aktualisiert: 15.09.2010 15:28 Uhr
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SCHWEINFURT
Auf den richtigen Druck kommt es an
Serie „Meine Maschine und Ich“: Hans Georg Schmidt und die große Presse der Radiergruppe
Es ist Mittwoch Spätnachmittag, in Kürze kommen die Radierer – wie jeden Montag und Mittwoch um diese Zeit – in ihre Werkstatt in einem Hintergebäude in der Dittelbrunner Hauptstraße. Wie immer ist Hans Georg Schmidt, den die anderen nur HG nennen, als erster da.
Seit 2006 ist der Bruchdrucker Leiter der Radiergruppe. aber schon vorher, zu Lebzeiten der fast legendären Eschrat Tellert, die die Künstlergruppe 1980 gegründet hatte, war HG Schmidt für die Technik zuständig, vor allem für das Herz der Werkstatt, die große Presse.
Bevor die Gruppe kommt, stellt er die Presse ein und niemand käme auf die Idee, im Laufe eines langen Arbeitsabends daran etwas zu ändern. Eigentlich ist die Presse recht einfach konstruiert. Um richtig gute Ergebnisse zu erzielen, muss der Anpressdruck, mit der die große Rolle über die Druckvorlage gleitet, exakt stimmen, sagt Schmidt. Dazu dreht er ein bisschen an den zwei großen Rädern. Wie viel? Nach Gefühl, sagt er.
Traditionell gegautscht
Schmidt muss es wissen. Seit fast 50 Jahren ist er Drucker. Als 14-Jähriger hat er seine Lehre als Bruchdrucker bei der Firma Weppert begonnen. Damals wurden die fertigen Lehrlinge noch gegautscht (so nannte man das Pressen des feuchten Papiers), also auf einen nassen Schwamm gesetzt und in einem Wasserzuber als Jünger Guttenbergs getauft. Später hat Schmidt eine Lehre als Offset-Drucker drangehängt und seinen Meister gemacht.
Irgendwann wuchs das Bedürfnis, sich mit diesen Fähigkeiten auch künstlerisch auszudrücken. HG Schmidt meldete sich bei Eschrat Tellert an, die kurz vorher die Radiergruppe der vhs ins Leben gerufen hatte und stieg schon bald zu ihrem technischen Assistenten auf.
Anfangs hatte die Gruppe nur eine kleine Presse, die es immer noch gibt. Um richtig gut zu drucken, legten die Radierer zusammen und kauften mit Unterstützung von Stadt und Landkreis die große „Maschine“, mit der es fortan möglich war, hochwertige Drucke zu machen. „In dieser Größe und Qualität gibt es nichts vergleichbares in unserer Gegend“, sagt Hans Georg Schmidt nicht ohne Stolz. Er selbst übernahm von Anfang an Wartung und Pflege.
Vor gut einem Jahr musste er das gute Stück zerlegen und mit Hilfe einiger starker Männer transportieren. Wie bekannt, musste die Radiergruppe damals aus ihren angestammten Räumen in der Robert-Koch-Straße ausziehen. Weil sie im neuen vhs-Gebäude in der Schultesstraße keinen Raum bekamen, machte sich die Gruppe selbstständig und mietete sich in Dittelbrunn ein. Herzstück der „Schweinfurter Radierwerkstatt“ ist die große graue Presse, an der die unterschiedlichsten Arbeiten gedruckt werden.
Alle 15 Radierer sind inzwischen sehr erfahren, arbeiten selbstständig, reflektieren gemeinsam über ihr Werk. „Aber niemand von uns ist so gut wie die Eschrat“, sagt Hans Georg Schmidt und seine Augen leuchten, wenn er von der Frau erzählt, die auch vier Jahre nach ihrem Tod noch immer das große Vorbild der Gruppe ist. Bis heute hängen Arbeiten von ihr wie selbstverständlich an der Wand, an der die jeder seine besten aktuellen Werke hängt.
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