publiziert: 30.06.2011 17:13 Uhr
aktualisiert: 30.06.2011 17:18 Uhr
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Behindertenbeirat kritisiert die Stadt

Beirat kritisiert das Rathaus wegen fehlender und verschlossener Behindertentoiletten

Deutliche Worte kamen von German Saam, Vorsitzender des Behindertenbeirats, am Mittwochabend im großen Sitzungssaal des Rathauses vor vielen leeren Stühlen und einer gänzlich unbesetzten Zuhörerempore. Durch Abwesenheit glänzten auch die Vertreter der Stadt. Oberbürgermeister Sebastian Remelé, Bürgermeister Otto Wirth und Sozialreferent Jürgen Montag hatten sich entschuldigt.

Gerade einmal 15 Mitglieder der Wohlfahrtsverbände, der sozialen Einrichtungen, der Vereine und Organisationen waren erschienen. Themen waren: Der Notstand bei den Behindertentoiletten in der Stadt, die Grünphasen an den Ampeln, der ausgedünnte Behindertenfahrdienst durch den Wegfall der Zivildienstleistenden, Barrieren im öffentlichen Raum, ein Ausbau der Angebote für Senioren mit Handicap, Mängel beim Stadtbus und der Bahn sowie das Überthema „Inklusion“ – also der „Einschluss“ aller in den Alltag.

Zu kurze Grünphasen an belebten Kreuzungen haben mehrere Institutionen ausgemacht. Der Beiratsvorstand will sich nun per Antrag an den Stadtrat die nötigen Unterlagen besorgen und anschließend Verbesserungsvorschläge erarbeiten.

Als untragbarer „Zustand“ wurde das Fehlen öffentlicher Toiletten für Behinderte in der Stadt eingestuft. Streng genommen stehe nur eine Toilette, die am Roßmarkt, zur Verfügung, meint der Beirat. Stets abgeschlossen sei jene in der Schultesstraße (gegenüber der Heilig Geist Kirche). Saam stufte die Argumente der Stadt, die sich vor allem auf Kosten durch Vandalismus beziehe, als „lächerlich“, „nicht nachvollziehbar“ und als Ausreden ein.

„Die Stadt will sparen“

Durch den Einbau eines Euro-Schlosses sei der Benutzerkreis einzuschränken, Beschädigungen auszuschließen, meinte Saam. Doch die Stadt wolle dies nicht, wolle sparen. Auf diese nötige Investition habe die Stadt selbst bei der neuen behindertengerechten Toilette am Baggersee verzichtet. Ähnlich stelle sich die Situation am nur von einer Seite zugänglichen „Eck“ am Waldspielplatz dar. Die Behindertentoiletten im Rathaus und in der Volkshochschule stünden nur sehr bedingt zur Verfügung - zu den Öffnungszeiten. Außerdem seien nur Eingeweihten diese Möglichkeiten bekannt. Hinweisschilder seien nicht montiert.

Kümmern wird sich ein Arbeitskreis um den Behindertenfahrdienst, den die Wohlfahrtsverbände abspecken müssten, weil sie keine „Zivis mehr haben. Über kurz oder lang bleibe wohl nur noch das Rote Kreuz, allerdings auch nur noch bis 20 Uhr. Wie die Vereinsmitglieder von ihren Versammlungen und sonstigen Treffen heimkommen, ist zu klären. Reden will man mit Krankenkassen und Taxifahrern.

Ein Dauerthema ist die Barrierefreiheit in der Stadt. Der Beirat will den Stadtrat auf nötige wie mögliche Verbesserungen hinweisen.

Ein „Mangelhaft“ gab es zur Behindertenfreundlichkeit der Stadtbusse, die bis Herbst zu 98 Prozent mit Rampen für die Rollstuhlfahrer ausgestattet sein sollen. Bislang haben Mitglieder des Beirats die Erfahrung gemacht, dass die Busfahrer nicht die Zeit hätten oder sich nehmen würden, um die Hilfen auszuklappen. Technisch seien die Fahrer geschult. Jetzt müsste sich noch deren Einstellung ändern, ist gefordert. Verspätungen oder gar Taktverschiebungen würden nicht drohen, hieß es übereinstimmend. Die zwei Minuten seien gegenüber der Zeit im alltäglichen Stau zu vernachlässigen.

Demonstration der Rollstuhlfahrer

Kritik gab es an der Bahn, vor allem am Hauptbahnhof. Gefordert sind Aufzüge an den Bahnsteigen. Sollte Schweinfurt weiterhin auf der Dringlichkeitsliste ganz hinten stehen, will der Beirat die Öffentlichkeit mobilisieren, etwa mit einer Demonstration der Rollstuhlfahrer.

In Sachen Inklusion wird es eine Arbeitsgruppe geben, die das Überthema auf die Schweinfurter Belange herunterbrechen soll. Anvisiert ist bereits ein Inklusionsfest für das kommende Frühjahr. Präsentieren sollen sich auf dem Marktplatz die Behindertenvereine, die Wohlfahrtsverbände und die Selbsthilfegruppen.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerd Landgraf
    
    

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