publiziert: 06.09.2010 14:33 Uhr
aktualisiert: 10.09.2010 15:39 Uhr
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Der Mann hinter der Kamera

Serie „Meine Maschine und ich“: Johannes Bloching von TV 1
  • Am liebsten hinter, ungern vor der Kamera: Johannes Bloching, Chef der Fernsehproduktionsfirma TV1 .
    Foto: Katharina Winterhalter
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Zugegeben, Maschinen im eigentlichen Sinn sind die Geräte nicht, die Johannes Bloching seit Jahrzehnten faszinieren. Es sind auch nicht nur die Kameras, auch wenn man ihn damit in der Öffentlichkeit oft sieht. Den Fernsehtechnikermeister interessiert einfach alles was man braucht, um einen Film zu machen: von der Aufzeichnung über den Schnitt bis hin zu den vielen großen und kleinen technischen Helfern. Eine der jüngsten Errungenschaften seiner Fernsehproduktionsfirma TV 1 ist ein transportables Schienensystem, auf dem die Kamera lautlos hin und her gleiten kann.

„Wir sind technisch auf dem neuesten Stand“, sagt Bloching beim Rundgang durch das Studio in Bergrheinfeld und zeigt die Steadicam, die „schwebende Kamera“. Der Kameramann trägt sie nicht mehr auf der Schulter. Er hat eine Art Weste an, an der ein Federarm befestigt ist. In diesen Arm wird die Kamera samt Monitor eingehängt. Die Federkonstruktion fängt die Bewegung beim Laufen ab, die Kamera selbst „schwebt“ erschütterungsfrei. Mit ihr zu filmen sieht einfacher aus, als es ist. Es braucht viel Kondition, um mit der gut 20 Kilogramm schweren Steadicam herumzulaufen. Eine normale Fernsehkamera wiegt gerade mal die Hälfte, zumindest die hochwertigen Profikameras, von denen eine rund 40 000 Euro kostet und mit denen Bloching und seine Töchter Andrea und Sonja arbeiten.

ZT

2009 hat Johannes Bloching eine Betacam angeschafft, die in bester Qualität, bekannt als HD, aufnimmt. „Fürs lokale Fernsehen macht die keinen Sinn“, sagt er. Sie kommt bei Imagefilmen oder bei der Übertragung von Operationen aus dem OP zum Einsatz. Damit ist der 62-jährige beim zweiten Standbein seiner Firma, das er ab 2003 ausbauen musste, als TV 1 zum Spartenanbieter im Regionalfernsehen degradiert wurde, wie er es selbst ausdrückt.

Die Geschichte ist bekannt. TV 1 war im Oktober 1989 mit fünf Sendungen wöchentlich auf einem eigenen Kanal gestartet, nachdem Mainpost/Schweinfurter Tagblatt mit ihrer Teleschau wieder aus dem Fernsehgeschäft ausgestiegen waren. Kurz darauf berichteten auch die „Würzburger TV Touring“ aus Schweinfurt. 2003 kündigte die Bayerische Landeszentrale für Neue Medien die Lizenzen, Touring erhielt den Zuschlag als Hauptanbieter, Bloching blieb ein kleines Fenster, Donnerstag um 19.30 Uhr für eine halbe Stunde, Wiederholung Sonntags um die gleiche Zeit. Allerdings sind seine Sendungen in guter Qualität im Internet zu sehen. Ende diesen Jahres laufen die Genehmigungen aus, dann wird neu ausgeschrieben.

Das zweite Standbein ist inzwischen ziemlich kräftig. Bloching und sein Team drehen Imagefilme, unter anderem für den Robinson-Club, arbeiten für die Industrie, übertragen Operationen im Rhön-Klinikum oder Konzerte. Im Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender war Bloching immer wieder mit seinem kleinen Übertragungswagen unterwegs, beim Hochwasser in Passau oder auf der Suche nach Bär Bruno.

Ein drittes Standbein ist die Vermietung von Veranstaltungstechnik. Aber nicht nur deshalb ist die Firma auf dem neuesten Stand. Alles was zum Filmemachen gehört, interessiert Johannes Bloching einfach, das ist seine Leidenschaft. Weil die gepaart mit großem Fachwissen ist, hat er schon einige Dinge selbst entwickelt: Anfang der 1970er Jahre ein kleines Gerät, mit dem Privatfilmer Bild und Ton synchronisieren konnten. Die Geräte hat Bloching sogar verkauft, bis die Entwicklung sie überflüssig machten. Seine neueste Erfindung nutzt er nur in seiner eigenen Firma. Es ist ein System, das bei der drahtlosen Videoübertragung das „Rotlicht“, also das entscheidende Signal zu der Kamera überträgt, die gerade dran ist.

ZT

Letztes Jahr hat seine Firma ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. In zwei Jahren könnte Johannes Bloching ein besonderes Jubiläum begehen: dann ist er seit genau 50 Jahren Kameramann. Er war 14 Jahre alt, als ihm seine Eltern einen großen Wunsch erfüllten und eine Acht-Millimeter-Kamera schenkten. Das gute Stück liegt noch im Regal im Studio. Mit ihr hat Johannes Bloching in seiner Heimatstadt Münnerstadt die ersten kleinen Filmchen gedreht.

Von unserem Redaktionsmitglied

Katharina Winterhalter

    
    

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