publiziert: 27.04.2009 18:30 Uhr
aktualisiert: 27.04.2009 18:34 Uhr
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Best of Hierling

Die Sammlung Expressiver Realismus öffnet mit der Kunsthalle am 28. Mai

Was halten Sie davon, wenn wir dieses Porträt ein wenig nach links rücken und das andere wegnehmen?“ Die Atmosphäre zwischen den beiden Herren im Untergeschoss der Kunsthalle ist sehr höflich und erstaunlich entspannt angesichts der schwierigen Aufgabe, aus 350 Gemälden, die alle an der Wand stehen, maximal 130 auszuwählen und so zu hängen, dass die Besucher „gepackt“ werden und gleichzeitig einen Überblick über die Zeit erhalten, die „Expressiver Realismus“ genannt wird.

Bei den beiden Herren handelt es sich um den Hausherren Erich Schneider und Joseph Hierling, der im Lauf seines Lebens rund 500 Werke der in ihrer Bedeutung lange unerkannten Maler gesammelt hat, die heute auch von den großen Museen der Welt gezeigt werden. Hierling stellt seine gesamte Sammlung (in einer ersten Fuhre kamen 355 Werke) der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die wichtigsten, das „best of“ sozusagen, werden in dem fast 400 Quadratmeter großen Raum dauerhaft gezeigt. Der Rest wandert ins Depot und dient als Fundus für eine Wechselausstellung jährlich im benachbarten Ausstellungsraum, dem so genannten Umgang.

Zur Eröffnung der Kunsthalle werden beide Räume bespielt mit den Malern, die für den Expressiven Realismus programmatisch sind, wie es Schneider formuliert. Da der Besucher das Untergeschoss über zwei Treppenräume betreten kann, braucht es auch zwei prominente Entrees. Auf der einen Seite wird – das steht jetzt schon fest – eine ganze Wand mit wirkungsvollen Werken von Walter Becker bestückt. Ihm gegenüber, quasi als Antwort, Fritz Gartz, dessen „Mädchen im Sessel“ besonders beeindruckt und – obwohl viel kleiner – ein starker Nachbar ist zum großformatigen „Selbstporträt lesend“.

Alle Blickachsen brauchen an ihrem Ende so starke Gemälde, da sind sich Schneider und Hierling einig. Dem Sammler fällt das Aussortieren nicht leicht. Zu jedem Bild könnte er eine Geschichte erzählen, er schätzt ihre Qualität, jedes einzelne hat er selbst verpackt für die Reise nach Schweinfurt. Aber auch er weiß, wie wichtig es ist, Gruppen mit mindestens zwei bis drei Bildern pro Künstler zu bilden, nicht nur einen „Gemischtwarenladen querbeet“ zu zeigen.

Die zwei Kabinette im Hauptraum sind mit Franz Frank und Albert Schiestl-Arding natürlich auch zwei wichtigen Vertretern gewidmet. Blickpunkt auf der einen Seite Franks wunderbares „Interieur mit Weintrinker“, auf der anderen Seite das Selbstporträt eines traurig blickenden Schiestl-Arding. Er starb schon 1937, Frank 1969, beide wurden Ende des 19. Jahrhunderts geboren. Später hat man sie und die vielen anderen in dieser Zeit geborenen Künstler die „verschollene Generation“ genannt, weil sie Kriege und Nazidiktatur erleben mussten und dann – falls sie überlebten – gegen den Zeitgeist der Abstraktion malen mussten und lange Zeit unerkannt blieben.

Die Sammlung ist ab 28. Mai geöffnet.

Von Katharina Winterhalter
    
    

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