publiziert: 13.12.2011 15:42 Uhr
aktualisiert: 13.12.2011 16:16 Uhr
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Altes bewahrt und sich Neuem geöffnet

Die Errichtung des Evangelischen Gemeindezentrums mit der Erlöserkirche als Herzstück geht dem Ende entgegen
  • Vorfreude aufs neue Gemeindezentrum: Das evangelische Pfarrersehepaar Anja Saltenberger-Barraud und Jean-Pierre Barraud mit seinen Kindern Philipp und Amelie vor der denkmalgeschützen Erlöserkirche, deren Erscheinungsbild sich vor allem im Innern verändern wird, und dem neuen modernen Gemeindehaus, das das abgerissene Gebäude ersetzt hat.
    Foto: Norbert Vollmann
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Von außen alt und innen neu – so lässt sich nach Aussage des Pfarrerehepaars Jean-Pierre Barraud und Anja Saltenberger-Barraud, das sich die Pfarrstelle in Gerolzhofen teilt, am ehesten auf einen Nenner bringen, was mit der 1923 eingeweihten evangelischen Erlöserkirche passiert ist. Sie bildet zusammen mit dem neuen, modernen Gemeindehaus das Herzstück des künftigen Evangelischen Gemeindezentrums an der Ecke Dreimühlenstraße/Nördliche Allee.

Die Marschrichtung hatte Pfarrer Jean-Pierre Barraud bei den Planungen vorgegeben, als er betonte: „Kirche kann, darf und muss sich verändern und sich dem anpassen, was für sie künftig notwendig sein wird. Dadurch bleibt sie lebendig und interessant.“ So machte man sich getreu der Devise „Das Alte bewahren und sinnvoll mit Neuem verbinden“ in der Gemeinde mit ihren 1600 protestantischen Seelen in Gerolzhofen und dem Umland ans Werk.

Auch wenn das neue Gemeindezentrum künftig in vielfältiger Weise genutzt werden kann und damit buchstäblich für die Öffnung steht, so steht die liturgische Funktion nach wie vor im Vordergrund.

Das äußere Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gotteshauses hat sich bis auf die Fenster, die neuen Dachziegel und die gereinigten Außenmauern nicht verändert. Das Innenleben ist jedoch neu interpretiert worden. Und anstelle des abgerissenen Gemeindehauses aus dem Jahr 1961/1962 steht nun ein Neubau, der einer lebendigen und offenen Kirchengemeinde architektonischen Ausdruck verleiht.

Dadurch verfügt die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Gerolzhofen jetzt über ein kompaktes und vielseitiges Gemeindezentrum für Begegnungen aller Art unter dem Motto „Kultur und Kirche“.

Die Übergänge sind dabei fließend, und dennoch sind Abgrenzungen möglich. Die Kirche wird auch zukünftig klar als sakraler Raum erkennbar sein. Dennoch können darin durch die jetzt sehr flexiblen Nutzungsmöglichkeiten auch größere kirchengemeindliche, kulturelle und andere Veranstaltungen stattfinden.

Möglich wurde dies durch die Bestuhlung des Kirchenraumes. An hohen Feiertagen, wenn viele Menschen in die Kirche kommen, kann der Raum zusätzlich um das Foyer mit seiner Galerie erweitert werden.

Neue liturgische Mitte

Durch die Drehung des Kirchenraums, er ist jetzt nicht mehr nach Osten, sondern nach Süden ausgerichtet, entsteht eine neue liturgische Mitte. Altar, Taufschale und Ambo (Lesepult) sind aus Eiche und Messing geschaffen. Beide Materialien verbinden sich sowohl mit der neuen Architektur als auch mit dem historischen Kirchenbau.

Diese so genannten Prinzipalstücke stammen wie die Glas-Stelen und die Eingangsfassade von dem Allgäuer Künstler Christian Hörl. Die architektonische Umsetzung des Projektes oblag dem Volkacher Architekturbüro von Reinhold Jäcklein. Begleitet und maßgeblich unterstützt wurde die Baumaßnahme vom landeskirchlichen Baureferat mit Architekt Dieter-Lothar Adam an der Spitze und vom Kunstreferenten der Landeskirche in München, Kirchenrat Helmut Braun.

Was wäre ein Leben ohne Ungewissheit? Dies ist die zentrale Frage der Textinstallation des Allgäuer Künstlers Christian Hörl für die neue Eingangsfassade. Diese eigentlich religiöse Frage wird mit dem sakralen Inneren des Gebäudes beantwortet. Bei den auf Glas gedruckten Texten handelt es sich um Fragmente aus Erzählungen, die Fragen stellen über unser Sein in der Welt.

Als sprachliche Antwort stehen auf dem neuen Altar die Worte: ICH BIN. Sie stehen als Verweis auf die „Ich bin-Sätze“ der Bibel, wie „Ich bin das Licht der Welt“. „Sie stehen aber auch als Erinnerung an unser Erschaffen-Sein, an unsere einmalige Existenz auf dieser Welt“, sagt Hörl.

Um den Altar und die neue Ausrichtung der Bestuhlung mit der alten Kirche in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, wurden zwei mit Siebdruck gestaltete Glasstelen Hörls hinter dem Altar vor den Fenstern angebracht. Sie geben dem Altar eine starke Verankerung im neuen Gesamtraum.

Für den Kunstreferenten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Helmut Braun, hat sich buchstäblich der ganze Kirchenraum der Erlöserkirche „empfangend geöffnet“, um ein neues Gemeindezentrum aufzunehmen. Im Inneren entstehe eine fast spielerische Spannung aus neuen und alten Raumformen, aus transparenten und bergenden Raumhüllen, aus Profanität und Sakralität, aus Räumen und Zwischenräumen. Helmut Braun: „Ideale Orte für ein lebendiges Gemeindeleben.“

Einweihung am 29. Januar geplant

Die Einweihung der neuen Erlöserkirche mit dem Regionalbischof Christian Schmidt aus Ansbach ist am Sonntag, 29. Januar 2012, um 9.30 Uhr geplant. Damit wird zugleich das „Kirchenasyl“ zu Ende gehen, das der evangelischen Kirchengemeinde von der katholischen Pfarrei seit Juli 2010 in der Spitalkirche gewährt wird.

    
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Von unserem Redaktionsmitglied Norbert Vollmann
    
    

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