publiziert: 13.11.2011 16:52 Uhr
aktualisiert: 13.11.2011 16:54 Uhr
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Das Recht auf Unvollkommenheit

„Seht her, ich bin's“: Fotoausstellung des „Forum lebensArt“ zum Thema Inklusion
  • Fotografin Alexandra Schneider sagt: „Mit Fotos will ich zeigen, dass ein behinderter Mensch genauso freundlich und liebenswert ist, wie ein nicht behinderter.
    Foto: Peter Klopf
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„Seht her, ich bin's“ heißt eine Fotoausstellung des „Forum lebensArt“, die am Freitag im Schweinfurter Landratsamt eröffnet wurde. Mit 24 großformatigen Farb- und Schwarz-Weiß-Fotos zeigte die in Großwenkheim bei Münnerstadt beheimatete Fotografin, Alexandra Schneider, Porträtfotos von Kindern mit Behinderung, die sie in der Franz-von-Prümmer-Schule der Lebenshilfe Bad Kissingen aufgenommen hat.

Mit einer enormen Ausstrahlungskraft ziehen die Fotos den Betrachter an und fesseln ihn durch die strahlenden, entwaffnenden Mienen der Mädchen und Jungen. Sie zeigen Gesichter, die vor Lebensfreude sprühen und pure Persönlichkeit zeigen.

Die Idee zu den Fotos ist Alexandra Schneider gekommen, als sie im Bekanntenkreis immer wieder gefragt wurde: „Echt, dein Sohn ist behindert – das sieht man ihm gar nicht an.“ „Ich habe die Erfahrung gemacht“, so Schneider weiter, „dass jeder Mensch ein bestimmtes Bild von behinderten Menschen im Kopf hat. Mit meinen Fotos will ich diese Strukturen aufbrechen und zeigen, dass ein behinderter Mensch eine genauso freundliche und liebenswerte Person ist, wie ein nichtbehinderter Mensch.“

Die fotografierten Kinder seien die besten und offensten Models gewesen, die sie je hatte, sagte sie in ihrer kurzen Rede. „Seht her, ich bin's“, so ist die Fotoausstellung überschrieben, die den Auftakt zu zwei weiteren Veranstaltungen des „Forum lebensArt“ unter dem Motto „Mein Recht auf Unvollkommenheit“ bildet.

Das „Forum lebensArt“ ist ein Projekt der Diakonie Schweinfurt und der Lebenshilfevereinigungen Schweinfurt und Bad Kissingen. Dieses Projekt stellt sich den Fragen nach dem Sinn und dem Wert des Lebens und reflektiert unsere Handlungsmaßstäbe im Umgang miteinander. Besonders berücksichtigt wird dabei das Zusammenleben von Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung.

Wer darf leben - und wer nicht? Wer bestimmt, was gut ist und was schlecht ist? Dies sind nur einige Fragen, die die neuen Möglichkeiten der Bio- und Gentechnologie aufgeworfen haben. „Das Wesentliche an der Ausstellung ist, dass die Besucher der Ausstellung Impulse bekommen, über Menschen nachzudenken, die mit Behinderung in unserer Gesellschaft leben“, betonte der Koordinator des „Forum lebensArt“, Herbert Rupp.

Zur Würde und zum Wert des menschlichen Lebens gehörten auch Begrenztheit, Fehlerhaftigkeit, Verletzbarkeit und Endlichkeit. Es seien die Muster in unserem Gehirn, die wir aktivieren würden, um uns mit dem Gegenüber auseinanderzusetzen. Der (im)perfekte Mensch stelle dabei wohl eine besondere Herausforderung an unser Handeln.

„Traditionelle Bilder führen oft nicht weiter. Dazu brauchen wir neue Bilder in unseren Köpfen. Diese Fotoausstellung an einem Ort wie das Landratsamt will dazu eine Hilfe sein“, erläuterte Herbert Rupp. Fünf Stelen mit kleinen Texten, die Impulscharakter haben, unterstützen die sehr stark emotional geprägten Bilder.

Landrat Harald Leitherer sagte bei seinem Grußwort, ihm sei es wichtig, dass die Öffentlichkeit merke, es gebe Menschen mit und ohne Behinderung, die beide einen festen Platz in unserer Gesellschaft haben. Wir müssten uns alle klar machen, dass auch ein Nichtbehinderter zum Beispiel durch einen Unfall schnell zu einem behinderten Menschen werden könne.

Zu den Fotos sagte Landrat Leitherer: „Ich habe mich gewundert, als ich die Bilder sah, welche tolle Ausdruckskraft in ihnen steckt.“

Die Ausstellung ist bis einschließlich 18. November zu den Öffnungszeiten des Landratsamtes Schweinfurt zu besichtigen.

kl
    
    

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