publiziert: 29.10.2011 16:58 Uhr
aktualisiert: 30.10.2011 18:27 Uhr
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Demo am KKG: 300 protestieren für den schnelleren Ausstieg

Auf 1000 Teilnehmer hatten die Atomkraftgegner mindestens gehofft

Wie einst im Dreißigjährigen Krieg die Schweden nach Franken, so zogen sie lärmend und kampfeslustig an diesem sonnigen Samstagnachmittag von Grafenrheinfeld zum Kernkraftwerksgelände. Auf dieser langen Straße durch die sonnenüberfluteten Fluren hatten sie ihn stets im Blick, diesen Koloss aus Beton mit zwei hünenhaften Kühltürmen und der grauen Reaktorkuppel, die sogar Flugzeugabstürzen standhalten können soll. Für die „Einnahme“ des verhassten Objekts waren sie an diesem Nachmittag allerdings zu Wenige – und wohl auch zu zivilisiert.

  • Rede vom Lastwagen: Jochen Stay bei der Anti-Atom-Kundgebung; der Strom für Mikrofon und Lautsprecher wurde mittels eines Dieselgenerators erzeugt.
    Foto: Holger Laschka
  • Demozug und Störfallband: Am Ortsausgang Grafenrheinfeld sind die Kundgebungsteilnehmer durch ein fast 80 Meter langes Stoffband verbunden; es listet die über 200 bekannten Störfälle im KKG auf.
    Foto: Laschka
  • Auf dem Weg zum Kernkraftwerk: Rund 300 Demonstranten marschierten am Samstag von Grafenrheinfeld zum nahen Kraftwerksgelände, um für den sofortigen Atomausstieg zu kämpfen.
    Foto: Holger Laschka
  • Demo am Wegkreuz: Jochen Stay von „.ausgestrahlt“ war prominenter Kundgebungsredner.
    Foto: Holger Laschka
  • Kühltürme in Sichtweite: Wie ein mahnendes Fanal hatten die Kundgebungsteilnehmer die Kühltürme des KKG stets im Blick – und dazu surrten die Hochstrom-Umspannungsleitungen.
    Foto: Holger Laschka
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Rund 300 Atomkraftgegner folgten am Samstag dem Aufruf des Schweinfurter Aktionsbündnisses zum Protestmarsch „mit Pauken und Trompeten“ und anschließender Kundgebung an dem bekannten Wegkreuz in Sichtweite der Kühltürme. „Es zählt Qualität statt Quantität“, spielte Gastredner Jochen Stay von „.ausgestrahlt“ die leicht enttäuschende Beteiligung bei bestem Demowetter herunter, „ihr seid schließlich nur die Spitze des Eisberges, der laute Teil einer unzufriedenen Bevölkerungsmehrheit.“ Unzufrieden seien die Menschen mit dem „faulen Kompromiss“, dem Ausstiegsbeschluss, der sich in den Augen der Atomkraftgegner über einen viel zu langen Zeitraum erstreckt.

    
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Und der noch nicht das letzte Wort gewesen sein müsse: „Bis zur Abschaltung der letzten Reaktoren gibt es noch drei Bundestagswahlen und ganz sicher wieder nach 2020 eine Debatte um mögliche Laufzeitverlängerungen“, glaubt Stay.

Es sei deshalb wichtig, weiter für einen sofortigen Ausstieg zu kämpfen, zumal die potenzielle Gefahr eines Supergaus nach wie vor nicht auszuschließen sei. Stays Kronzeuge ist da ausgerechnet Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, der die sofortige Abschaltung des in der Einflugschneise des Münchner Flughafens gelegenen Kraftwerks Isar I damit begründet haben soll, dass es nach Fukushima nicht mehr um die Wahrscheinlichkeit eines durch einen Flugzeugabsturz verursachten Störfalls gehe, sondern um die pure Möglichkeit. „Wenn man dieser Argumentation folgt“, so Stay, „dann muss man zwangsläufig auch alle anderen Kernkraftwerke unverzüglich abschalten.“

