publiziert: 20.08.2010 10:57 Uhr
aktualisiert: 10.09.2010 15:31 Uhr
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Dialyse: Die Lebensretterin

Meine Maschine und Ich: Dreimal in der Woche muss Hannelore Schröter zur Dialyse

Ohne ihre Maschine könnte sie nicht überleben. In 14 Tagen wäre ihr Blut, ihr Körper vollkommen vergiftet, sagt Hannelore Schröter aus Schwanfeld. Das Dialysegerät, sagt die 61-Jährige, sei so etwas wie ihr Lebensretter.

Hannelore Schröter ist eine von rund 60 000 Dialysepatienten in Deutschland, rund 11 000 sind es in Bayern, so Hannelore Seitz, die Vorsitzende der Interessengemeinschaft Niere Schweinfurt/Haßberge.

Seit sieben Jahren ist Hannelore Schröter auf die Dialyse angewiesen. Dreimal in der Woche, Montag, Mittwoch und Freitag, kommt sie früh am Morgen ins Dialysezentrum im Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt. Viereinhalb Stunden wird ihr Blut durch die Maschine gepumpt, dabei gereinigt und entwässert. Erst gegen Mittag macht sie sich wieder auf den Weg nach Hause.

Eine Gewebeentzündung, sagt sie, habe ihre Nieren kaputt gemacht. Weil eine Nierenerkrankung oft schleichend verläuft, lange Zeit niemand die Schädigung bemerkt. Sie sei nur ständig blass und müde gewesen, erzählt Hannelore Schröter, doch festgestellt, dass beide Nieren nicht mehr funktionieren, habe man erst Wochen später, fast zu spät. „Ich musste sofort zur Dialyse.“ Ihr Blut war zu diesem Zeitpunkt schon stark vergiftet.

Von einem Tag auf den anderen Tag war sie Rentnerin. Ihren Job als Bankkauffrau im sächsischen Weiswasser musste sie aufgeben. Sie zog zu ihrem Ehemann nach Schweinfurt, der zwar ebenfalls aus Weiswasser stammt, in Unterfranken aber Arbeit gefunden hatte. Es war eine Umstellung ihres ganzen Lebens.

Am Anfang habe ihr die Dialyse körperlich starke Probleme bereitet. Doch auch die Umstellung im Kopf sei schwierig gewesen: „Einige können sich darauf vorbereiten, wenn sie früh genug erfahren, dass ihre Nieren geschädigt sind.“ Bei ihr sei alles ganz plötzlich gegangen. Inzwischen, nach sieben Jahren, habe sie sich daran gewöhnt. Sie weiß, dass sie ohne Dialyse nicht überleben kann. „Ich sehe in ihr etwas Gutes“, sagt sie. „Ohne diese Maschine wäre ich nicht mehr hier.“

Sie weiß, wie sehr sie das Gerät braucht. Wenn sie am Wochenende Pause hat und nicht zur Dialyse muss, merkt sie am Sonntag manchmal wie es ihr schlechter geht. „Dann bin ich froh, dass ich am Montag wieder hierher kann“, sagt sie. Im Notfall können Patienten natürlich jederzeit zur Blutreinigung ins Krankenhaus. Auch Schröter sei schon zur Zwischendialyse gefahren.

Die Dialyse zu Hause zu machen, kommt für sie nicht infrage. „Der Aufwand wäre zu groß.“ Es müsste jemand da sein, der hilft, wenn der Blutfluss nicht läuft, und die Maschine Alarm schlägt, sagt Schröter. Prompt blinkt und hupt die Maschine. Die Schwester muss helfen.

In drei Schichten – morgens, nachmittags und abends – werden Patienten an die Dialyse im Krankenhaus St. Josef angeschlossen. Mehr als 20 dürften es sein, die an diesem Morgen auf den Krankenbetten liegen. Das Frühstück ist bereits abgeräumt. Einige schauen fern, andere lesen oder schlafen. Die Schwestern messen Blutdruck. Dreimal in der Woche viereinhalb Stunden Dialyse. Auch das musste Hannelore Schröder erst akzeptieren – „heute sage ich mir, ich gehe auf Arbeit.“

Einige Patienten würden eine Art Hassliebe zu den (Blutwäsche-)Maschinen entwickeln, sagt Hannelore Seitz. Sie wissen, dass sie die Dialyse brauchen, hassen es aber, für immer darauf angewiesen zu sein.

„Es ist schon ein großer Einschnitt“, sagt Schröter. Man müsse das ganze Leben darauf einstellen. Spontan verreisen? Keine Chance. Denn auch im Urlaub muss das Blut alle zwei Tage gereinigt werden. Inzwischen gibt es aber auch im Ausland die Möglichkeit, an die Dialyse zu kommen. „Feriendialyse“ nennt man das. Innerhalb Europas funktioniere das ganz gut, sagt Schröter.

Am Anfang habe sie gar nicht wissen wollen, was mit ihrem Blut in der Maschine passiert. Doch im Lauf der Jahre hat sie sich doch damit auseinandergesetzt. Inzwischen weiß sie, wie die Blutreinigung funktioniert, was die Zahlen auf dem Display bedeuten, erklärt Filter und Schläuche. Während der Dialyse fließt das Blut im Kreislauf mehrmals durch die Maschine. Rund 81 Liter sind es bei Hannelore Schröter während einer Dialyse.

Den Kreislauf beenden könnte nur eine neue Niere. Seit sieben Jahren hat Hannelore Schröter ihr Handy ständig griffbereit, wartet auf den einen Anruf. Acht Jahre betrage die durchschnittliche Wartezeit für eine Spenderniere, sagt Seitz. „Es gibt aber auch Menschen, die warten seit über zehn Jahren.“

Bis es für Hannelore Schröter so weit ist, muss das Dialyse-Gerät die Nierenfunktion ersetzen, zumindest für ein paar Stunden. „Ohne die Maschine ginge es gar nicht“, sagt Hannelore Schröter. Und sie ist froh, dass es sie gibt.

ONLINE-TIPP

Mehr Informationen über Dialyse, Transplantation und Organspende unter www.ig-niere.info

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Ritter
    
    

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