publiziert: 30.09.2010 17:50 Uhr
aktualisiert: 30.09.2010 18:25 Uhr
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Altes Krankenhaus: Gericht erzwingt Bürgerentscheid

Altes Krankenhaus: Verwaltungsgericht Würzburg gibt Klage der Grünen-Stadträte Recht
  • Bagger im Gesundheitspark: Die Frage ist, ob der Bauherr, die Stadt- und Wohnbau GmbH, nicht etwas zu voreilig losgelegt hat. Ein erfolgreicher Bürgerentscheid zum Alten Krankenhaus könnte die Gesamtplanung baurechtlich ziemlich in Bedrängnis bringen.
    Foto: Laszlo Ruppert
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Die Sensation ist perfekt: Die Stadt Schweinfurt muss das von den Grünen-Stadträten Boberg und Schwab initiierte Bürgerbegehren akzeptieren und einen Bürgerentscheid zu der Frage, ob das Alte Krankenhaus erhalten und in die Gesundheitspark-Planung integriert werden soll, durchführen. So hat die 2. Kammer des Verwaltungsgerichts Würzburg nach der am Mittwoch durchgeführten mündlichen Verhandlung entschieden, wie Richterin und Pressesprecherin Monika Kolenda mitteilt. Die Urteilsbegründung der Kammer steht noch aus.

Damit könnte die Stadt- und Wohnbau GmbH (SWG) als Bauherr, 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Schweinfurt, erheblich in die Bredouille geraten, sollte das Volk von Schweinfurt dem Bürgerbegehren zustimmen. Der im Rohbau stehende 1. Bauabschnitt ist nämlich – im sicheren Vertrauen auf den späteren Abbruch des Alten Krankenhauses – zu nah an dieses angebaut worden. Die erforderlichen Abstandsfläche von etwa 15 Metern sei mit nur gut fünf Metern nicht eingehalten worden, hieß es bei der einstündigen Verhandlung am Mittwoch. Dies bestätigte auf Anfrage auch der städtische Jurist Jürgen Montag. Natürlich sei man von der Planung ausgegangen, wonach der Altbau abgebrochen wird.

Stadtrat und Verwaltung hatten, obwohl das Bürgerbegehren mit 2500 Unterzeichnern die erforderliche Sechs-Prozent-Hürde genommen hatte, die Durchführung eines Bürgerentscheids Ende März abgelehnt. Begründung: Die gestellten Fragen und Teile der Begründung genügten den rechtlichen Anforderungen nicht, wie Jurist Jürgen Montag seinerzeit sagte.

Die Ablehnungsgründe der Stadt im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht reichten von der angeblich fehlenden Weisungsbefugnis der Stadt in Bezug auf die SWG-Aufsichtsräte über die mangelnde Denkmaleigenschaft des Alten Krankenhauses und angeblich falsche Angaben der Bürgerentscheidsbegründung bis zu bereits verbauten oder verplanten Millionen, die bei einer nötigen Umplanung möglicherweise in den Sand gesetzt wären. All dies beeindruckte das Gericht nicht.

Montag räumte die Niederlage vor dem Verwaltungsgericht ein. Die Stadt werde die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, die innerhalb von zwei Wochen vorliegen soll, und dann entscheiden, ob sie Berufung zum Verwaltungsgerichtshof München versucht oder den Bürgerentscheid durchführt. Das müsste innerhalb von drei Monaten nach Rechtskraft geschehen.

Grünen-Stadtrat Marc-Dominic Boberg freute sich am Donnerstag „riesig“ über den Ausgang des Verfahrens. Es zeige sich, dass Stadtratsmehrheit und Verwaltung Volkes Stimme in dieser Sache zu Unrecht ignorieren wollten. Rechtsanwalt Jochen Hofmann-Hoeppel übte sich in einem Verriss sämtlicher Gründe, welche die Stadt gegen den Volksentscheid angeführt hatte. Die Konsequenz aus dem Urteil sei, dass mit Inkrafttreten nichts mehr entschieden und vollzogen werden dürfe, was das Ergebnis eines Bürgerentscheids gefährden würde. Die Stadt solle sich einen Baustopp überlegen. Er sehe außerdem gute Gründe, dass der Bebauungsplan bei Weiterführung der beiden anhängigen Normenkontrollklagen für unwirksam erklärt werden könnte – „dann ist auch die Baugenehmigung weg“.

