmarsch jetzt beginnen, aber er verzögert sich, weil die erforderliche Zahl von 40 Ordnern nicht erfüllt ist. Per Lautsprecherdurchsage fordert ein Rechter „nicht vorbelastete Kameraden“ auf, sich zur Verfügung zu stellen. Erst um 14.45 Uhr marschieren 850 Rechte los. Der Zug wird nochmal gestoppt, als verbotene Naziparolen gegrölt werden.
15 Uhr, Ecke Landwehr-/Heinrichstraße: Die Rechten laufen nah an einer Absperrung vorbei. „Nazis raus“, hallt es ihnen aus 300 Kehlen entgegen. Die Polizei verstellt wie überall den direkten Blick mit Bussen. Mutig protestieren viele Anwohner. Auf Betttüchern, aus den Fenstern gehängt, steht: „Lasst die Glatzen platzen“, „Gebt den Nazis die Straße zurück, Stein für Stein“, „Ihr stinkt“, „Nie wieder Faschismus“. Ein Türke steht vor seiner Haustür, ruft „Nazis raus.“ Zwei Kommunikationsbeamte der Polizei reden mit dem Mann. Ein Nazi blökt zurück: „Da, wo Du herkommst, hat's auch einen Baum.“ Die „Kameraden“ grölen.
15.45 Uhr, Schuttberg: Die Pfarrei St. Kilian stört, wie angekündigt, mit Glockenläuten. Ein Nazi aus Österreich, der wegen seiner Gesinnung schon einsaß und ein Einreiseverbot hatte, kommentiert das mit Häme. Das Karree Ignaz-Schön-/Jehlestraße wird ausgespart, weil die Braunen wegen der fortgeschrittenen Zeit zurück müssen. Um 17 Uhr endet ihre Genehmigung. Kurz nach 17 Uhr sitzen sie in den Zügen, sehr zur Freude von OB Sebastian Remelé, der sich bis zum Schluss vor Ort informiert. Den perfekten Einsatz der schätzungsweise über 1500 Polizeibeamten lobt er ausdrücklich.
Fazit: 43 vorläufige Festnahmen, acht Rechte, 35 Linke; ferner acht leicht verletzte Polizisten und einige leicht verletzte Linke.
Demo gegen Neonazis in Schweinfurt
Neonazis in Schweinfurt (3)
Neonazis in Schweinfurt (2)
Neonazis in Schweinfurt (1)
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