publiziert: 27.11.2009 17:55 Uhr
aktualisiert: 27.11.2009 18:04 Uhr
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Auch Schüler sind jetzt „laut“

Rund 600 Teilnehmer beim Protest – Kernforderung: mehr Geld für Bildung

„Wir sind hier, und wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“. Immer wieder intonierten die rund 600 Teilnehmer der Demo Schweinfurter Schulen für mehr Bildung und Mitspracherecht in den Schulen diesen Slogan. Bei der Schlusskundgebung auf dem Martin-Luther-Platz waren auch alle Redner laut, ließen es an Deutlichkeit nicht fehlen. Lohn war viel Jubel und Beifall.

  • Rund 600 Schüler forderten mit einem Protestmarsch die Politik auf, mehr Geld in die Bildung zu stecken. Der Zug startete am Humboldt, am Martin-Luther-Platz fand eine Schlusskundgebung statt.
    FOTO Laszlo Ruppert
Bild von

„Damit Bildung keine Blödung wird“. Bewusst provozierte die Schweinfurter Schülervertretung als Veranstalter mit diesem Motto, und auch die Forderungen auf den Plakaten sprachen Klartext: „Hohlmeier und Stoiber sind weg, warum ist das G8 noch da?“, „Mein Zuhälter bezahlt mir mein Studium“, „Reiche Eltern für alle“, „Zeit für Bildung statt Leistungsdruck“.

Der Protestzug war am Humboldt-Gymnasium kurz nach 13 Uhr mit rund 250 Schülern gestartet. Er wuchs an jeder passierten Schule an, Olympia-Morata-Gymnasium, Rathenau-Schulen, Sattler-Realschule, am Ende Celtis-Gymnasium. Unterwegs gesellten sich Vertreter von ÖDP, Linken, SPD, Grünen, etliche Stadträte darunter, Gewerkschafter von IG Metall und ver.di, die Arbeitsloseninitiative Sali sowie normale Bürger hinzu, zeigten ihre Solidarität, die Linken-MdB Klaus Ernst per Mail ausdrückte.

Über Roßmarkt ging es durch die Spitalstraße, mitten durch die Weihnachtsbuden am Markt zum Luther-Platz. Autofahrer warteten unterwegs geduldig den von der Polizei und Schüler-Ordnern gesicherten Marsch ab, Passanten klatschten Beifall, jeder Befragte erklärte, dass die Studenten- wie „endlich auch“ die Schülerproteste berechtigt sind.

    
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Schüler-Demo
Schweinfurt
27.11.2009
    

Dekan Oliver Bruckmann, auch er Zuhörer, hatte die Treppe zum Dekanat als Bühne freigegeben. Ulrike Eifler von der DGB-Jugend sprach von einem G 8-Desaster und animierte zum Weitermachen. In Hessen habe der Straßenkampf bewirkt, dass die Studiengebühren dort weg sind. „Die Bewegung muss breiter werden, was Hessen schafft, schaffen wir in Bayern auch“, rief sie in die begeisterte Menge. Auch die in Schweinfurt lebende Juso-Landeschefin Marietta Eder forderte das Ende der Studiengebühren und die Gesamtschule, weil die den Leistungsdruck und Horror schon in den Grundschulen nehme.

Daniel Friedrich von der IG Metall nannte Protest „den richtigen Weg“. Die Verhältnisse im Bildungsbereich seien alles andere als gut. Weil aber die „Jugend die Zukunft von Deutschland ist“, forderte er die Politik zu Taten, sprich mehr Geld, statt zu „Sonntagsgeschwafel“ auf. Viele IG Metaller wären gerne gekommen, sie müssten arbeiten, seien aber in großer Zahl solidarisch.

