publiziert: 22.04.2012 17:57 Uhr
aktualisiert: 22.04.2012 18:21 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text THEILHEIM/SCHONUNGEN
„Der Antisemitismus ist nicht tot“

Gedenkfeiern zum 70. Jahrestag der Deportation jüdischer Einwohner – Mahnmal in Schonungen
  • Namen im rostigen Stahl.
  • Fotos: Josef Schäfer
    Wider das Vergessen: In Theilheim erinnerten Namenstafeln in der ehemaligen Synagoge an die 1942 deportierten 31 Juden. Der jüngste war ein Jahr alt.
  • Interesse: Ein Schonunger betrachtet das neue Mahnmal im Ortszentrum.
  • Kinder gedenken in Theilheim.
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Bei zwei Gedenkfeiern mit insgesamt etwa 200 Teilnehmern ist am Sonntag im Landkreis derjenigen Juden gedacht worden, die vor 70 Jahren in der Nazi-Diktatur deportiert und später ermordet worden sind. In Theilheim fand die beeindruckende Feierstunde in der ehemaligen Synagoge statt. In Schonungen übergab Bürgermeister Kilian Hartmann das neue Denkmal an der Gemeindebibliothek seiner Bestimmung.

31 Theilheimer jüdischen Glaubens sind am 22. April 1942 verschleppt worden. Der jüngste war ein einjähriges Kind. In der ehemaligen Synagoge sind ihre Namen verlesen worden. Einwohner haben dabei teils bebilderte Tafeln für jeden Getöteten auf Tische gestellt; sie waren zuvor in einem Gedenkmarsch durch die Straßen des Dorfes getragen worden. Insgesamt seien 97 Juden mit Geburtsort Theilheim im Holocaust ermordet worden, sagte der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster (Würzburg).

    
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Gedenken an Juden-Deportationen
Theilheim/Schonungen
    
Die Nachbarn haben sie nicht schützen können oder wollen, obwohl sie über 200 Jahre lang Tür an Tür gelebt hätten, sagte Schuster. Die jüdische Gemeinde, die im 19. Jahrhundert die Hälfte der Dorfbevölkerung ausmachte, lasse sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen, erläuterte Konrad Roth in einem geschichtlichen Abriss. „Der Antisemitismus ist nicht tot“, sagte Schuster und kritisierte vehement das umstrittene Anti-Israel-Gedicht von Günter Grass als antisemitisch. Ähnliche Worte fand Schuster auch in Schonungen.

Von dort wurden 1942 acht Juden deportiert, die später in Vernichtungslagern getötet wurden. Auf einer von Klaus Reimann als Leporello (Ziehharmonikaform) konzipierten Stahlinstallation finden sich ihre Namen. Das Denkmal an der Außenwand der Gemeindebibliothek ist verwirklicht worden, nachdem die Idee, so genannte Stolpersteine vor den letzten Wohnhäusern der Getöteten zu verlegen, gescheitert war. Auch darauf ging Bürgermeister Hartmann in seiner Rede ein. Bei aller Kritik am Gemeinderat, das Gremium habe stets an die Personen erinnern wollen. Mit dem Kunstwerk würden ihre Namen aus dem Vergessen zurückgeholt.

Klaus Reimann erläuterte Materialauswahl und Standort des Mahnmals. Es befinde sich an einer zentralen Stelle im Ort: „So steht dieses Gedenkmal mitten im heutigen Leben von Schonungen.“ Die senkrechte Anordnung der Buchstaben erschwere die Lesbarkeit. Damit erhalte jeder Name seine Zeit und seine Bedeutung. Das rostige Eisen soll die Vergänglichkeit symbolisieren. Auch Schuster würdigte das Mahnmal positiv. Damit sei es gelungen, den Getöteten einen Teil ihrer Würde wiederzugeben.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden rief dazu auf, dem Hass, dem die Theilheimer und Schonunger Juden zum Opfergefallen sind, vehement entgegenzutreten. Auch die Bürgermeister Hartmann und Peter Pfister (Waigolshausen) mahnten in ihren Reden, die Erinnerung wachzuhalten, damit solche Gräuel nicht mehr geschehen können. In Schonungen ließ Hartmann seine Ausführungen von einem Mitschnitt untermalen, wie im April 1942 die Namen der Verschleppten auf dem Verladebahnhof in Würzburg aufgerufen worden sein könnten. Erschaudernd.

Von unserem Redaktionsmitglied Josef Schäfer
    
    

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Die neuesten Kommentare

christel2 (630 Kommentare) am 23.04.2012 18:17

an igor88

Sie waren nicht in Schonungen und haben es nicht gehört.
Immerhin haben Sie in diesem Kommentar nicht einen Ihrer vielen Fehler untergebracht, ich meine Rechtschreibfehler! Ihre Name ist mir von vielen unangebrachten Kommentaren wirklich ein Begriff im negativen Sinn.
Haben Sie eigentlich schon mal überlegt, wo Sie herkommen?
(1)
sonicht (115 Kommentare) am 23.04.2012 17:50

Dass der Antisemitismus

nicht tot ist, dafür darf igor88 als eindrucksvolles Zeugnis genannt werden.
Vielleicht ist er wenigstens gradliniger als ein halbgewendeter Grass.
(1)
igor88 (493 Kommentare) am 23.04.2012 11:33

Lieber Herr Schuster....

das Gedicht lieber mal aufmerksam durchlesen und dann eine Aussage treffen. Ihre Aussage oder viel mehr ihre persönliche Meinung zum Gedicht ist völlig falsch und dient nur ihrem "Gutmenschentum" in der Öffentlichkeit. Nur weil man Falsches immer wieder behauptet und sich in der Öffentlichkeit damit brüstet, wird der Wahrheitsgehalt nicht höher.
(0)
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