Die bei der Kundgebung anwesenden Politiker – prominentester Gast war die Arnsteiner Landtagsabgeordnete Simone Tolle (Grüne), es waren aber auch Kommunalpolitiker der SPD vor Ort und sogar einige „Fähnchenträger“ der Piratenpartei – forderte Stay auf, sich in ihren Programmen „klipp und klar zu einem früheren Atomausstieg zu bekennen“. Eine solche Aussage könnte seiner Ansicht nach für ein kräftiges Stimmenplus bei der nächsten Wahl sorgen.

Nach dem kürzlichen Besuch des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in der Region mit dessen überraschendem Vorschlag, Atommüll bis auf Weiteres überirdisch zu lagern, war natürlich auch das Problem der Zwischen- und Endlagerung ein Thema in der Ansprache das prominenten Castor-Gegners. Stay nannte die Seehofer'sche Idee den „gefährlichsten Vorschlag von allen“, sprach gar davon, dass dieser seinen Amtseid breche, wenn er auf diese Weise eben nicht Schaden von seinem Volk abwende. Castoren seien für eine maximale Lagerdauer von 40 Jahren ausgelegt, dann müssten die verbrauchten und hoch radioaktiven Brennelemente umgepackt werden in einem höchst aufwändigen Verfahren, „von dem wir heute nicht wissen, ob unsere Nachfahren in 100 oder 200 Jahren dieses noch beherrschen...“

Das Jahr 2011 – so Stay abschließend in seiner mit viel Beifall bedachten Rede – habe gute und schlechte Nachrichten für die Anti-Atom-Bewegung gebracht. Die schlechte – ganz klar – war der Reaktorunfall von Fukushima mit seinen noch heute kaum beherrschbaren Folgen. Die gute sei trotz allem der Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung gewesen, weil er gezeigt habe, „dass sich Bürgerprotest langfristig lohnt“. Deshalb sei es wichtig, weiter aktiv zu sein, Flagge zu zeigen und nicht Ruhe zu geben, bis das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet sei.

Für das lokale Aktionsbündnis sprach Edo Günther; er wies darauf hin, dass man in Grafenrheinfeld vor dem ältesten noch in Betrieb befindlichen Reaktor Deutschlands stehe, erinnerte an die über 200 Störfälle in der bisherigen Betriebszeit, die man sehr plakativ auf einem langen, gelben Spruchband im Demonstrationszug von Grafenrheinfeld zum Kraftwerk getragen hatte. Das KKG bleibe „eine unsichere Kiste“, so Günther, der Kampf um dessen Abschaltung vor dem Plandatum 2015 müsse deshalb weitergehen. Nächster Termin der Aktivisten ist der 7. November, wenn um 18 Uhr auf dem Schweinfurter Georg-Wichtermann-Platz die Serie der Montagsmahnwachen fortgesetzt wird.


 

Von unserem Mitarbeiter

Holger Laschka

    
    

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»Alle 44 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

OPS (839 Kommentare) am 02.11.2011 16:54

Paradigmenwechsel

In der internationalen grünen Bewegung findet gerade ein Paradigmenwechsel statt. Zahlreiche namhafte internationale Grüne haben die Lager gewechselt und sind nun für die Kernenergie.
An den dogmatischen deutschen Grünen geht diese Entwicklung vorbei.
Während innerhalb der grünen Bewegung Atomkraftgegner und Atomkraftbefürworter um den richtigen Kurs streiten, reden sich die Deutschen ein sie hätten die alleinseligmachende Energieform und den Weg in die Zukunft schon gefunden.
Von einer internationalen Perspektive betrachtet wirkt die deutsche Diskussion surreal und unrealistisch.

Der britische Umweltaktivist Mark Lynas sagte bei einem Interview neulich:
"Die Argumente für die Kernenergie sind so blendend offensichtlich, dass ich mich frage warum ich so lange gebraucht habe das zu erkennen."
und
"Die grünen Argumente gegen die Kernenergie sind entweder urbane Mythen oder um Größenordnungen weniger wichtig als der Klimawandel."

