publiziert: 22.11.2009 16:47 Uhr
aktualisiert: 22.11.2009 17:50 Uhr
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Der Tag, an dem es Gerolzhofen nicht gab

Stephan Oettermann referierte über den Pogrom 1938 in Gerolzhofen und Frankenwinheim

Mit der viel beachteten Ausstellung „Gerolzhofen 1933 - 1945“ begann der Historische Verein im Frühjahr seine Aufklärungsarbeit über die Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt und ihrem Umland. Diese wurde nun fortgeführt mit einem Vortrag von Stephan Oettermann zu den Vorgängen in Gerolzhofen und Frankenwinheim während des Judenpogroms von 1938.

  • Diese um 1930 entstandene Aufnahme aus dem Fundus des Stadtarchivs zeigt die Gerolzhöfer Synagoge in der Steingrabenstraße, die beim Judenpogrom am 10. November 1938 verwüstet wurde.
    Repro Norbert Vollmann
  • Dieser Gedenkstein in der Schuhstraße erinnert heute in Gerolzhofen an die ehemaligen jüdischen Mitbürger.
    FOTO M. Endriss
Bild von
2 Bilder

Es sind rund 40 Geschichtsinteressierte, die sich an diesem Abend im Gasthaus „Zum Kapellenberg“ eingefunden haben. Stephan Oettermann, Vorsitzender des Historischen Vereins und ehemaliger Stadtarchivar, will in seinem Vortrag die Geschehnisse nachzeichnen, die sich an jenem Donnerstag, 10. November 1938, in Gerolzhofen und Frankenwinheim abgespielt haben.

Kein leichtes Unterfangen, wie er zugibt, basiert sein Referat doch auf den zusammengefassten Vorermittlungen des Gerichts zum Synagogenprozess 1950 und den während des Prozesses protokollierten Zeugenaussagen. Und ein Gericht, so betont Oettermann, „interessiert sich nicht für historische Wahrheit und die ganze Geschichte“.

Ereignisse, die nicht justiziabel sind, interessieren dabei ebenso wenig wie Personen, die nicht unmittelbar Täter oder Zeugen waren oder die, aus welchen Gründen auch immer, strafrechtlich nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. Auch wurde, so Oettermann, im gesamten Prozess keines der Opfer gehört.

    
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Lückenhafte Akten

Dem Gericht sei es nicht einmal gelungen, den zeitlichen Ablauf der Ereignisse jenes Tages exakt zu klären. Geschweige denn, wie viele Personen daran aktiv oder passiv beteiligt waren. Die Akten sprächen vage von „der Menge“. „Deshalb bleibt die folgende Geschichte des Gerolzhöfer Novemberpogroms mehr als lückenhaft und unbefriedigend“, befindet Oettermann. Und doch gelingt es ihm in seinem rund einstündigen Vortrag, den Zuhörern die ganze Unmenschlichkeit und den Widersinn der damaligen Ereignisse vor das geistige Auge zu führen.

Auslöser des Pogroms war das Attentat des jungen Juden Herschel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath in Paris. Dessen Tod zwei Tage später, am 9. November 1938, war Wasser auf die Mühlen der nationalsozialistischen Propaganda. Von München aus, wo just an diesem Tag des gescheiterten Hitler-Putsches von 1923 gedacht wurde, schwappte der Aufruf Goebbels zum „Volkszorn gegen die Juden“ in die Gaue des Hitler-Reiches.

Obwohl es keinen direkten Befehl zur Auslösung des Pogroms gab, verstanden ...

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Von unserem Mitarbeiter Matthias Endriss
    
    

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