Die Celtis-Schüler Linus Freund und Sean Keller, letzterer SSV-Chef und in der Landesschülervertretung engagiert, brachten die Schülerforderungen auf den Punkt: Reform des G 8, das 28 Prozent mehr Unterricht habe als das G 9 und keine Zeit mehr für soziales Engagement außerhalb der Schule lasse; keine Propaganda-Möglichkeit der Wirtschaft in Schulen; mehr Demokratisierung und Mitentscheidungsrecht in den Schulen; Abitur nach Begabungen; Grundschule bis zur sechsten Klasse; Aufwertung der Haupt- und Realschulen. Und vor allem: mehr Geld für die Bildung. Norwegen oder Finnland machten das mit Erfolg vor. „Schweinfurt darf nur der Anfang sein“, sagte Hanna Pfeuffer vom OMG, Antwort waren laute Schüler, die den Slogan intonierten.

Von unserem Redaktionsmitglied Hannes Helferich
    
    

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Die neuesten Kommentare

all (121 Kommentare) am 28.11.2009 17:55

Humboldt`s Ideale wurden verkauft...

Abschied von Humboldt - Prostituierung für das private Geld-Kapital

Gegenstand der Proteste sind u.a. die Einführung von G8, Studiengebühren,Nachhilfe, Zulassungsbeschränkungen und der Abbau von Professorenstellen.Die Rücknahme der Bachelor-Master-Ausbildung und die Wiedereinführung eines wissenschaftsorientierten Diplom-Studiums

Die Völker Europas haben sich die Unabhängigkeit der Universitäten von religiösen und anderen Mächten über Jahrhunderte erkämpft. Die Professoren konnten frei von marktwirtschaftlichem Druck forschen und lehren. Sie wurden von der öffentlichen Hand finanziert, und ihre Forschungsergebnisse wurden veröffentlicht. Diese gehörten der Allgemeinheit.

In den letzten zehn Jahren hat die «unsichtbare Hand des Marktes» im Gewand von «Fortschritt und Modernisierung» die Wissenschaft und Forschung der Universitäten in ihren Dienst genommen und damit die relative Autonomie von Wissenschaft und Bildung dauerhaft untergraben. Damit ist eine grundsätzliche Abkehr vom humanistischen Humboldtschen Bildungsideal vollzogen.

Mit dieser Reform wurden die verschiedenen, historisch gewachsenen Bildungssysteme Europas und Deutschlands (Exportweltmeister) grundlegend umgekrempelt, vereinheitlicht und dem amerikanischen System angepasst.«Bologna» wurde in den letzten zehn Jahren ohne demokratische Diskussion, ohne rechtliche Legitimation und gegen den Willen der meisten Professoren, Studenten, Berufsverbänden einfach umgesetzt.
Der Reform ging nach bewährtem Muster eine Diffamierungskampagne gegen die gewachsenen und bewährten Strukturen voran.
Die Universitäten müssen gemäß dieser feudalen Finanz-Kreise zu Privatunternehmungen werden, die Kenntnisse innerhalb einer globalisierten Ökonomie des Wissens produzieren und verkaufen.

Hochschulen à l’américaine WTO,GATTs-Verträge
Die anglo-amerikanische Hochschullandschaft wird von der «Ivy League» dominiert. Das sind acht private amerikanische Elite-Universitäten, die alle einen sozialen Auslesemechanismus praktizieren und den Fortbestand der amerikanischen Elite gewährleisten. Jede einzelne verfügt über Mittel, die dem Kapital einer multinationalen Firma entspricht.

Feudalismus=Privatisierung versus Aufklärung
Da das ganze Studium der Marktlogik unterworfen wird, steht alles unter enormem Zeitdruck. Zudem werden die Studiengebühren laufend erhöht, was dazu führt, dass, wie in der USA, sich nur noch Begüterte ein Studium leisten können.Das ganze «Bologna»-System soll die weniger Privilegierten wieder nach unten zwingen, wohin sie nach Ansicht der Eliten gehören. Dies steht im Widerspruch zur Sozialstaatsbindung des Grundgesetzes vgl. Art 20 , Art 3, Art 15 GG

Das neue System ist pyramidal und autoritär und durch und durch undemokratisch. Es ist planwirtschaftlich wie die EU-Bürokratie von oben her aufgedrückt und orientiert sich nirgends am Menschen, sondern an den Regeln der imperialen Finanz-Oligarchie.

> http://www.politonline.ch/?content=news&newsid=1370
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