Ich empfehle allen das Interview zu lesen:
Mark Lynas bei e360 (klick mich!)

In dem Interview beklagt er auch explizit die deutsche Haltung. Die deutsche Regierung mache irrationale Ängste zu einem Führungsprinzip.

Andere wichtige Umweltaktivisten die ihre Meinung änderten sind unter anderem: Steward Brand (der als einer der ersten Aktivisten gegen die Kernkraft gekämpft hat und dies heute als Fehler bezeichnet) und George Monbiot (der durch die Katastrophe von Fukushima von der Ungefährlichkeit der Kernkraft überzeugt wurde- lest seinen Artikel darüber und ihr werdet es verstehen).

Deutsche Kernkraftgegner müssen diesen Männern nicht zustimmen, aber sie könnten sich die Zeit nehmen ihre Argumente zu studieren.
Ihr habt euch auch von diesen Aktivisten einreden lassen die Kernenergie sei gefährlich. Wenn die selben Aktivisten nun ihre Meinung ändern, solltet ihr euch die Zeit nehmen ihnen zuzuhören.

Monbiot über seinen Sinneswandel (deutsche Übersetzung)
Original

Interview mit Stewart Brand in e360 (englisch)
(1)
Mexx (61 Kommentare) am 31.10.2011 21:05

Haubsache das gewissen sagt es ist doch grün

Solch die schreien schaltet alle ab sind genau der Grund das Deutschland untergeht. Ihr schreit doch nur das was euch die Herren vorsagen aber eine eigene Meinung haben sie nicht. Denkt doch mal darüber nach was ihr fordert. Wo kommt den der Strom nachts her? ja ich weiß von der Biogasanlage oder von einem Wienpark. Aber dieser Strom langt bei weiden nicht aus um den bedarf zu Degen ja jetzt sagen sie da müssen halt noch welche gebaut werden alles schön und gut aber das da wichtige Ackerflächen verschwinden wo Weizen angebaut wird ist ja egal Hauptsache wir haben einen so genannten grünen Strom das aber Dann die Nahrungsmittel knapp werten könnten ist auch egal haubsche grünen Strom der ja nicht grün ist. Und das die Natur mit den********platten zugepflastert wirt interessiert auch keinen. Ihr seid echt super grün ihr schreit schützt die Natur aber das ihr sie zerstört das merkt ihr nicht ihr seid echt die schlausten. Ihr plündert die Wälder, den Boden,
ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe,
als käme nach euch keine Generation mehr,
die all dies ebenfalls braucht. Haubsache das gewissen sagt es ist doch grün man man man wann wacht ihr endlich auf.
(1)
wasgeht (16 Kommentare) am 31.10.2011 19:38

Strom abdrehen

dreht den Grünen und denen die gegen das KKG sind mal den Strom ab, dann würden Sie alle Blöd klotzen. Die kapieren alle einfach nichts. Klar kann man in Deutschland alle KKW abschalten, aber dann freuen sich jetzt schon die Nachbarländer, die bauen alle an der Grenze zu Deutschland und was haben wir dann. Einen Sicherheitsstandard nicht wie in Deutschland.
Mein Schlusszitat. Liebe Grünen macht nur so weiter und Ihr fahrt Deutschland an die Wand
(3)
Hingucker (1481 Kommentare) am 31.10.2011 08:06

Atomkraftwerke

Man sollte schauen, daß diese Reaktoren sicher arbeiten und kein Schindluder betrieben wird, mit ach wird schon noch gehen , oder so. Also OHNE Risiko betreiben. Aber da wirds halt hapern.
(0)
1958kos (177 Kommentare) am 31.10.2011 06:03

Was bitte ist ein ...

KKG?? grinsen

Katholische Kirchengemeinde??;-)

oder wieder nur Menschen in der Redaktion??
(1)
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