aktualisiert: 03.05.2010 11:10 Uhr
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SCHWEINFURT
Die Demokraten rücken zusammen
10 000 Demonstranten des Bunten Bündnisses und dessen Redner erteilen den Neonazis eine deutliche Abfuhr
Das, was die Rechtsextremen in Schweinfurt angerichtet haben, dürfte so ganz und gar nicht in ihrem Sinne sein: Alle Redner am Zeughaus schworen sich vor einem Querschnitt der gesamten Schweinfurter Bevölkerung auf eine künftig engere Zusammenarbeit ein.
Letztlich waren es 80 Gruppierungen, die zur bunten Gegendemonstration und zur Maifeier des DGB aufgerufen hatten. Etwa 10 000 Menschen kamen aus der Stadt und dem Umland zur wohl größten Demo und Kundgebung, die Schweinfurt bisher erlebt hat.
Schon eine halbe Stunde vor dem geplanten Abmarsch in der Wehr war klar: Schweinfurt wehrt sich beeindruckend gegen Rechts. Der bunte Einfallsreichtum war dabei grenzenlos, reichte von der Fahne, über das Trikot in der Vereinsfarbe bis hin zum selbst bemalten T-Shirt mit der Aufschrift „Kein Platz für Nazis“. Mehrere Blechbläsergruppen trugen mit ihren spontanen Auftritten an der Ecke Maxbrücke/Gutermannpromenade oder am Marktplatz auf ihre Weise zum Protest bei.
Als sich noch Tausende weit weg vom Kundgebungsort befanden, war der Zeughausplatz schon voll, umfallen konnte schon eine halbe Stunde vor der ersten Rede niemand. Als Ventil funktionierte der Hinweis, dass man auch zu einem der anderen Feste weitermarschieren könne.
Firsching überwältigt
Überwältigt war Hauptorganisator Frank Firsching, DGB-Regionsvorsitzender. Seine Rede, obwohl bestens formuliert und durchdacht, hielt er gleich gar nicht. Er begründete den Verzicht so: Dass „ganz Schweinfurt auf den Beinen ist“, sei das Großartigste, was der Stadt an diesem Tag habe passieren können. Schweinfurt zeige, dass der 1. Mai für Frieden und Gerechtigkeit stehe und keine Plattform für Irregeleitete biete.
Die Vorsitzende des Integrationsbeirates Ayfer Fuchs definierte den Nationalsozialismus nicht als Weltanschauung, sondern als Verbrechen an der Menschheit. Ihr Dank galt den Veranstaltern und auch Gudrun Grieser, die als scheidende Oberbürgermeisterin die Aktion des DGB voll unterstützt habe.
Der erste öffentliche Auftritt des neuen OB Sebastian Remelé signalisierte eine offene Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg im Stadtrat und eine aktive Integrationspolitik. Der Tag der Arbeit sei in einer Arbeiterstadt nicht hoch genug zu bewerten, er sei auch die Verpflichtung, den Nationalsozialismus zu bekämpfen.
Die Beteiligung an „Schweinfurt ist bunt“ stehe dafür, dass ihm nicht bange um die Existenz des freiheitlichen Staates sein müsse. Dank dafür zollte Remelé den Gewerkschaften. Schweinfurt sei tolerant und weltoffen, müsse dank seines Ausländeranteils weder Schulen noch Firmen schließen. Remelé an die ausländischen Mitbürger: „Wir wollen und wir brauchen euch.“ Die Angst der Türken, die ihr Kinderfest und den Umzug durch die Innenstadt abgesagt hatten, verstehe er: „Ich stelle mich schützend vor Sie.“ Seine weiteren Grüße gingen an die „amerikanischen Freunde“ und an die Polizisten, die sich auch an diesem Tag für die Sicherheit und die Demokratie einsetzen würden.
Klares Wort der Kirchen
Der evangelische Dekan Oliver Bruckmann, der stellvertretend auch für den katholischen Dekan Reiner Fries sprach, sagte: „Dass wir hier stehen dürfen, ist schön, dass wir hier reden müssen, ist traurig. Wir wollen die Nazis nicht haben, hier nicht, nicht in Dresden und nicht in Berlin.“ Bruckmann räumte Versäumnisse der Kirchen unter dem Naziregime ein, was die Verpflichtung zu einem frühen und gemeinsamen Einschreiten gegen Neonazis verstärke: „Wir dürfen uns nicht trennen lassen, wenn braune Mächte feiern.“
Demo gegen Neonazis in Schweinfurt
Neonazis in Schweinfurt (3)
Neonazis in Schweinfurt (2)
Neonazis in Schweinfurt (1)
Gut eine Stunde nach dem Auftakt der Kundgebung fielen gegen 12.30 Uhr erste Regentropfen. Trotzdem blieben Hunderte, bis nach 15 Uhr die Tische zusammengeklappt wurden.
Ein Zeichen setzte die Kirche auch beim Aufmarsch der Nazis. Als die Braunen ihre dumpfen Parolen bei ihrer Kundgebung auf dem Platz vor dem Schuttberg verbreiteten, läuteten die Glocken von St. Kilian und störten wie der über den Rechtsextremen schwebende Polizeihubschrauber die Reden gehörig.
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