publiziert: 20.03.2009 18:53 Uhr
aktualisiert: 20.03.2009 19:01 Uhr
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Aigner geht ihrem Double aus dem Weg

Gut gelaunte Landwirtschaftsministerin eröffnet Frühjahrsmesse in Holzhausen

Gut gelaunt und aufgeschlossen hat am Freitag Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner die Frühjahrsmesse von Landtechnik Müller eröffnet. Auch mit Demonstranten ging sie routiniert um.

  • Double aus Pappe: Mit einer Ilse-Aigner-Puppe folgten Genmais-Gegner der Landwirtschaftsministerin nach Holzhausen.
    FOTOS L. Ruppert (3)/J. Schäfer
  • Spaß am Lenkrad: Ministerin Ilse Aigner steuert einen riesigen Traktor.
  • Kraftprotz in Serie.
  • Mal schauen.
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4 Bilder

Sie hat sie erstmal ausgetrickst, die Genmais-Gegner. Die halten vor dem Tor von Landtechnik Müller mit klammen Händen Schilder in die Höhe und warten auf Ilse Aigner. Doch die Ministerin hat einen Nebeneingang genommen und der von drinnen herüberwabernde Bayerische Defiliermarsch signalisiert: Der Ehrengast ist schon da.

    
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Schließlich kennt man sich: Wie ein Schatten folgen die Umweltaktivisten von „Campact“ dieser Tage der Landwirtschaftsministerin. Am Donnerstag Berlin, am Freitag Holzhausen, am nächsten Donnerstag Magdeburg. Immer dabei: Eine überdimensionales Aigner-Double aus Pappmaschee. „Das ist sehr effektiv, um Druck zu machen“, sagt „Campact“-Sprecherin Stefanie Hundsdorfer zur Taktik der dauerhaften Präsenz. Druck, damit die Ministerin noch vor der Aussaat im April den Genmais verbietet.

Ilse Aigner ist wohlgelaunt und aufgeschlossen, hat an diesem Tag offenbar viel Zeit mitgebracht. Keinem Fotowunsch weicht sie aus. Und als die Genmais-Protestanten zusammen mit einer Handvoll Milchbauern doch noch in der Halle auftauchen, geht sie zu ihnen. „Warum immer ich? Geht doch auch mal zu meinen Kabinettsmitgliedern“, sagt sie zu „Campact“-Aktivist Christoph Bautz. Inhaltlich verspricht sie nichts. Es gebe in dieser Frage viele Möglichkeiten, sagt sie, sie werde alles prüfen lassen.

„Michel ein ehrlicher Ratgeber“

Auch in ihrer 30-minütigen Rede vor einer Heerschar von Ehrengästen und hunderten Landwirten streift sie dieses Thema nur am Rande. Überhaupt geht es mehr um Grundsätzliches und Komplimente, die Ilse Aigner an die Landschaft, an die Bauern und an Michael Glos verteilt: „Der Michel war immer ein guter und ein ehrlicher Ratgeber.“ So etwas fände man nicht immer. Glos nickt.

Es gibt sicherlich geschliffenere Redner als die Oberbayerin. Doch sie weiß, was die Landwirten gerne aus ihrem Mund hören wollen. Und sie sagt es ihnen. Dass sie das „Flaggschiff der deutschen Wirtschaft“ seien. Dass sie die besten Landschaftspfleger seien. Dass sie der Grundpfeiler seien für einen stabilen ländlichen Raum. Ilse Aigner findet den Schwenk von Erosionskataster, über Schwankungsrücklagen bis hin zur Erbschaftssteuerreform. Da wird sie deutlich: Es könne doch nicht sein, dass ein Hoferbe ein Teil des Betriebs verkaufen muss, um die Erbschaftssteuer bezahlen zu können. Eine „Unverschämtheit“. Aber dazu sei es ja nicht gekommen. „Wenn wir nicht gekämpft hätten, hätte es keiner gemacht“, bringt sie ihre Partei in Erinnerung. Wie auch später Europaabgeordnete Anja Weisgerber den Landwirten ins Stammbuch schreibt, wer der natürliche Verbündete der Bauern ist. Und wer für sie kämpft: „80 Prozent aller Entscheidungen über die Landwirtschaft kommen aus Brüssel.“

Aigner gewährt einen Einblick, wie diese Resultate in langen Nachtsitzungen reifen: „Helft ihr mir bei der Milch, helfe ich euch Spaniern und Griechen beim Tabak.“

Nach einem „Ja mit Ausrufezeichen für die Zukunft der Landwirtschaft“ geleitet freundlicher Applaus die 44-Jährige hinaus. Die Müllers haben einen kleinen Spaß für sie vorbereitet. Strahlend klettert sie auf einen riesigen Traktor und steuert das PS-Ungetüm ein paar Meter über den Hof. Schließlich ist Aigner technikaffin, hat in ihrem Vorleben vier Jahre lang Systemelektrik für Hubschrauber entwickelt.

Dann ist Schluss mit lustig . Ilse Aigner hat noch einen Termin mit Funktionären des Bayerischen Bauernverbands. Zurückgezogen hinter verschlossenen Türen. Dort wird dann wirklich Politik gemacht. Nicht mit einem Transparent vor dem Zaun.

 
Von unserem Redaktionsmitglied Josef Schäfer
    
    

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