SWG-Geschäftsführer Alexander Förster wünschte sich, dass die bestehenden Pläne realisiert werden. Falls ein Bürgerentscheid den Erhalt des Alten Krankenhauses ergäbe, müsse umgeplant werden. Die SWG habe bisher nichts unternommen, was den Erfolg eines Bürgerentscheids vereiteln könnte.

Die Linke-Stadtratsfraktion begrüßte das Gerichtsurteil. „Das ist eine richterliche Watschn für Ex-OB Grieser, ihren Juristen Montag und alle Stadträte, die basisdemokratische Elemente in teils arroganter Manier für überflüssig hielten“, so Fraktionschef Frank Firsching.

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan Sauer
    
    

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Die neuesten Kommentare

rolandschwab (93 Kommentare) am 01.10.2010 00:38

An chs!

bitte berücksichtigen Sie, dass Marc-Dominic Boberg und ich uns mit diesem Bürgerbegehren/-entscheid nicht gegen den Gesundheitspark engagiert haben, weil wir die demokratische Entscheidung des Stadtrates für dieses Projekt zwar bedauern, aber akzeptieren!
Wir engagieren uns für den Erhalt eines schützenswerten Gebäudes, also nun für die Integration des alten Krankenhauses in das Projekt Gesundheitspark.
Es wäre schön wenn sie sich auf der Homepage www.altes-staedtische-Krankenhaus.de unter Argumente die Informationen über das Krankenhaus Freiberg in Sachsen ansehen würden. Dem Architekturbüro Mann und Partner in München und Laupheim ist es hier sehr gut gelungen, ein verblüffend ähnliches Krankenhaus aus dem Jahr 1930 mit einem erheblichen Neubaukomplex zu erweitern, bei Erhalt des alten Gebäudes der Neuen Sachlichkeit.
Wir sind der Meinung unser Ansatz ist positiv, bei Bewahrung alter hochwertiger Architektur und Nutzung neuer Möglichkeiten durch einen Neubau
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hw (20 Kommentare) am 30.09.2010 20:24

Gericht stärkt die Rechte der Bürger

Ich begrüße das Urteil des VG Würzburg, dass das von den Grünen in Schweinfurt initiierte und von 2500 Bürgern unterstützte Bürgerbegehren entgegen den Aussagen der Stadtjuristen und ihrer Rechtsbeistände zulässig ist. Ich habe diese Auffassung auch in der öffentlichen Stadtrats¬sitzung am 23. März dieses Jahres vertreten. Immerhin haben sich, mich eingeschlossen, 12 von 39 Stadträten von der 6 DIN-A4-Seiten umfassenden Begründung nicht irritieren lassen und für die Zulassung des Bürgerbegehrens gestimmt. Die Ex-OB Grieser hätte gut daran getan, sich zur Stärkung des Bürgerinteresses an der Politik für die Zulassung des Bürgerbegehrens einzusetzen und in der Folge die Bürger umfangreich über die negativen Folgen eines Baustopps aufzuklären. Stattdessen hat sie die Aussagen von Stadtrat Boberg als polemisch und falsch bezeichnet. OB Remelé ist gut beraten, seine bislang wesentlich offenere Informationspolitik fortzusetzen und auf die Gefährdung der Entstehung des im Bau befindlichen Gesundheitsparks hinzuweisen, eine Sisyphusarbeit, die ihm seine Amtsvorgängerin in ihrer Selbstherrlichkeit eingebrockt hat.
Dr. Herbert Wiener, Stadtrat
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chs (24 Kommentare) am 30.09.2010 19:13

Zurück aus der Zukunft

Es ist bedrückend zu erleben, mit welchen Argumenten das moderne Schweinfurt sich ab sofort nicht mehr weiterentwickeln soll: lieber alles beim alten lassen, im wahrsten Sinne. Und auch Gewerkschaftler sind nicht für neue Arbeitsplätze und ein modernes Gesundheitswesen, sie wollen auch nichts mehr verändern.
Man kann nur froh sein, dass sich OB Grieser und die Verwaltung in den letzten 18 Jahren nicht dem Althergebrachten verpflichtet fühlten, sondern für ein modernes Schweinfurt gesorgt haben.
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