aktualisiert: 10.09.2010 15:44 Uhr
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SENNFELD
An seinem Moped ist alles noch „uroriginal“
Serie „Meine Maschine und Ich“: Peter Brandt und sein Sachser ohne Pannen
Er ist 63 Jahre, sein „Moped“ sechs Jahre jünger. Und für den 98er-Sachser gilt: Er rollt und rollt und rollt.
Der Sennfelder Peter Brandt, Präsident des „98er-Club Sennfeld“, ist erst Mitte der 1990er Jahre auf das Moped gekommen. Der „Express“ samt Soziussitz stammt aus dem Jahr 1953. Angeschafft hatte ihn der Schwiegervater, der auf die Dienste des Sachsers verzichtete, als er sich ein Auto leisten konnte. Das Motorrad blieb in der Garage. Als die Mitte der 1980er Jahre geräumt werden musste, nahm Peter Brandt die Maschine und stellte sie in seiner Garage unter. Dort blieb der Sachser nochmal zehn Jahre, bis ihn ein Schwager entdeckte, der für das Textilhaus „Severin“ arbeitete.
Der „98er“ wurde abgeholt, aufpoliert und wanderte erstmal als Dekoration in das Schaufenster des Würzburger Bekleidungshauses. Blitzblank gereinigt kam es nach Wochen zu zurück. Und eines Tages am Stammtisch erfuhr Brandt, dass ein „Kumpel“ auch einen Sachser hat. Damit war die Idee für gemeinsame Ausfahrten geboren.
Seit 1992 sitzt Brandt im Sommer fast jeden Sonntag auf dem Motorrad. Und noch niemals habe die Maschine nicht funktioniert. Den Motorblock hat er all die Jahre nicht geöffnet. „Alles ist noch uroriginal“, sagt er, selbst Kette und Zündkerze. An die Technik lässt er keinen ran. Nur wenn es sein muss, wird er wohl irgendwann einmal den Motor aufschrauben lassen. Und die Kollegen vom 98er Club würden jedes Wochenende darauf warten, dass auch einmal die Maschine des Präsidenten streikt, sagt er. 1996 gründeten Sachserfans aus Sennfeld den Club, der heute 26 Mitglieder auf 26 Sachsern hat. Bis nach Erntedank fahren sie jeden Sonntag auf Tour. Im Winter steht der Sachser von Brandt in der Garage. „Doch wenn ich ihn im Frühjahr antrete, dann läuft er, läuft und läuft.“ Das muss er auch, schon weil seit 2002 alljährlich eine Viertagesfahrt auf dem Programm steht. Die erste ging nach Seibis, wo die Firma Sachs einst ein von Betty Sachs gegründetes Erholungsheim hatte, in dem die Testfahrer Station machten. 2002 hatte der Club dazu auch Gunter Sachs eingeladen. Der entschuldigte sich wegen eines Aufenthalts in den USA, schrieb aber einige anerkennende Zeilen an die Clubmitglieder. Das Schreiben hat Brandt noch, und er ist stolz darauf.
Von den Aus- und Sternfahrten bis zur Mosel oder nach Bad Füssing schwärmt Brandt. Bis zu 20 Sachser sind dann gemeinsam unterwegs. Überall würden sie mit Begeisterung empfangen, sagt er, und: „Wenn wir zum Motorradgottesdienst nach St. Michael in Schweinfurt kommen, applaudieren sogar die Harley-Fahrer.“ Heuer haben die Oldtimer-Fans, die sich in der Umgebung kein Treffen der vierrädrigen Veteranen entgehen lassen, erstmals beim Schweinfurter „Toy Run“ beteiligt – bei der Ausfahrt der Motorradfahrer zum Kinderheim nach Oberlauringen. Die Sachser waren die Vorhut, wussten nicht, dass die Motorradfahrer Überraschungen für die Kinder mitbrachten. „Klar“, sagt Brandt, „im nächsten Jahr stehen wir nicht mit leeren Händen vor den Kindern.“ Auch wenn das „Uroriginal“ nach wie vor klaglos alle Touren und auf der Ebene 50 Stundenkilometer meistert, hat sich Brandt Gedanken über Ersatzteile gemacht. Die seien, wenn es überhaupt noch welche gibt, mitunter ganz schön teuer. Doch untereinander tausche man Adressen, kenne immer jemanden, der hilft und bastelt.
Die beiden Motorvarianten mit 2,25 (Vorkriegsmodell) und 2,75 PS (nach 1945) seien robust. Nur die Lager im Messingkäfig seien nur noch schwer zu ordern. Deshalb freut sich der Verein über jeden, der einen vergessenen Sachser, dessen Motor von 1932 bis 1956 gebaut wurde, in der Scheune stehen hat und ihn abgeben will. Was seine Maschine angeht, ist Brandt Optimist. Seit 1996 hat er rund 10 000 Kilometer auf dem Sachser zurückgelegt, pannenfrei. Gewechselt hat er bislang nur die Reifen und das auch erst einmal. Die sind nicht mehr „uroriginal“, sagt er. Die Zündkerze aber schon.
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