publiziert: 14.09.2011 16:53 Uhr
aktualisiert: 14.09.2011 18:23 Uhr
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Alte Apfelpresse läuft auf Hochtouren

Familie Schleyer produziert an neun Herbsttagen Most aus Streuobst – Serie „Meine Maschine und ich“
  • Die Apfelpresse von Üchtelstücht: Konrad Schleyer auf dem Ford, Baujahr 1945, mit dem mobilen Pressaufsatz der Firma Hohlmann. Die einst graue Maschine haben sie „apfel“-grün lackiert.
    Fotos: Holger Laschka
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Die Zeiten, da die Brüder Konrad, Burkhard und Hieronymus Schleyer aus Üchtelhausen mit 20 „Sachen“ im Schweinfurter Oberland von Ort zu Ort tuckerten, sind vorbei. Vielleicht haben sie ein wenig das Zutrauen in ihren alten Ford aus dem Baujahr 1945 verloren, vielleicht ist ihnen der Aufwand einfach zu groß geworden. Jedenfalls fahren sie den Wagen heute nur noch aus der Scheune im Üchtelhäuser Freihof 1 heraus, parken ihn im Hof und lassen die Bauern kommen. An neun Tagen im Herbst bilden sich dann meist lange Traktorschlangen im Ortskern, wenn Landwirte sowie Hobby-Obstbauern aus der ganzen Region ihre Ernte – oder besser: ihr Sammelgut – anliefern.

Die Schleyers betreiben nämlich eine der letzten Obstpressen im Landkreis, noch dazu eine ganz besondere. Auf einem alten Ford-Lastwagen steht eine original Hohlmann-Maschine aus dem Jahr 1954 mit allem, was man zur Mosterzeugung braucht: Waschkammer, Obstmühle, Maische-Vorratsbehälter, Presse und Edelstahl-Auffangbehälter.

1994 haben die früheren Üchtelhäuser Kleinbauern Fahrzeug und Aufbau im Schonunger Ortsteil Forst von Bernhard Weger erworben – für (umgerechnet) schmale 5000 Euro, weil dieser sich zur Ruhe setzen wollte, den weiteren Betrieb der Presse aber gerne gesehen hätte. Das vermeintliche Schnäppchen entpuppte sich zwischenzeitlich allerdings als „Sparbüchse“, weil die steinalte Technik immer wieder versagt und Ersatzteile für die Reparatur kaum noch zu haben sind. „Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, hätten wir die Sache vielleicht nicht gemacht“, sagen die Brüder Konrad und Burkhard Schleyer unisono.

Denn nicht nur die Technik hat ihre Tücken, sondern auch die Arbeit ist hart, zumal sie in der Freizeit, neben dem normalen Beruf erledigt werden muss. Die insgesamt drei Schleyer-Brüder, die die Presse betreiben, sind alle berufstätig – Konrad als Schichtführer in einer Nürnberger Fabrik, Burkhard im Öffentlichen Dienst als Landschaftsgärtner, Hieronymus als Lagerist in einem Großbetrieb.

An Einsatztagen ihrer Apfelpresse – in der Regel ab Mitte September – müssen sie ihre Feierabende und Wochenenden opfern, die Maschine und das Equipment zunächst dampfstrahlen, die Leinensäcke für die Äpfel vorbereiten und schließlich immer zu zweit den eigentlichen Pressvorgang bedienen.

Die ersten Bauern warten schon, haben Hänger voller Streuobst angekarrt, freuen sich auf den ersten 2011er Apfelmost. Manche verarbeiten ihn noch zu Wein, die meisten aber wollen Saft als Vitaminspritze für den langen Winter. 150 Kilogramm Äpfel ergeben 100 Liter Most; ihre Verarbeitung ist Knochenarbeit. Nach der Reinigung in der Waschkammer werden sie in die Obstmühle gespült und kommen als Brei wieder heraus.

Schicht für Schicht füllen Konrad und Bernhard Schleyer die „Apfelpampe“ in Leinentücher, die durch einen etwa fünf Zentimeter hohen Holzrahmen eingefasst und jeweils wie Briefkuverts zusammengefaltet werden. Am Ende liegen sieben solcher Apfelpäckchen aufeinander, werden unter die Presse geschoben und ordentlich durchgequetscht. Über eine Auffangpfanne wird der herauslaufende Most in ein Rohr geleitet – und läuft schließlich als leckerer, naturtrüber Presssaft in einen großen, 150 Liter fassenden Edelstahlbehälter.

„Wenn wir gewusst hätten, was auf uns zukommt, hätten wir die Sache vielleicht nicht gemacht.“

Konrad, Burkhard und Hieronymus Schleyer

Früher war die Arbeit der Schleyers damit beendet – die Bauern ließen sich den Most in mitgebrachte Plastikkanister abfüllen und traten die Heimfahrt an. Die Pressrückstände, der Apfeltrester, wurden gesammelt und später einem Jäger zugeführt für die Rehfütterung (Wildschweine vertragen den angegorenen Brei weniger, sie bekommen empfindliche Blähungen...).

Heute haben die Schleyers ihr Portfolio ausgeweitet und füllen auf Wunsch den Most in so genannte „Pack-in-Box-Behälter“ ab. Im Keller des Üchtelhäuser Anwesens wurden dazu umfangreiche Anlagen installiert. Über ein Zuleitungssystem gelangt der gepresste Saft in Plastikkanister, die für die unterschiedlichen Kunden in großer Zahl zur Verfügung stehen. Sie alle sind an ein weiteres Leitungssystem angeschlossen, das in einen Durchlauferhitzer führt. Dort wird der Most im Wärmetauschverfahren auf 78° C erhitzt und schließlich zur Abfüllung weitergeleitet.

Die vorbereiteten „Pack-in-Box-Systeme“ stehen in Größen von drei, fünf, zehn oder 20 Litern bereit und verfügen allesamt über eigene Zapfvorrichtungen.

Der Clou bei dieser Aufbewahrungsform: Unangebrochen ist der durch die Hitze pasteurisierte Saft bis zu drei Jahre haltbar, nach der ersten Entnahme immer noch drei Monate, da ein Plastiksack im Karton sich nach und nach zusammenzieht und keine Luft eindringen lässt.

13 000 Euro haben die Schleyers in diese Anlage und das Rollbandsystem zur Auslieferung vor den Hof investiert – ob sich das jemals rechnen wird, wissen sie nicht: „Das Geschäft mit den Äpfeln wird immer härter“, verrät Konrad, der wohl die treibende Kraft bei der Modernisierung war. Diese war allerdings auch die Eintrittskarte für das Geschäft mit dem Saft, das weit über die klassische Dienstleistung des Apfelpressens hinausgeht.

Die Üchtelhäuser bieten nun die Verarbeitung mitgebrachter Äpfel zu fertigen „Pack-Boxen“ ebenso an, wie den reinen Saft, den sie aus eigenen oder zugekauften Äpfeln erzeugen. Eine Zehn-Liter-Box etwa kostet zehn Euro, wer eigenes Streuobstgut mitbringt, zahlt lediglich 7,20 Euro. Viel billiger kommt freilich der weg, der seinen Most aus eigenen Äpfeln selbst weiter verarbeitet: Er zahlt für 100 Liter nur zehn Euro.

Von unserem Mitarbeiter Holger Laschka
    
    

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