aktualisiert: 28.10.2009 17:54 Uhr
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Die Elektro-Musikanten
Das Schweinfurter Kollektiv „Tonquadrat“: ein zweiter Sampler und viele Ideen
Beim dritten Versuch, diese Musik zu hören, auf einer entspannten Autofahrt, gelingt schließlich ansatzweise der Zugang zu dem einen oder anderen ruhigeren Stück auf dem neuen Sampler von „Tonquadrat“. Natürlich muss man elektronische Musik nicht mögen. Aber wer wissen will, was es jenseits der etablierten Schweinfurter Kulturszene gibt, der kommt an den jungen Leuten nicht mehr vorbei, die hinter dem witzigen Namen Tonquadrat stehen.
Möglicherweise wären die Elektro-Musikanten Marc Bieringer, Philipp Kleinhenz, Christian und Sebastian Kuhn bis heute nur Insidern bekannt, wenn sie nicht die Verantwortlichen des KulturPackts von einer ihrer Ideen überzeugt hätten. Das Konzert „Dunkelhören“ zum Abschluss des Kulturforums im Zeughaus Anfang Juni dieses Jahres klang schon in der Ankündigung so spannend, dass sich Menschen darauf einließen, die sonst eher Klassik, Jazz, vielleicht noch den guten alten Rock hören. Die Rezensentin des Schweinfurter Tagblattes jedenfalls, Erna Rauscher-Steves, selbst klassisch ausgebildete Sängerin, schrieb von ganz neuen Erfahrungen für die Sinne, gar von einer „Operation am offenen Unterbewusstsein“.
Einige Monate vorher war das Tonquadrat beim Honky Tonk vertreten. Der Auftritt in der Disharmonie wurde zur Riesenparty. Während beim Dunkelhören eher langsame, sphärische Klänge zu hören waren zogen hier die schnellen Beats auf die Tanzfläche. Der zweite Sampler des Künstlerkollektivs, seit einigen Wochen auf dem Markt, bietet beides und deckt die ganze Bandbreite an elektronischer Musik im Mainfränkischen Raum von Aschaffenburg bis Bayreuth ab: von sphärischen Ambientklängen über treibende Technobeats bis zu brachialem Drum& Bass, um in der Sprache der Elektromusiker zu bleiben.
Tonquadrat sind also einerseits die vier oben genannten Musiker und Hauptorganisatoren, die es sich zum Ziel gesetzt haben, sich selbst und anderen jungen Künstlern ein Forum für ihre Musik abseits des Mainstreams zu bieten. Es sind aber auch all jene E-Musiker, die nun ihre Tracks veröffentlichen können, die sie im stillen Kämmerchen gebastelt haben. Ihre Plattform ist der MP3-Blog auf www.ton2.de. Die besten Stücke landeten auf dem neuen Sampler.
Die Idee einer Plattform für Musiker stammt ursprünglich von Christian Kuhn, damals noch Abiturient in Schweinfurt. Auf einer Party 2007 fand er in Marc Bieringer einen Partner, der von der Idee begeistert und bereit war, sie umzusetzen. Christian, der inzwischen in Köln studiert, ist für das Grafik-Design verantwortlich, Marc Bieringer (derzeit Berlin) und Philipp Kleinhenz machen das Sounddesign, Sebastian Kuhn dreht und schneidet die Videofilme für die Website und hat den Sampler vorfinanziert, weil er der einzige ist, der schon berufstätig ist und Geld verdient.
Die Arbeit an der Doppel-CD hat die vier manchmal an ihre Grenzen gebracht. „Es war anstrengend, es gab Stress und emotionale Ausbrüche, aber wir sind daran gewachsen“, sagt Marc Bieringer. Zuerst galt es, aus der Fülle an Tracks auf dem MP3-Blog, die die Fans bewerten durften, die 30 besten auszuwählen. Aufwendig auch das Pappcover. Ausgeklappt zeigt es eine Colage der mainfränkischen Städte und lauter kleine Tonquadranten. Schließlich Vertrieb, Release-Party, kleine Videos für die Homepage, es gab und gibt viel zu tun. Ansporn sei immer die Freude der 25 Musiker über den gelungenen Sampler, sagt Bieringer.
Kaum war der in den Läden, gab es neue Ideen. Geplant ist ein Remix-Album. Das heißt, Tonquadrat stellt die Tracks vom Sampler ins Netz und jeder, der will, kann sich daraus bedienen, kann damit arbeiten und das Ergebnis wieder ins Netz stellen. Außerdem sucht das Quartett Veranstaltungsorte, um Konzerte zu geben und ein bisschen Geld einzuspielen für weitere Projekte. Eines steht schon fest: Vom 21. November bis 30. Januar präsentiert Tonquadrat in der „Kunststation am Hauptbahnhof“ von Gerhard R. Göbel 15 junge Leute aus Schweinfurt mit Malerei, Skulptur, Grafik, Kurzfilm, Body-Paint und einem abstrakten Weihnachtsbaum – das alles unter dem Titel „Seelenspiegel“.
Und dann gibt es noch den ganz großen Plan im Hinterkopf, sagt Bieringer, der Medienmanagement studiert hat und gerade seine Bachelor-Arbeit abschließt – übrigens über sein Projekt „Dunkelhören“ im Zeughaus: Zusammen mit den anderen eine Medienagentur aufbauen. Nicht zu vergessen natürlich die eigene Musik. Also am PC sitzen, vielleicht eine Base Drum auswählen, eine Snare Drum dazu, einen Effekt drüber legen, eine kleine Melodie finden, solange basteln, bis sich der Track gut anhört für Maak, Fonoton, Jack Rabbit und alle anderen Frickler und Fans der elektronischen Musik.
Den Sampler Nr. 2 gibt es in Schweinfurt im Yo-C, in Bergrheinfeld im Grashüpfer, in Würzburg im Monophon und im H2O. Weitere Infos und Videos auf www.tonquadrat.de
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